Diese Seite verwendet Cookies.

Mehr erfahren

Optioment

Was haben Optionment und OneCoin gemeinsam?

Einer der größten Kriminalfälle rund um Kryptowährungen bisher

Zurück

Die meisten fühlen sich nun als Opfer und um ihr Geld betrogen: Aber handelt es sich tatsächlich um Betrug? Strafrechtsexperten sind da nicht sicher

„Let's build something big“ lautete der Werbespruch von Optioment: „Bauen wir etwas Großes!“ Das ist gelungen. Aber nicht so, wie geplant. Aus der als besonders schlau, sicher und ertragreich vermarkteten Bitcoin-Anlage ist ein gigantischer Finanzskandal geworden, der die Behörden lange beschäftigen wird. Einer der größten Kriminalfälle rund um Kryptowährungen bisher. Neben OneCoin: Erste Erkenntnisse belegen, dass offenbar zahlreiche Vermittler nicht nur Optioment an die Frau und an den Mann gebracht acht haben, sondern gleichzeitig auch für das Kripo-Betrugsnetzwerk OneCoin/OneLife/OneAcademy.

Österreich verkommt im Krypton-Sumpf: Jetzt nehmen die strafrechtlichen Ermittlungen Fahrt auf. Die Sprecherin der Staatsanwaltschaft Wien, Christina Ratz, bestätigte gegenüber :gerlachreport, dass die österreichische Polizei „weitreichende und konsequente Ermittlungen durchführen wird.“ Eine der ersten Aufgaben besteht darin, sämtliche Anzeigen gegen das Optioment-Netzwerk zusammenzutragen: „So wollen wir uns einen genauen Überblick verschaffen.“

Die Staatsanwaltschaft wiederum hat Interpol eingeschaltet. So soll ermittelt werden, wo überall in Europa Anleger geschädigt wurden. Vor allem aber wollen die Wiener Fahnder mit Hilfe der Interpol-Kollegen nähere Daten zu Verdächtigen bekommen, die sich im Ausland aufhalten. In diesem Zusammenhang werden dann auch die Köpfe der österreichischen OneCoin-Bande genauer unter die Lupe genommen. :gerlachreport erfuhr: „Wir haben Verbindungen gefunden, die uns zu dem Schluß bringen, dass die Betrugssysteme durch die handelnden Personen verbunden sind.“

Die Finanzmarktaufsicht (FMA) hat Anzeige gegen den Dänen Lucas M. und den Letten Alex P. erstattet. Fraglich ist, ob es diese Männer überhaupt gibt: Drei Österreicher, die das Optioment-Vertriebs-Netzwerk von Österreich aus aufgezogen haben, hatten bereits im Dezember den Dänen und Letten wegen Betruges angezeigt. Möglicherweise ein Ablenkungsmanöver. Für die FMA steht fest: Betrug und Betreiben eines illegalen Pyramidenspiels. Dabei werden neue Einnahmen für die Ausschüttungen alter Anleger und Investoren benutzt.

Fahnder gehen davon aus, dass mit diesem System auch unruhig gewordene OneCoin-Anleger befriedigt werden sollten. Im Zuge der OneCoin-Razzia in Sofia waren zahlreiche Beschwerden und Klageandrohungen aus Österreich gefunden worden.

Recherchen der österreichischen Tageszeitung „Die Presse“ und des ORF zufolge dürften in das Optioment-System bis zu 10.000 Menschen verwickelt sein. Die meisten davon Österreicher – aber das bisher bekannte Netz hat sich bis nach Deutschland, Polen, Rumänien, die Türkei und auf den Balkan gespannt. Die Beteiligten sprechen von bis zu 12.000 Bitcoin, die via Optioment angeblich angelegt worden waren. Das bedeutet einen Gesamtwert (Stand 15. Februar) von mehr als 121 Millionen US-Dollar.

Offiziell hieß es, der Trader Lucas M. würde dieses Geld mithilfe eines Trading-Roboters vermehren und die Gewinne als Rendite an die Investoren auszahlen: 1,5 bis vier Prozent pro Woche soll es gegeben haben. Seit November sind diese Auszahlungen aber ausgeblieben. Die Optioment-Websites sind verschwunden. Die Investoren haben keinen Zugriff auf ihr Geld.

Das Problem: Die Vertreiber, die als „drei Optioment-Musketiere“ aufgetreten sind, haben zwar ein Multi-Level-Marketingsystem entworfen, über das Tausende und ihr Geld zu Optioment gekommen sind. Einen Vertrag mit Lucas M. haben sie seltsamer Weise aber nie abgeschlossen. Von Lucas M. gibt es kein einziges Foto, keine Adresse und keine Beschreibung – obwohl die „Musketiere“ ihn zweimal getroffen haben wollen. Lucas M. ist ein Phantom.

Die Verbindung zwischen ihm und den drei heimischen Vertreibern war ursprünglich durch einen Bitcoin-Unternehmer aus Österreich zustande gekommen. Ob dieser bereits von den Behörden einvernommen wurde, ist bisher nicht bekannt.

