Unister: Wilfried Schwätters dunkle Geheimnisse

So werden Unternehmer von der Mafia abgezockt

Wilfried Schwätter gehört zu einem kriminellen Netzwerk, das Kreditsuchende Unternehmer ausnimmt

Wilfried Schwätter wollte nur raus aus dem Knast, Sein Urteil von drei Jahren und zehn Monate hätten fast für den offenen Vollzug gereicht. Doch der Ganove aus Unna muss jetzt bis zur Berufung im Bau bleiben - das hat für den Drahtzieher der Unister-Katastrophe fatale Folgen.

Wilfried Schwätter nahm sein Urteil völlig regungslos entgegen. Doch in ihm tobte es. Schwätter gehört zu einer Gruppe von rund zwei Dutzend Personen, die im Auftrag des Organisierten Verbrechens Unternehmern Darlehen anbieten, die es gar nicht gibt. Diese angeblichen Kredite werden über Mitglieder mafiöser Organisationen aus dem Balkanraum, Russland und Arabien angeboten. Die Spuren führen hier nach Katar und Dubai. Die Vermittler, wie Wilfried Schwätter, sind dabei Gescheiterte, die sich hinter ihren Ehefrauen und Kindern verstecken und aus dem Bereich der Kreditvermittlung, Immobilien, Vertrieb und Anlagevermittlung kommen. Der schmutzige Kaffeesatz, der für jede Drecksarbeit gut ist. Oder wie es der Vorsitzende Richter in Leipzig ausdrückte: „Das war Stoff aus dem die Krimis sind“.

Das dreckige Zwei-Dutzend geht dabei gezielt vor. Die Zielgruppe sind Unternehmer, die dringend Geld brauchen - so wie Unister-Chef Wagner, den seine Sache nach dem Geld am Ende nur den Tod brachte. Schwätter wurde wegen zwei Verfahren verurteilt. Tatsächlich gibt es aber mehr als ein Dutzend Vorgänge, wie :gerlachreport recherchierte. In vielen Fällen hatten die Abgehockten auf Anzeigen verzichtet - aus Scham.

Doch Schwätter muss noch liefern. Er hat von seinen Mafia-Auftraggebern vorab Geld kassiert - auch für seine Verteidigung. Das Landgericht Leipzig verurteilte den insolventen Ganoven aus Unna wegen des Betrugs an Unister-Gründer Thomas Wagner und die sauerländische Geschäftsfrau Susanne Albert-Raulff. Schwätter hatte sie in einen sogenannten Rip-Deal gelockt.

Schwätter hat einen Kredit über 15 Millionen Euro an Wagner mit eingefädelt. Der Vertrag sollte in Venedig erfüllt werden. Der Unister-Chef übergab vor Ort 1,5 Millionen Euro für eine Kreditausfallversicherung als Sicherheit und bekam statt der vereinbarten Anzahlung von vier Millionen Schweizer Franken im Gegenzug einen Koffer mit Falschgeld. Nur die oberste Lage mit 20.000 Schweizer Franken war echt.

Die Restsumme sollte überwiesen werden. Kreditpartner war der angebliche israelische Geschäftsmann Levy Vass, der nach der Übergabe abtauchte. Die Ermittler vermuten, dass weder Name noch Nationalität stimmen. Nach der Auswertung von Telefonmitschnitten und der Stimme von Vass wir ein direkter Balkanbezug angenommen.

Staatsanwalt Dirk Reuter hatte eine Strafe von fünfeinhalb Jahren beantragt. Verteidiger Martin Habig sah den Tatbestand des Betrugs als nicht erfüllt an, forderte aber bei einer Verurteilung zumindest die Verlegung in den offenen Vollzug. Der Haftbefehl gegen Schwätter besteht fort, die Kammer blieb mit ihrem Urteil allerdings auch fast zwei Jahre unter dem Antrag der Anklagevertretung. Habig kündigte Revision an.

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