Diese Seite verwendet Cookies.

Mehr erfahren

Kryptobetrug

Warum richtiger Kryptobetrug so verlockend ist

Bis heute läuft der Onecoin-Betrug weiter

Zurück

Bis heute ist der Einbruch bei Mt Gor nicht geklärt. Auch das Gerichtsverfahren brachte keine Klärung - der Wert der verschwundenen Bitcoins: 30 Milliarden Dollar

In den Jahren 2013 und 2014 war ein Unternehmen namens Mt. Gox der Bitcoin-Handelsplatz schlechthin. 70 Prozent aller Bitcoin-Transaktionen wurden über diese Plattform abgewickelt, insgesamt wurden Bitcoin zum damaligen Wert von ca. einer halben Milliarde US-Dollar auf Mt. Gox gehalten; heute wären das ca. 30 Milliarden Dollar.

Für frühe Bitcoin-Enthusiasten war die Welt schön, der Bitcoin-Preis hatte gerade die 1.000-Dollar-Grenze geknackt. „To the Moon“ war damals ein geläufiges Meme, wenn es um Bitcoin ging.

Doch plötzlich war Mt. Gox offline, und mit dem Handelsplatz verschwanden auch 744.408 Bitcoin. Angeblich wurde Mt. Gox gehackt, wahrscheinlich war die hinterlegte Summe einfach zu verlockend. Jedenfalls wanderte der Gründer von Mt. Gox ins Gefängnis, und bis heute ist nicht klar, wohin die Bitcoin verschwunden sind bzw. wer davon profitierte.

Zäsur in der Kryptowährungsgeschichte

 

Mt. Gox stellte eine Zäsur in der noch jungen Kryptowährungsgeschichte dar. Spätestens ab diesem Zeitpunkt war klar: Bitcoin eignet sich perfekt für Betrügereien. Aber warum ist das so? Warum werden gerade, wenn die Rede auf Bitcoin oder Kryptowährungen kommt, die Wörter Betrug, Ponzi-Scheme, Drogen und Verbrechen so oft strapaziert? Einerseits ist es einfach, das, was man nicht versteht, zu verteufeln. Notenbankchefs Regierungen und Medien haben daran einen nicht unbeträchtlichen Anteil. Auf der anderen Seite gibt es aber auch systembedingte und psychologische Faktoren, die Betrug via Kryptowährungen so verlockend und einfach machen.

Kryptowährungen sind kompliziert

 

Im Netz findet man tausende Anleitungen dazu, wie man eine sogenannte Bitcoin Wallet erstellt, erste Transaktionen durchführt und damit handeln kann. Die sind nötig, weil es immer noch so kompliziert ist. Um Bitcoin zu nutzen, muss man kein Blockchain-Experte sein oder im Kopf einen Hash berechnen können, aber ohne ein gewisses technisches Grundverständnis macht man gerade bei Transaktionen sehr schnell Fehler.

Betrüger nutzen diese Unsicherheit zu ihrem Vorteil, indem sie etwa solche Anleitungen veröffentlichen und dann zu einem sogenannten „Fake Wallet“ verlinken, oder sie schafften es sogar, ihre Fake Wallets im App Store von Apple unterzubringen. Mit der Installation einer solchen Software könnten Dritte unbeschränkten Zugriff auf die eigenen Bitcoin-Konten erlangen. Anschließend können alle Bitcoin gestohlen werden, und der User merkt das erst, wenn er eine Transaktion durchführen will. Denn schließlich kann auch der Kontostand manipuliert werden.

Transaktionen sind nicht rückgängig zu machen

 

Kreditkartenbetrüger haben es ziemlich schwer. Sie müssen darauf hoffen, dass das Opfer die Abbuchung nicht bemerkt und nicht rechtzeitig Einspruch einlegt. Zwar ist es relativ leicht, an Kreditkartendaten zu kommen – die kann man im Tausenderpack im Darknet kaufen –, aber ebenso einfach ist es, eine fälschliche Zahlung wieder rückgängig zu machen. Im Gegensatz dazu können getätigte Transaktionen via Bitcoin-Blockchain nicht wieder rückabgewickelt werden. Einmal im Netz verifiziert, gibt es kein Zurück. Die Bitcoin-Blockchain wurde genau dafür entwickelt, dass Transaktionen nicht rückgängig zu machen sind, dass keine Behörde, keine Zentralbank oder auch kein Vorgesetzter daran etwas ändern kann. Bitcoin ist ein Tool, das geschaffen wurde, um die Bevölkerung unabhängiger zu machen und ein manipulationsresistentes Geldsystem zu schaffen. Der Nachteil dieser wahrscheinlich wichtigsten Eigenschaft ist, dass Betrüger diesen Umstand ebenfalls ausnützen können.

