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Zinsen

Welche Impulse gibt jetzt EZB-Chef Mario Draghi?

Anleihe-Experten: Ein Teil der Mittel wird in Unternehmensanleihen umgeschichtet

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Es kann gut sein, dass Mario Draghi den Märkten vorerst keine weiteren Signale mehr geben will

Am Donnerstag tagt die Europäische Zentralbank. Es geht um die Wiederanlage fälliger Anleihen – und wohl den Zeitpunkt der ersten Zinserhöhung. Auch wenn die Investoren so kurz vor der Sommerpause keine Überraschungen von der Europäischen Zentralbank (EZB) erwarten – bei einem Punkt werden viele Rentenfondsmanager genau auf die Worte von Mario Draghi achten. Vom EZB-Chef erhoffen sie sich einen Hinweis, wie er im kommenden Jahr mit fällig werdenden Anleihen im Bestand der Notenbank umzugehen gedenkt. Außerdem werden sie auf jeden noch so kleinen Hinweis zu der Frage lauern, wann es die erste Zinserhöhung geben könnte.

Die EZB hat in den vergangenen Jahren massenhaft Anleihen aufgekauft, um deren Renditen zu drücken, damit die Wirtschaft anzuschieben und die Inflation auf den Zielwert von knapp zwei Prozent zu bringen. Auf diese Weise hat sie ihre Bilanzsumme auf mehr als 40 Prozent des Bruttoinlandsprodukts der Euro-Zone aufgepumpt.

Ab Anfang 2019 will sie per saldo nicht mehr zukaufen, sondern nur noch auslaufende Papiere ersetzen. In rund einem Jahr könnte es dann zu einer ersten Zinserhöhung, weg von der aktuell gehaltenen Null-Linie, kommen. Erst deutlich danach dürfte die EZB damit beginnen, ihre Bilanzsumme abschmelzen zu lassen.

Einige Investoren spekulieren, dass die EZB beim Ersatz auslaufender Papiere bevorzugt lang laufende Anleihen kaufen wird, um so deren Zinsen niedrig zu halten. Bisher gibt es dafür aber keine konkreten Anhaltspunkte.

Die Anleihe-Experten vermuten, dass die EZB ein Teil der Mittel aus fälligen Staatsanleihen in Unternehmensanleihen umschichtet. Damit könnte die EZB steigenden Zinsen bei Unternehmensanleihen entgegenwirken. Das Ankaufprogramm der Zentralbank hatte auch die Renditen für Unternehmen mit guter Bonität auf ein Minimum gedrückt. Steigen die Zinsen wieder, wird es für die Firmen teurer, sich zu refinanzieren.

Investitionen könnten zurückgefahren und der Aufschwung in der Eurozone dadurch gefährdet werden, so die Befürchtung. Einige Kritiker der Ankaufprogramme fürchten gar, dass die Zentralbank auslaufende Staatsanleihen von soliden Euro-Mitgliedern durch Papiere aus der Peripherie ersetzt und damit die Risikoprämien etwa für Italien, Griechenland oder Spanien niedrig hält.

Das würde aber gegen alle Absprachen verstoßen. Die EZB orientiert sich bei ihren Käufen am sogenannten Kapitalschlüssel. Das bedeutet: Der Anteil der erworbenen Staatsanleihen am Gesamtvolumen entspricht dem Anteil der emittierenden Länder am Eigenkapital der EZB. Diese Proportion kann nicht immer punktgenau eingehalten werden, unter anderem, weil die Papiere nicht gleichmäßig auslaufen.

In den vergangenen Monaten hatten vorübergehende Abweichungen von dem Schlüssel zu der Anschuldigung geführt, die EZB verfolge damit politische Ziele. Zuerst kam dieser Vorwurf aus Deutschland, dann aus Italien. Bei der letzten Sitzung hatte die EZB das Ende der Nettozukäufe überraschend deutlich angekündigt und sich über die erste Zinserhöhung eher nebulös geäußert. Es könnte gut sein, dass Draghi den Märkten vorerst keine weiteren Signale mehr geben will.

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