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Medard Fuchsgruber

Vom Robin Hood zum gescheiterten Unternehmer

238 Fälle von gewerbsmässigem Betrug und Untreue. Und das ist nicht alles

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Die „Frankfurter Allgemeine Zeitung“ machte Medard Fuchsgruber gar zum „Robin Hood der Kleinanleger“, was gut für das Geschäft war

Wenn es um dubiose Machenschaften und krumme Geschäfte von Finanzjongleure am grauen oder schwarzen Kapitalmarkt ging, war Medard Fuchsgruber (53) über Jahrzehnte der viel gefragte Experte. Der Chef einer Wirtschaftsdetektei im saarländischen Ottweiler suchte angeblich rund um den Globus Betrüger und Pleitiers. Sein Ziel: Verschollene Millionen von geprellten Anlegern aufspüren. In vielen seriösen TV-Sendungen über die Methoden der Anlagebetrüger tauchte Fuchsgruber als Ratgeber und Retter auf.

Die „Frankfurter Allgemeine Zeitung“ machte ihn gar zum „Robin Hood der Kleinanleger“, was gut für das Geschäft war. Ein Teil der Kundschaft des Privatermittlers, der sich über die Jahre ein eigenes Firmenimperium aufgebaut hat, kam und kommt aus dem Kreis der geleimten Klein-Investoren, mit denen wiederum Absprachen über Honorare und Erfolgsprovisionen getroffen worden sein sollen.

Dafür steht er jetzt unter Anklage: Nach jahrelangen Ermittlungen hat die Staatsanwaltschaft Saarbrücken unter dem Aktenzeichen 33 Js 450/15 jetzt die strafbaren Handlungen zusammengefasst. Bei Durchsuchungen wurde umfangreiches Beweismaterial beschlagnahmt. Und das ist nach Recherchen von :gerlachreport so umfassend, dass der Detektiv wohl bald all jene besuchen kann, die er gejagt hat. Dann kann er aus dem Blechnapf die Gefängniskost mit ihnen teilen.

Fuchsgruber ist zwischenzeitlich auch in Nordrhein-Westfalen aktiv. In Duisburg residiert eine Unternehmensberatung, deren Geschäftsführer und Gesellschafter er ist. Eine eigene Treuhand GmbH ist in Hessen registriert, während sein einst oft zitierte Verein „Bund der Kapitalanleger“ noch in Ottweiler geführt wird.

Und das sind die Vorwürfe: Gewerbsmäßige Untreue in 143 Fällen, Betrug oder Untreue in 39 Fällen, vorsätzliche Insolvenzverschleppung in drei Fällen und Untreue in weiteren 53 Fällen. Dazu kommen Urkundenfälschungen. Derzeit gehen die Ermittler von einem Schaden von rund einer Million Euro aus. Betroffen sind demnach Kunden und private Kleinanleger. Fuchsgruber soll sich vor der großen Wirtschaftsstrafkammer des Landgerichts Saarbrücken verantworten.

Derzeit wird die Anklage nach Mitteilung des Rechtsanwaltes von Medard Fuchsgruber nach Angaben seines Verteidigers „überprüft“. Gleichzeitig werden jetzt die Verteidigungsmittel zusammengefasst. Überraschungen gab es wohl nicht: Die Vorwürfe gegen den 52jährigen sind spätestens seit der Akteneinsicht in dem Verfahren bekannt.

Damit aber nicht genug: Der Saarbrücker Rechtsanwalt Peter Theiß versucht als gerichtlich bestellter Insolvenzverwalter, Forderungen der Gläubiger gegen die Fuchsgruber KG zusammenzufassen. Fuchsgruber ist hier persönlich haftender Gesellschafter. Bislang haben die Gläubiger Forderungen in Höhe von mehr als 770.000 Euro angemeldet.

Ärger hatte der „Robin Hood“ zudem mit einem eigenen Pferdegestüt. Das rief Tierschützer und die zuständige Amtstierärztin auf den Plan. Im Gestüt sollen schlimme Zustände geherrscht haben, Tiere waren demnach erkrankt, schlecht versorgt und stark abgemagert. Das Kreisveterinäramt nahm Medard Fuchsgruber letztlich die Pferde weg und verfügte ein Halteverbot. Das Oberverwaltungsgericht bestätigte im vergangenen Jahr mit Beschluss (2B 455/17) das Vorgehen der Behörde.

Medard Fuchsgruber ist Autor des Buches: „Lizenz zum Betrug: Ein Wirtschaftsdetektiv klärt auf“. Im Knast kann er dann ein zweites Buch schreiben: „Wenn die Lizenz erloschen ist: Ein Wirtschaftsdetektiv wurde erwischt“. Und Weiler wohl genug Zeit haben wird, ein drittes Buch gleich hinterher: „Der Pferdeschänder“. Nur ein Honorar wird er dafür wohl nicht mehr bekommen.

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