Transaktionen sind pseudonym

 

Entgegen der allgemeinen Annahme sind Bitcoin-Transaktionen nicht anonym, sondern pseudonym. Das heißt, alle Transaktionen von und zu allen Konten sind für immer öffentlich einsehbar. Einzig die Kontonummern (Bitcoin-Adressen) sind nicht sofort einer Person oder Gruppe zuzuordnen. Halbwegs gewiefte Betrüger haben so aber recht einfach die Möglichkeit, unerkannt zu bleiben. Verbrecher, die dabei nicht vorsichtig genug vorgehen, können jedoch auch relativ leicht erwischt werden. Nämlich dann, wenn die Bitcoin wieder in eine reale Währung umgewandelt werden sollen, da das zumeist nicht ohne Identitätsnachweis möglich ist.

Online-Betrug skaliert

 

Seit der Erfindung des Internets erleben wir eine immer größere Zahl an betrügerischen E-Mails, Direktnachrichten und Websites. Das Schöne aus Sicht des Betrügers ist dabei, dass dieses System sehr gut skaliert. Das heißt, der Aufwand, eine Nachricht an eine Million oder an hundert Millionen Empfänger zu schicken, ist gleich groß. Auch wenn 99 Prozent es nicht durch Spamfilter schaffen, ist die Wahrscheinlichkeit gar nicht so klein, dass unter diesen Millionen potenziellen Opfern dann auch ein tatsächliches Opfer ist. Vergleicht man das mit klassischem Telefonbetrug, erkennt man schnell, dass der Aufwand für digitalen Betrug um einiges geringer ist. Bitcoin ermöglicht potenziellen Betrügern eine weitere Automatisierungs- und Skalierungsmöglichkeit, weil Einnahmen nicht mehr physisch eingebracht werden müssen.

Strafverfolgung ist schwierig

 

Bitcoin-Transaktionen kennen keine Staatsgrenzen. Selbst wenn ein Betrüger einmal unvorsichtig war und die Polizei es schafft, den Täter ausfindig zu machen, befindet sich dieser meist nicht im Land des Opfers und höchstwahrscheinlich nicht einmal in der EU. Selbst innerhalb der EU ist eine Strafverfolgung über Landesgrenzen oft schwierig, dabei wäre eine zumindest europaweite Ermittlung gegen international agierende Betrüger ein perfektes Szenario für Europol. Stattdessen wird meistens von lokalen Behörden unkoordiniert ins Leere ermittelt.

#FOMO

 

FOMO ist die Abkürzung für „Fear of Missing out“, die „Angst, es zu verpassen“. Viele kennen das wahrscheinlich von sich selbst: Als Anleger hat man immer die Befürchtung, das nächste Microsoft, Apple oder Facebook an der Börse zu verpassen. Viel größer noch ist diese Angst bei der Spekulation mit Kryptowährungen, v.a. auch weil diese jeden Tag 24 Stunden gehandelt werden, und weil kein Tag vergeht, an dem nicht eine neue, schnellere, bessere, smartere Kryptowährung gestartet wird und mehrere ICOs um Investments werben. Die meisten dieser Kryptowährungen und ICOs werden nicht mit Betrugsabsicht gestartet, sondern sind schlicht und ergreifend schlampig programmierte, mangelhafte Geschäftsideen, die ohne Blockchain-Konnex keinen Euro Finanzierung bekommen würden.

Warnendes Beispiel Onecoin

 

Als Anleger ist man schnell verunsichert, wenn man liest, dass jemand an einem Tag 500 Prozent Gewinn gemacht hat oder die Währung XY im letzten Monat schon wieder 1.000 Prozent zugelegt hat. Und genau dort setzen Betrüger an. Ein Beispiel dafür ist das Projekt Onecoin. Onecoin war ein Multi-Level-Marketing-Projekt, das das gleiche Vokabular wie Bitcoin verwendete, freilich ohne jemals eine entsprechende Kryptowährung zu schaffen. Obwohl viele europäische Behörden Onecoin verboten haben, erleichterte Onecoin-Gründerin Dr. Ruja Ignatova tausende Menschen um ihr Erspartes. Bis heute läuft der Onecoin-Betrug weiter.

