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Autark

"Wallace": Das Aus wird um vier Wochen verschoben

Heute soll über das Schicksal der leeren Theaterkassen entschieden werden

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Stefan Kühn hat in einem internen Memo festgehalten : "Ich bin pleite!" Woher jetzt in den kommenden vier Wochen die Gelder für das Musical "Wallace" kommen sollen, bleiben sein Geheimnis

Die in finanzielle Schieflage geratene Produktionsfirma des Musicals „Wallace“ verschiebt die Premiere offenbar um mehr als einen Monat. Das meldet die Westdeutsche Allgemeine Zeitung (WAZ). Doch nicht nur die Produktionsfirma ist klamm. Berufsverbrecher Stefan Kühn, Chef der Autark Entertainment Group AG hat in internen Nachrichten zugegeben: "Ich bin pleite!"

Das dürfte die angeblichen Investoren gar nicht fröhlich stimmen. Noch am 19. September hatte Kühn lauthals verkündet, dass "mehr als 4.000 Investoren" das Musical "Wallace" finanzieren. Daran waren frühzeitig Zweifel aufgekommen. :gerlachreport liegen Unterlagen vor, dass lange bevor über die klammen Theaterkassen gesprochen und geschrieben wurde, Kühn bereits "kein Geld mehr" hatte.

Bis heute konnte er keine Beweise dafür liefern, dass Investoren überhaupt Finanzierungszusagen gegeben haben. Offiziell hatte Kühn zunächst selbst die Absage des Musicals über sein persönliches Konto bei der Deutschen Presse-Agentur (dpa) lanciert und später behauptet, das Theater am Marientor und die Unternehmen der Autark-Gruppe seien "erpresst" worden.

Lieferanten, Agenturen, Werber, Berater - alle warten auf ihr Geld. Lapidarer Kommentar von Stefan Kühn zum Wochenanfang: "Ohne Moos nix los". Offiziell soll heute (Dienstag) verkündet werden, was seit Wochenanfang feststeht: Die Weltpremiere des Musicals „Wallace“ im Duisburger Theater am Marientor (TaM) wird nicht wie geplant am 14. November über die Bühne gehen.

Auf der Webseite des Theaters wird die erste Vorstellung stattdessen ohne nähere Erläuterung nun für Mittwoch, 18. Dezember, angekündigt. Doch aus das steht in den Sternen. :gerlachreport hat erfahren, dass Andfang des Monats festangestellte Mitarbeiter und auch das Ensemble des Musicals "kein Geld bekommen werden". Kühn hat diese Meldung nicht dementiert.

Der TaM-Sprecher Michael Mohr und Geschäftsführer Jörg Platen wollten die aktuellen Meldungen auf der eigenen Internetseite jedoch nicht bestätigen. Mohr und Platen, beide inzwischen Ziel strafrechtlicher Ermittlungen, werden noch in diesem Monat aus den Unternehmen ausscheiden, heißt es.

Die "offizielle" Verlegung in den Dezember ist, wie aus dem Theater gegenüber :gerlachreport bestätigt wird, "nichts anderes, als reine Kosmetik, um den Kollateralschaden Wallace in der Öffentlichkeit zu rechtfertigen. Man sucht nach Argumenten, un das eigene Scheitern zu vertuschen."

Doch es ist nicht nur das: Berufsverbrecher Stefan Kühn hat mehr als 3.500 Autark-Anleger um mehr als 50 Millionen Euro betrogen. Über das Musical "Wallace" wollte er seinen Anlegern zeigen, dass er sehr wohl seine Schulden bezahlen kann. Neue Gelder sollten in dem Autark-Schneeballsystem die Altverbindlichkeiten ablösen. Die Daten und Adressen der "Wallace"-Ticketbesitzer sollten dann für zwielichtige Finanzgeschäfte benutzt werden.

Seit Monaten liegen für das Musical "Wallace" keine belastbaren Zahlen und Kostendeckungen vor. Zu einem Zeitpunkt war auch nur ein Teil der Produktionskosten gedeckt. Bisherige Zahlungen an das Ensemble wurden aus dem Umfeld krimineller Figuren des Kapitalschwarzmarktes geleistet, die das Musical als Geldwaschanlage für schmutzige Gelder aus den Bereichen Kinderprostitution, Drogen- und Menschenhandel nutzen wollten.

Da spielte es offenbar auch keine Rolle, dass nur rund 2.000 Karten verkauft wurden. Die Restkarten wären als "Masse für Geldwäsche" genutzt worden, heißt es.

Erst vorigen Donnerstag wurde nach der Berichterstattung des :gerlachreport offiziell bekannt, dass die Produktion in eine finanzielle Schieflage geraten sei und die Verschiebung der Uraufführung wahrscheinlich sei. Die von Stefan Kühn lancierte "Falschmeldung vom September", in der das Aus für das Musical verbreitet wurde, habe Investoren verunsichert, sagte TaM-Sprecher Michael Mohr vorige Woche.

„Es laufen Gespräche, diese Lücke zu schließen“, hatte Mohr am Donnerstag mitgeteilt. Bis heute, Dienstag, wolle man Klarheit darüber haben, ob es problemlos weitergehen könne oder die eventuelle Premiere verschoben werden müsse, so die Auskunft vom Donnerstag. Eine Verschiebung bedeute nicht das Aus für das Musical.

Am heutigen Montag bekräftigte Mohr auf Nachfrage, alle Fragen zum Musical würden am Dienstag beantwortet. Frisches Kapital ist jedenfalls bis jetzt nicht in die Kassen geflossen.

Auf der Seite www.theater-am-marientor.de/programm wird bereits eine neue Anzahl von Vorführungen genannt: „66 mal vom 18.12.2019 bis zum 1.3.2020“. Ursprünglich hatte die Produktionsfirma 100 Aufführungen geplant. Man ist vom Erfolg des Musicals offenbar selbst nicht mehr überzeugt.

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