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OneCoin

Totalversagen der europäischen Verbraucherschützer

Warum mehr als 51.000 Opfer keinen Brief nach Bulgarien schreiben sollten

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Die europäischen Verbraucherschützer lassen die OneCoin-Opfer im Regen stehen: Die Ratschläge sind dumm und impompenet und zeigen, dass die Verantwortlichen keine Ahnung haben

Die ganze Hilflosigkeit im Kampf gegen das Betrugsnetzwerk OneCoin/OneLife wird jetzt im Europäischen Verbraucherzentrum (EVZ) deutlich. Die Vorgehensweise ist dumm und inkompetent: Mit einem Musterbrief sollen sich Geschädigte direkt an die Betrüger in Bulgarien wenden: Das Gelächter von Ignatova & Co. dürfte europaweit zu hören sein.

Die Verbraucherzentrale Südtirol (VZS) und das Europäische Verbraucherzentrum (EVZ) in Bozen hatten vor mehr als einem Jahr Anzeige erstattet. In der Folge werden allein in Italien Strafen gegen One Life Network Ltd, One Network Services Ltd, Easy Life S.r.l., sowie gegen die Inhaber der Webseiten onecoinsuedtirol.it, onecoinitaliaofficial.it, und onecoinitalia.com verhängt.

Nach Darstellung der europäischen Verbraucherschützer sind mehr als 51.000 Opfer allein in Italien von dem OneCoin-Betrug betroffen. Diese Zahl dürfte aber weit unter der tatsächlichen Opferquote liegen.

Dumm: Anstatt sich direkt um die Verursacher in Italien rund um die Steinkeller-Brüder und ihre Netzwerke zu kümmern, sollen die Anleger folgenden Brief schreiben:

Name und Nachname
Adresse
PLZ und Wohnort
e-mail-adresse

An
OneCoin Ltd
6a "P. R. Slaveykov" Sqr.
Sofia 1000, Republic of Bulgaria

Einschreiben mR
und per email: office@onecoin.eu

uZK Europäisches Verbraucherzentrum
Büro Bozen
Brennerstr. 3
39100 Bozen
per e-mail an: info@euroconsumatori.org

Ort und Datum
Ausweis Mitglied Easylife – Rückzahlung der investierten Summe aufgrund der Verfügung der italienischen Aufsichtsichtsbehörde für Wettbewerb und Markt AGCM Nr. 26708

Sehr geehrte Damen und Herren,

am … habe ich beim Verkaufsevent in (Ort angeben) die Summe von … Euro in OneCoins investiert.

Oder: am … wurde ich von Ihrem Promoter (Namen angeben) überzeugt, die Summe von … Euro in OneCoins zu investieren.

Daher habe ich am … diesen Betrag auf das Kontokorrent (IBAN und Bic angeben) überwiesen.

Infolge der Verfügung Nr. 26708 der italienischen Aufsichtsbehörde für Wettbewerb und Markt AGCM habe ich festgestellt, dass ich nicht korrekt informiert wurde: wie die AGCM festgestellt hat, handelte es sich um irreführende Werbung und ein pyramidenartiges Verkaufssystem, welches von der italienischen Gesetzgebung als in jedem Fall irreführend betrachtet wird.

Dies alles vorausgeschickt, verlange ich mit gegenständlichem Schreiben die Rückzahlung von Euro (angeben), innerhalb von 14 Tagen ab Erhalt dieses Schreibens, auf das Kontokorrent (eigenen IBAN und BIC angeben).

Unter Vorbehalt aller weiterer Rechte verbleibe ich

mit freundlichen Grüßen

Unterschrift

Inkompetent: Ein solcher Brief stellt kein juristisches Postulat dar. Da in Bulgarien offiziell kein Deutsch gesprochen wird, müsste ein solcher Brief in der jeweiligen Landessprache verfasst sein. Ein derartiges Schreiben bieten die Verbraucherschützer aber gar nicht an.

Das Schreiben kann nach einhelliger Bewertung international tätiger Rechtsanwälte auch keine Rechtskraft erlangen. Tatsächlich müssten in Bulgarien Klagen erhoben werden - deren Ausgang ist aber mehr als ungewiß.

Was :gerlachreport seit Monaten empfiehlt: Opfer sollten sich an die Vermittler wenden. An alle im eigenen Land, die das Betrugssystem aktiv beworben und verkauft haben. Da es sich um ein illegales Pyramidensystem handelt, muss man es wie ein legales Pyramidensystem behandeln: Von der Basis müssen jeweils in der nächsten Stufe die Verantwortlichen für die angerichteten Schäden aufkommen.

Sie haben ja auch mit nahezu 70 Prozent der Einzahlungssummen am besten verdient. Zudem sind diese Vermittler im eigenen Land auch dingfest zu machen und juristisch angreifbar.

Die europäischen Verbraucherschützer hätten mit diesem einfachen Rat viel Freunde gewinnen können. So haben sie lediglich ihr Totalversagen dokumentiert.

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