Betrug ist nicht immer geplant, aber oft verlockend

 

Schließlich gibt es viele Fälle von Betrug, die so wahrscheinlich nicht geplant waren. Besonders verlockend ist das dann, wenn das hinterlegte Vermögen um ein Vielfaches höher ist als der mögliche Gewinn durch eine ordentliche Geschäftstätigkeit. Zwar kann man bei Darknet-Handelsbörsen nicht unbedingt von einer ordentlichen Geschäftstätigkeit sprechen, weil dort meistens Substanzen gehandelt werden, die nicht gehandelt werden dürfen. Aber letztlich fungiert der Handelsplatz wie viele andere auch nur als Vermittler und als Treuhänder für Käufer und Händler. Es gibt eine lange Liste an Darknet-Handelsplätzen, die irgendwann mit den Guthaben ihrer Kunden offline gingen, ganz einfach weil die Menge der Einlagen zu verlockend war.

Manchmal ist eine Idee auch zu erfolgreich, wie zum Beispiel der anfangs erwähnte Mt. Gox. Die Bitcoin-Börse Mt. Gox ist zu schnell gewachsen, um ausreichende Checks and Balances und ein adäquates Controlling einzuführen. Einzelne Personen hatten Zugriff auf alle gehaltenen Einlagen, hinzu kamen Probleme mit den Steuerbehörden, und die Software konnte mit dem enormen Wachstum nicht mithalten – bis Mt. Gox eines Tages offline war.

Zurück

The next big story

Haben Sie die nächste große Geschichte?

Möchten Sie diese mit dem :gerlachreport teilen?

Wir bieten Ihnen viele Möglichkeiten, sich mit unseren Journalisten in Verbindung zu setzen und Materialien zu liefern. Kein Kommunikationssystem ist völlig sicher, aber unsere Möglichkeiten werden helfen, Ihre Anonymität zu schützen.

Bitte senden Sie keine Rückmeldungen, Story-Ideen, Pitches, Leserbriefe oder Pressemitteilungen über diese Kanäle.

Für eine allgemeinere Korrespondenz nutzen Sie bitte unsere regulären E-Mail-Adressen.

Ihr sicherer Kontakt

Neben unseren regulären E-Mail-Adressen haben wir für vertrauliche Nachrichten und Mitteilungen ein Postfach eingerichtet, das über Pretty Good Privacy (PGP) verfügt und absolut sicher ist:

redaktion.dta@protonmail.com

Bitte hinterlassen Sie auf jeden Fall eine Telefonnummer. Wir rufen Sie innerhalb kürzester Zeit zurück.

E-Mails an die Redaktion oder Chefredaktions-Adresse werden durch die Sicherheitsabteilung überprüft. Es kann vorkommen, dass für die Verifizierung des Absenders ein Personennachweis angefordert wird, wenn der Verdacht einer Identitätsfälschung vorliegt oder vorliegen könnte.

Was ist ein guter Tipp?

Ein starker News-Tipp hat mehrere Komponenten.

Die Dokumentationen oder Nachweise sind wichtig.

Spekulationen können spannend sein. Verdächtigungen oder Behauptungen, die einer Überprüfung nicht standhalten, sind es nicht.

Eine guter Nachrichten-Tipp beschreibt ein klares und verständliches Problem. Die Suche nach Hilfe, weil großer Schaden oder Leid angerichtet wurden. Falsche Verdächtigungen helfen niemandem und führen nicht zu einer Veröffentlichung.

Aber lassen Sie sich nicht abschrecken. Manchmal ist ein kleiner Hinweis das fehlende Puzzlestück in einem gesamten Themenkomplex, der von uns ohnehin bearbeitet wird. Besonders wichtig: Hinterlassen Sie bitte eine Kontakt-Telefonnummer.

Gute Tipps sind:

Hier ist ein Beweis dafür, dass in einer Behörde, Organisation oder einem Verband gemauschelt, getrickst und getäuscht wird.

Hier ist der Beweis dafür, dass Anlegergelder falsch oder illegal benutzt werden.

Hier ist der Beweis, dass betrogen, unterschlagen oder veruntreut wird.

Hier ist der Beweis für Täuschung, falsche Versprechen und üble Abzocke.

Wir kontrollieren alle Nachrichten regelmäßig, können aber nicht versprechen, dass jeder Informant umgehend eine individuelle Antwort erhält.

Sämtliche Kommunikation unterliegt der strikten Vertraulichkeit.