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Picam

Thomas Entzeroth ließ 340 Millionen verschwinden

Die Summe aller Einzahlungen beläuft sich auf mehr als 340 Millionen Euro

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Die Summe aller Einzahlungen beläuft sich auf mehr als 340 Millionen Euro

Rund ein halbes Jahr nach der Razzia bei den „Vermögensverwaltern“ der Berliner Picam („Ihre Konstante im Vermögensmanagement“) verdichten sich die Ermittlungen und Hinweise auf eine Person: Thomas Entzeroth. Nach derzeitigen Erkenntnisstand ist er für das Verschwinden von 340 Millionen Euro verantwortlich. Anleger hatten Picam in der Hoffnung auf Renditen im zweistelligen Bereich ihr Geld überlassen. Dabei sollen sie Anleger vorsätzlich und wissentlich getäuscht und betrogen haben: Picam warb mit fantastischen Renditen im Handel mit Dax-Futures. Ein computergesteuertes Handelssystem sollte die wundersame Geldvermehrung möglich machen. Viele hielten diese Geschichte der Traumrenditen für glaubhaft. Dabei gab es nach Informationen von :gerlachreport gute Gründe für angebrachten Zweifel.

Die Staatsanwaltschaft führt derzeit sieben Beschuldigte. Hauptverdächtiger ist der ehemalige Vertriebschef vom Picam, Thomas Entzeroth (52). Den Vertrieb koordinierte und leitete er von einer Westberliner Villa, in der Ermittler „umfangreiches Material und Beweise sicherstellen konnten.“

Thomas Entzeroth, das zeigen die bisherigen Auswertungen steckt hinter zahlreichen Firmen und Strukturen im Picam-Reich. Er hat über ein Netz von Treuhändern und Strohmännern das Reich aufgebaut und so im Laufe der Jahre mehr als 340 Millionen Euro zur Seite geschafft.

Die Ermittler haben eine Liste für die Akte zusammengestellt, die es in sich hat. Dort sind für alle Jahre seit 2008 jährlich zweistellige Millionensummen vermerkt. Dabei handelt es sich nur um Gelder, die Anleger auf ein Konto bei der Berliner Volksbank überwiesen. Die Summe aller Einzahlungen beläuft sich auf mehr als 340 Millionen Euro.

Das Konto gehörte offiziell der schweizerischen Piccor AG, mit der die Anleger ihre Verträge schlossen. Konto und Firma wurden jeweils von zwei unterschiedlichen Treuhändern verwaltet. Hinter beiden steht Vertriebschef Thomas Entzeroth.

Die Berliner Volksbank woll sich gegenüber dem „Handelsblatt“ nicht dazu äußern, ob ihr in all den Jahren etwas Verdächtiges aufgefallen sei. Eine Sprecherin teilte mit, die Bank arbeite „in Verdachtsfällen mit Ermittlungsbehörden vollumfänglich zusammen“.

Die Finanzfahnder haben inzwischen ermittelt wohin die Anlegergelder vom Volksbank-Konto verschoben wurden. Das Geld rotierte zum Teil durch hochkomplexe Finanzkonstruktionen, durch Fonds, Darlehen, Compartments, Credit Linked Notes und durch Firmen mit obskuren Namen wie Finbox Consulting AG oder Salbapi SL, die Fahnder sämtlich dem Einfluss von Thomas Entzeroth zurechnen. Den versprochenen lukrativen Handel mit Dax-Futures, mit dem Picam seine Anleger köderte, konnten sie „freilich nicht finden“, wie ein Ermittler bestätigte.

Während die Gelder weitergereicht wurden, stellten Manager und Treuhänder fleißig Dienstleistungen in Rechnung. Der Berliner Wirtschaftsprüfer und ehrenamtliche Richter, der das Volksbank-Konto verwaltete, soll 2,8 Millionen Euro auf sein Geschäftskonto kassiert haben.

Ein Vertriebsmitarbeiter in leitender Funktion rechnete Provisionen in gleicher Höhe ab. Anlegergeld landeten auch bei einem Banker, der die komplexen Finanzprodukte konzipiert und betreut hat. Im März empfahlen daraufhin die Fahnder der Staatsanwaltschaft, bei dem Banker und seinen Gesellschaften 53 Millionen Euro einzufrieren - nach derzeitigem Stand darunter auch Picam/Piccor-Gelder.

Unterdessen sind einige Beschuldigte emsig bemüht, den Eindruck des „bandenmässigen Betruges“ nicht aufkommen zu lassen: „Einzelne haben sich bereichert“, sagt einer der Beschuldigten dem Handelsblatt, „Thomas Entzeroth hat die Leute mit Geld angelockt und ein System der Abhängigkeiten erzeugt“. Und: „Die einzelnen Beteiligten konnten jedoch immer nur einen kleinen Teil des Ganzen erkennen.“

Wer es glaubt.

Tatsache ist: Thomas Entzeroth ist und war Herr aller Reusen. Als Kommunikator, Ansprechpartner und Erklärer. Nach einem Warnhinweis der schweizerischen Finanzaufsicht Finma brachte er schnell ein neues Wertpapier namens Piccox als Ersatzprodukt in den Markt, und versprach, das neue Zertifikat sei täglich liquide. Offenbar hatte der Vertriebschef große Pläne, überlegte zwischenzeitlich sogar, eine Banklizenz zu erwerben. Das alles belegen interne E-Mails und Dokumente, die :gerlachreport vorliegen.

Knapp 25 Millionen Euro der Anleger sollen schließlich vom Volksbank-Konto in einer Gesellschaft namens Propec gelandet sein, deren geschäftsführender Mehrheitsgesellschafter Thomas Entzeroth ist – auch das haben die Finanzermittlungen ergeben.

Trotz aller Vorwürfe ist der umtriebige Geschäftsmann weiter auf freiem Fuß. Das verunsichert viele Anleger: Je länger sich die Ermittlungen hinziehen, umso geschickter könne Entzeroth „seine Schäfchen ins Trockene bringen“. Die Fahnder vermuten, dass er über gute Kontakte nach Liechtenstein, Luxemburg, Spanien und in die Schweiz verfügt.

Eine Flucht- oder Verdunklungsgefahr sieht die Staatsanwaltschaft offenbar jedoch nicht. Die Behörde bestätigte, dass sie bislang keinen der Beschuldigten festgenommen hat. Für die Ermittler hat das den Vorteil, dass der Zeitdruck nicht so groß wird, als wenn regelmäßig Haftprüfungstermine anstehen. Die Strafverfolger haben im Februar 87 Millionen Euro gesichert – allerdings in Form von Fonds. Deren Werthaltigkeit muss sich noch beweisen - nach jüngsten Erkenntnissen sind diese nichts mehr wert.

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