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So werden jetzt die Märkte von Amazon überrollt

Das große Fressen: Amazons Hunger auf mehr Markt und Macht ist schon lange groß

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Amazon rollt immer mehr Märkte auf. Erst vor wenigen Wochen hat der Konzern seinen Eintritt in den Handel mit Medikamenten verkündet

78 Milliarden Dollar trennen Jeff Bezos und Jim Walton. Um so viel ist der Amazon-Chef und -Gründer reicher als der wohlhabendste Spross der Walton-Familie. Dabei ist dieser Rückstand fast noch die beste Nachricht für den Clan, der immer noch die Hälfte an dem Handelsimperium Walmart besitzt. Dabei ist der Begriff Imperium eigentlich nicht mehr zutreffend. Denn wie sollte dann die Dimension bezeichnet werden, in der sich Amazon befindet? Schließlich ist dessen Gründer nicht nur der reichste Mann der Welt. Sein Konzern ist an der Börse mit gut 700 Milliarden Dollar fast drei Mal so viel wert wie der Konkurrent aus Betonville im Bundesstaat Arkansas.

Seit dieser Woche ist die Differenz zwischen beiden Welten um weitere sechs Milliarden Dollar angewachsen. Denn die Walmart-Aktie brach nach schwachen Quartalszahlen ein. Der US-Einzelhandelsriese hatte im Weihnachtsgeschäft enttäuscht und zum Jahresende einen Gewinneinbruch erlitten. Das große Problem ist das schwache Wachstum im wichtigen Online-Geschäft. Walmart kann offenbar nicht die erhofften Marktanteile gewinnen.

Die gehören stattdessen dem großen Gegner – Amazon. Dessen Aktie legte nach der Walmart-Nachricht weiter zu. Am Mittwoch ist das Papier dann sogar erstmals über die Marke von 1500 Dollar geklettert, derzeit n notiert es bei 1.485 Dollar. Walmart konnte sich auf knapp 93 Dollar um 1,4 Prozent verbessern.

Die Zahlen von Walmart sind der letzte Beweis, dass Amazon auf dem besten Weg ist, die gesamte Welt „aufzufressen“. Denn wenn es mit Walmart nicht einmal einer der potentesten Einzelhandels-Giganten schafft, dem Expansionsdrang des neuen Riesen etwas entgegenzusetzen, dann bleiben kaum noch Gegner auf dem Weg zur Weltherrschaft übrig.

Amazon rollt immer mehr Märkte auf. Erst vor wenigen Wochen hat der Konzern seinen Eintritt in den Handel mit Medikamenten verkündet. Daneben will das Unternehmen zusammen mit JPMorgan und Berkshire Hathaway einen Gesundheitskonzern gründen, um im ineffizienten amerikanischen Gesundheitswesen aufzuräumen. Bald schon wird Amazon das Werbe-Duopol Facebook und Google angreifen.

Mit dem Konsumgüterriesen Procter&Gamble hat bereits einer der größten Werbetreibenden der Welt angekündigt, die Produktmacht des Bezos-Konzerns intensiv nutzen zu wollen. Auch den P&G-Managern ist nicht entgangen, dass immer mehr Konsumenten direkt bei Amazon nach Produkten suchen – und nicht mehr über Google. Der Hersteller von Ariel, Oral B, Pampers und Braun gibt jährlich gut sieben Milliarden Dollar für Werbung aus, von denen sich Amazon einen größeren Teil sichern könnte.

Das Prinzip bei der Eroberung neuer Märkte ist immer das gleiche – die TAM-Methode: Amazon sucht gezielt nach Märkten mit großem adressierbaren Volumen (total addressable market, kurz TAM). Ist der TAM-Wert groß genug, wird dieses Segment mit voller Wucht angegangen. Inzwischen ist es bereits so, dass allein die Ankündigung des Markteintritts dazu führt, dass die Aktienkurse der angestammten Unternehmen dieses Sektors an Wert verlieren. Die Aktien der Pharmagroßhändler Owens & Minor, Cardinal Health und McKesson fielen Mitte Februar um fast vier Prozent, als erstmals Amazons Pläne öffentlich wurden, beim Vertrieb von Medikamenten mitzumischen.

In ausgesuchten Städten will man ab sofort innerhalb von zwei Stunden kostenlos liefern

Der Bezos-Konzern geht dabei sehr zielstrebig vor. Im Zweifel wird noch ein Unternehmen der ausgespähten Branche übernommen, so dass die Effizienz von Amazon nur noch wie ein Mantel über diesen Kern gezogen werden muss. So war es etwa bei der Supermarktkette Whole Foods. Sie ist der Nukleus um die Lebensmittelbranche aufzumischen. In ausgesuchten Städten will man ab sofort innerhalb von zwei Stunden kostenlos liefern – keine gute Nachricht für die Platzhirsche Walmart, Costco oder Target. Das große Fressen hat begonnen.

Amazons Hunger auf mehr Markt und Macht ist schon lange groß. Inzwischen jedoch ist der Konzern so gewaltig groß, dass er jederzeit zuschlagen kann, wenn er die Chance auf einen neuen TAM-Markt sieht. Die 770 Milliarden Dollar Börsenwert kann Bezos als Übernahme-Währung nutzen. Pikanterweise hat Amazon selbst eines seiner neuen Projekte TAM genannt. Der eigene Transparent Ad Marketplace (TAM) soll die Art und Weise verändern, wie Onlinewerbung geschaltet wird.

Amazon hat sich in den vergangenen Jahren einen weiteren Vorteil gegenüber dem großen Rest verschafft. Das Unternehmen agiert praktisch losgelöst vom globalen Börsengesetz der Profitmaximierung. Es spielt praktisch keine Rolle, dass der Konzern seit jeher keine großen Gewinne erwirtschaftet, sondern das ganze Geld immer wieder in neue oder bestehende Vorhaben investiert.

Wie sehr es dem Handelsriesen um Dominanz und weniger um Gewinne geht, zeigt sich im klassischen Versandgeschäft. Laut eigenen Angaben haben sich die Versandkosten in den vergangenen zehn Jahren von 317 Millionen auf rund 7,2 Milliarden US-Dollar erhöht. Der Versand ist also ein massives Verlustgeschäft. Alles wird dem Ziel der Kostenführerschaft untergeordnet. Und irgendwann, wenn die großen Konkurrenten die Segel streichen, erhöht Amazon die Preise für seine Pakete und dann werden – irgendwann – auch satte Gewinne gemacht.

Bis dahin nimmt man den positiven Nebeneffekt, dass somit auch niedrigere Steuerzahlungen anfallen, am Stammsitz in Seattle gern mit. Und um den zweiten Hauptsitz, den Amazon seit vergangenem September sucht, ist ein wahrer Wettstreit entbrannt. Nicht weniger als 238 Städte aus Nordamerika haben sich beworben, teils mit Steuergeschenken in Milliardenhöhe. Inzwischen hat Amazon eine Liste mit den 20 aussichtsreichsten Bewerbern veröffentlicht. Jetzt sickerte der Name durch: Arlington, Virginia.

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