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Picam

Varian geht jetzt in der Picam-Affäre unter

Im Picam-Verbund hatten Vermögensverwalter bis zu 300 Millionen Euro eingesammelt

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Varian Defensive Capital wurde nach allen Regeln der Kunst aufs Kreuz gelegt. Der Picam-Verbund hat einen seriösen Partner gesucht und gefunden

Ende Januar schrieb der Geschäftsführer der Varian Defensive Capital (VDC) aus Pöttmes eine E-Mail der Verzweiflung. Die Gesellschaft prüfe hohe Haftungsansprüche und stehe „möglicherweise kurz vor der Insolvenz“. Er habe auf die Seriosität der Partner vertraut, aber diese hätten die VDC in eine ausweglose Lage manövriert. Wie dramatisch die Lage ist, zeigte sich jetzt: Das Amtsgericht Augsburg hat den Anwalt Michael Bauer zum vorläufigen Insolvenzverwalter ernannt. Er soll verhindern, dass Vermögen abfließt, bis das Gericht über den Insolvenzantrag entscheidet. Gestellt hat den Antrag die Finanzaufsicht Bafin.

Eine Rettung der Gesellschaft ist unwahrscheinlich. Das Unternehmen, das seit 2010 die Vermögen einiger wohlhabender Bayern verwaltete, droht im Strudel der Picam-Affäre zu versinken. Im Picam-Verbund hatten Vermögensverwalter bis zu 300 Millionen Euro von Anlegern eingesammelt. Die Berliner Staatsanwaltschaft glaubt, dass sie als Bande seit 2009 ein Schneeballsystem betrieben haben.

Stimmt das, wäre die VDC spät in die Betrugsmasche hineingeraten. Picam hatte Anfang 2017 mit dem heißen Angebot gelockt: Die Firma könne rund 80 Makler unter ihr Haftungsdach nehmen, die das neue Piccox-Zertifikat vertreiben würden. Für VDC schien das ein Coup zu sein, die Firma hatte bis dato ein halbes Dutzend Mitarbeiter.

Doch der Vertrieb des Zertifikats entpuppte sich schnell als hochproblematisch. Die Makler gingen mit einer von Picam propagierten Geschichte zu ihren Anlegern: Es gebe weiter Renditen von 15 bis 20 Prozent und das Geld sei täglich verfügbar. Deshalb übertrugen viele ihr Investment in das neue Wertpapier, obwohl ihnen wichtige Unterlagen wie der Prospekt vorenthalten wurden. So fiel nicht auf, dass der Rückzahlungstermin für Ende 2030 festgeschrieben war.

Doch was wusste das VDC-Management darüber, wie der Vertrieb ablief? Ausgerechnet im April 2017 wurde am Bürostandort des Picam-Sprechers in Berlin-Grunewald ein fast namensgleiches Unternehmen gegründet: die Varian DC Service GmbH. Dokumente legen nahe, dass die beiden Varian-Gesellschaften gegeneinander gearbeitet haben.

So schrieb etwa der VDC-Chef aus Pöttmes in seiner E-Mail: Die gravierenden Verstöße habe die Service GmbH „ohne unser Wissen“ begangen, dazu zählten die „Falschinformation der Kunden“ und die „Falschinstruktion der Vermittler“.

Viele der Vermittler spielten das Spiel offenbar mit, weil sie sich unter dem Haftungsdach sicher fühlten. Inzwischen sehen sie sich als Opfer. „Unsere 40 Mandanten wurden genauso hinter das Licht geführt wie die Anleger“, sagt Daniel Blazek. Seine Kanzlei, die BEMK Rechtsanwälte aus Bielefeld, vertritt fast die Hälfte des Picam-Vertriebs.

„Viele Anleger und Anwälte sehen im Vertriebler ein vermeintlich leichtes Ziel für Klagen“, sagt Blazek und warnt vor vergeblichen Mühen. „Beim einzelnen Vertriebler ist wenig zu holen.“ Dazu passt, dass viele Makler ihr privates Geld ebenfalls bei Picam angelegt haben. Sie haben nun zwei Probleme.

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