Von den so genannten Top-Leadern, also jenen Männern, die gemeinsam mit den „drei Musketieren“ an der Spitze des Vermarktungssystems gestanden sind, dürften einige von der Bildfläche verschwunden sein, berichten Betroffene. Viele Optioment-Investoren hegen auch den Verdacht, dass Lucas M. und Alex P. nur vorgeschoben wurden – und dass man sie nie finden wird. „Die gibts in Wahrheit nicht“, glaubt einer der Betroffenen.

Aus dem Landeskriminalamt heißt es, dass erste Vernehmungen stattgefunden haben. Es gebe eine Spur nach Nordeuropa, etwa zu Lucas M. und Alex P. Aber, so Pressesprecher Paul Eidenberger: „Man muss prüfen, ob das stimmt und wer das sein könnte. Man kann sich da auf sehr langwierige Ermittlungen einstellen. Jetzt müssen erstmal die Geschädigten erfasst werden. Das sind sehr viele. Auch der Schaden muss festgestellt werden.“

Viele Optioment-Teilnehmer haben Dutzende weitere Leute - oft Verwandte - dazu geholt – und Provision kassiert. Die meisten fühlen sich nun als Opfer und um ihr Geld betrogen. Noch ist aber nicht klar, ob es sich überhaupt um Betrug handelt, weil dieser Tatbestand eine Täuschung voraussetzt. Aber auch Pyramidenspiele sind verboten und mit Haftstrafe bedroht.

„Die Teilnehmer an Pyramidenspielen unterliegen keiner Täuschung. Sie wissen, dass sie ihren Einsatz und Gewinn nur wiedersehen, wenn sie selbst Leute dazu bringen, ins System einzuzahlen. Man beginnt als Opfer und wird zum Täter“, sagt ein Strafrechtsexperte. Vielen „Opfern“ ist noch gar nicht bewusst, dass sie nicht nur Geld verloren haben, sondern auch mit dem Strafgesetz in Konflikt geraten sind.

Zurück

The next big story

Haben Sie die nächste große Geschichte?

Möchten Sie diese mit dem :gerlachreport teilen?

Wir bieten Ihnen viele Möglichkeiten, sich mit unseren Journalisten in Verbindung zu setzen und Materialien zu liefern. Kein Kommunikationssystem ist völlig sicher, aber unsere Möglichkeiten werden helfen, Ihre Anonymität zu schützen.

Bitte senden Sie keine Rückmeldungen, Story-Ideen, Pitches, Leserbriefe oder Pressemitteilungen über diese Kanäle.

Für eine allgemeinere Korrespondenz nutzen Sie bitte unsere regulären E-Mail-Adressen.

Ihr sicherer Kontakt

Neben unseren regulären E-Mail-Adressen haben wir für vertrauliche Nachrichten und Mitteilungen ein Postfach eingerichtet, das über Pretty Good Privacy (PGP) verfügt und absolut sicher ist:

redaktion.dta@protonmail.com

Bitte hinterlassen Sie auf jeden Fall eine Telefonnummer. Wir rufen Sie innerhalb kürzester Zeit zurück.

E-Mails an die Redaktion oder Chefredaktions-Adresse werden durch die Sicherheitsabteilung überprüft. Es kann vorkommen, dass für die Verifizierung des Absenders ein Personennachweis angefordert wird, wenn der Verdacht einer Identitätsfälschung vorliegt oder vorliegen könnte.

Was ist ein guter Tipp?

Ein starker News-Tipp hat mehrere Komponenten.

Die Dokumentationen oder Nachweise sind wichtig.

Spekulationen können spannend sein. Verdächtigungen oder Behauptungen, die einer Überprüfung nicht standhalten, sind es nicht.

Eine guter Nachrichten-Tipp beschreibt ein klares und verständliches Problem. Die Suche nach Hilfe, weil großer Schaden oder Leid angerichtet wurden. Falsche Verdächtigungen helfen niemandem und führen nicht zu einer Veröffentlichung.

Aber lassen Sie sich nicht abschrecken. Manchmal ist ein kleiner Hinweis das fehlende Puzzlestück in einem gesamten Themenkomplex, der von uns ohnehin bearbeitet wird. Besonders wichtig: Hinterlassen Sie bitte eine Kontakt-Telefonnummer.

Gute Tipps sind:

Hier ist ein Beweis dafür, dass in einer Behörde, Organisation oder einem Verband gemauschelt, getrickst und getäuscht wird.

Hier ist der Beweis dafür, dass Anlegergelder falsch oder illegal benutzt werden.

Hier ist der Beweis, dass betrogen, unterschlagen oder veruntreut wird.

Hier ist der Beweis für Täuschung, falsche Versprechen und üble Abzocke.

Wir kontrollieren alle Nachrichten regelmäßig, können aber nicht versprechen, dass jeder Informant umgehend eine individuelle Antwort erhält.

Sämtliche Kommunikation unterliegt der strikten Vertraulichkeit.