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Autark-Razzia

Warum sich Adele Raschke wirklich selbst anzeigte

Raschkes Erfolg: In der Kasse 2,74 Euro, Schulden in Höhe von 552.547,74 Euro

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Die Schlossstrasse 151 in Dinslaken wurde mit Autark-Geldern gekauft. Seinen „Anteil“ in Höhe von 300.000 Euro hat Stefan Kühn Adele Raschke übertragen - sie darf die Kaufsumme 2025 bezahlen. Einen anderen Anteil in Höhe von 300.000 Euro bekam sie praktis

Es dauerte nicht einmal eine Woche, dann schlug die Staatsanwaltschaft zu und nahm der Steuerfahndung die Arbeit ab: Autark-Oma Adele Raschke, die graue Eminenz im Autark-Betrugsnetzwerk „wurde nach allen Regeln der Kunst auseinandergenommen“, wie :gerlachreport erfuhr. Die durchgeknallte Betrügerin hatte am Monatsanfang Selbstanzeige beim Finanzamt für Steuerstrafrecht und Steuerfahndung erstattet. Offenbar wollte sie so der strafrechtlichen Würdigung ihrer ungeheuerlichen Veruntreuungen und Unterschlagungen zu Lasten der Autark-Anleger vertuschen.

Das ist passiert: Der mehrfach vorbestrafte Berufsverbrecher Stefan Kühn hatte der Oma Immobilien in einem Gesamtwert von rund 1,9 Millionen Euro überschrieben. Diese Immobilien waren mit Geldern der Autark-Anleger gekauft und später verschoben worden - am Ende bis zur Oma. Über Adele Raschke wollte Stefan Kühn klammheimlich das tatsächlich vorhandene „Vermögen“ der Autark-Gruppe vor dem Zugriff der mehr als 200 Vollstreckungsmaßnahmen schützen.

Raschke hat Erfahrungen mit Betrug, ist bei Ermittlern keine Unbekannte: Sie ist als Kreditbetrügerin aktenkundig und schafft es seit mehreren Jahren nicht, eine Firma, deren Stammkapital 500 Euro beträgt, abzuwickeln: Die 65jährige ist mittellos und kann nicht einmal die 500 Euro bezahlen. Da kamen die Immobilien gerade richtig.

Zahlreiche Gläubiger sind seit Jahren hinter ihr her. :gerlachreport recherchierte, dass die von ihr genutzte Adresse in der Laßbrucherstrasse 11 in Extertal nicht ihre ist. Der Vermieter: „Frau Raschke ist bei mir nicht Mieterin. Sie lebt dort mit ihrem Lebensgefährten Helmuth Luthe zusammen. Ich weiß aber, dass sie bei ihm ohne Anmeldung lebt.“

Da verwundert es nicht, dass bei den mehr als 40 Hausdurchsuchungen zwar die Geschäftsräume der RAHL Geschäftsbesorgungs Gesellschaft mbH in Holzminden durchsucht wurden, die Privaträume in Extertal aber offenbar verschont blieben. Hier lagern wichtige Unterlagen der Autark-Gruppe.

Mit der RAHL wollte die völlig beschränkte Möchtegern-Unternehmerin ohne einen Cent in der Kasse die Nachrangdarlehen der Autark-Anleger ablösen - selten war ein Betrug so offensichtlich. Mit der Autark-Razzia konnte dieser Betrug wohl noch rechtzeitig gestoppt werden.

Lebensgefährte Helmuth Luthe hat mit der Autark zumindest offiziell nichts zu tun. Er ist Landwirt. Dafür wurde auch gegen ihn wegen Kreditbetrugs ermittelt. Und wie seine Partnerin hoffte er mit dem Autark-Engagement auf den großen Wurf und das Ende der permanenten Geldnöte.

Beide haben eine schwere Pleite hingelegt: Weil es für eine richtige Firma nicht gereicht hatte, wurde die „L-Strom UG“ als haftungsbeschränkte Unternehmergesellschaft mit einem gezeichneten Kapital von immerhin 500 Euro gegründet. In der letzten vorliegenden Bilanz hatte diese 500-Euro-Firma einen Kassenbestand von 2,74 Euro. Dafür aber Verbindlichkeiten in Höhe von 552.547,74 Euro.

Kein Wunder, dass da mit allen Mitteln versucht wurde, Kredite zu ergattern. Und offiziell agiert Adele Raschke auch heute noch als „Liquidatorin“. Daß es auch dort noch nicht zum großen Knall gekommen ist, liegt auch an einem laufenden Gerichtsverfahren, in dem das Paar angebliche Schadensersatzforderungen in Millionenhöhe geltend machen will. Die Gerichtsakten, die :gerlachreport einsehen konnte, verheißen jedoch kaum Aussicht auf Erfolg. Aber das Verfahren schützt derzeit wohl noch vor einem offiziellen Konkurs. Zudem: Wer will bei einer 500-Euro-Firma zwangsvollstrecken?

Stefan Kühn wollte die Oma aus dem Strom- Dilemma befreien und sagte ihr zu, dass sie für seine Schmutzarbeit der Vermögensverschiebungen zumindest eine Kostendeckung der laufenden Gerichtsverfahren bekommt - natürlich mit Geldern der Autark-Anleger, denn eigenes Geld hat auch Kühn nicht. Gerichtsvollzieher suchen ihn mit Haftbefehl. Als Gegenleistung sollte Raschke einfach die Immobilien „übernehmen“.

Wie eine mittellose Rentnerin 1,9 Millionen Euro für Immobilien aufbringen will, kann sie jetzt dem Staatsanwalt erklären - vermutlich hat sie auch hier wieder eine Erklärung parat. Erklärungen sind nötig: Die Staatsanwaltschaft Dortmund hat sämtliches Vermögen beschlagnahmt und dazu gehören auch Omas Immobilien.

Ein Sachverhalt wird für die Ermittlungen besonders interessant, weil er das skrupellose Vorgehen der Betrüger Kühn und Raschke exemplarisch belegt: Für seinen Eigentumsanteil an der Dinslakener Villa in der Schlossstrasse 151, den der Pleitier Stefan Kühn der mittellosen Adele Raschke notariell überschrieben hat, sollte sie den Kaufpreis in Höhe von 300.000 Euro im Jahr 2025 bezahlen. Und ohne einen Cent zu besitzen ergatterte Adele Raschke von Stefan Kühn auch gleich den Rest der Villa - zum Nulltarif. Dafür wurden dann mal eben Kaufverträge gefälscht. Als „neue Eigentümerin“ betrieb sie dann gegen die Bewohner die Zwangsräumung.

Zumindest die ist jetzt gestoppt: Auch dieses von Autark-Anlegern bezahlte Haus gehört zur Vollstreckungsmasse der Staatsanwaltschaft.

Und zur Dokumentation der Selbstanzeige beim Finanzamt. Noch Fragen?

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