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Autark

Polizei-Großeinsatz gegen Stefan Kühn & Co.

Kurios: Stefan Kühns Büro im „Theater am Marientor“ hatte die Kripo schlicht vergessen

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Die Autark-Villa in Olpe: Hier zog Jörg Schneider zusammen mit Adele Raschke die Fäden. Hier fand die Kripo wichtige Unterlagen und stellte Rechner und andere technische Geräte sicher

Die Kripo Dortmund hat mit einem Großeinsatz gegen die Autark-Gruppe neue Fakten geschaffen: Im Zuge zahlreicher Hausdurchsuchungen wurden nahezu alle Vermögensgegenstände des Betrugsunternehmens sichergestellt. Ingesamt geht es zunächst um Sicherungen in einem Gesamtwert von vier Millionen Euro. Häuser, Büros und Wohnungen wurden in ganz Deutschland durchsucht. Mehrere Dutzend Kriminalbeamte waren im Einsatz. Das erfuhr :gerlachreport exklusiv aus Ermittlerkreisen.

Es wurden zahlreiche Immobilien, Autos, Schmuck, Bargeld und andere Wertgegenstände sichergestellt. Die Häuser von Stefan Kühn in Duisburg und Jörg Schneider in Lennestadt wurden ebenfalls durchsucht. Das Haus von Stefan Kühn musste aufgebrochen werden, weil der Berufsverbrecher ausgeflogen war. Am Eingangstor fand man hinterher einen Zettel, dass er sich die Schlüssel bei der Polizei abholen kann. Ob er das auch getan ist, konnte nicht festgestellt werden, Stefan Kühn ist offenbar abgetaucht.

Im Autark-Haus In der Wüste 16 in Olpe interessierte sich die Kripo besonders für die hier eingelagerten Unterlagen und Papiere der Autark-Gruppe, die Stefan Kühn mehrfach vor dem Zugriff der Ermittler versteckt hatte. Das Büro, dass Jörg Schneider, die Autark-Oma Adele Raschke und Tochter Laura Koschate für ihren weiteren Betrug benutzen, ist komplett ausgeräumt: Alle Rechner und technischen Einrichtungen sind weg, Handys konfisziert.

Damit hat auch der schriftliche Terror der durchgeknallten Adele Raschke, die Autark-Anlegern ihre Anteile ohne Geld abkaufen wollte, ein bizarres Ende gefunden - es gibt für die Oma keinen Arbeitsplatz mehr.

In Lennestadt, An der Habuche 8, nahm die Kripo den gesamten privaten Haushalt von Jörg Schneider auseinander. Wertgegenstände wurden dem Vernehmen nach komplett sichergestellt. Autos, Bargeld, Schmuck, Handtaschen, wertvolle Gegenstände landeten noch am selben Tag in der Asservatenkammer.

Jörg Schneider ist wie der Berufsverbrecher Stefan Kühn, alias Stefan Koschate, Hauptbeschuldigter in dem Verfahren 700 Js 3062/16. Es geht um gewerbsmässigen Betrug und Untreue zum Nachteil hunderter Autark-Anleger. Schneider hatte in zahlreichen Autark-Unternehmen als verantwortlicher Geschäftsführer gedient, hatte das Autark-Betrugskonzept entscheiden mitentwickelt - noch zu Zeiten, als Stefan Kühn als Strafgefangener Freigang hatte.

Derzeit kommen täglich neue Strafanzeigen zu dem laufenden Ermittlungsverfahren hinzu, nachdem :gerlachreport eine Muster-Strafanzeige für die betroffenen Autark-Anleger veröffentlicht hatte. Dutzende neuer Strafanzeigen sind dem Vernehmen nach inzwischen eingegangen.

Am 17. Juni hatte :gerlachreport getitelt: „Justiz-Skandal um Berufsverbrecher Stefan Kühn“. Dabei wurde bemängelt, dass die Dortmunder Staatsanwaltschaft viel zu lasch agiert und der zuständige Staatsanwalt keine geeigneten Maßnahmen ergreift. Denn während das Verfahren vor sich hindümpelt, hat Stefan Kühn längst neue Betrugssysteme entwickelt und umgesetzt.

Sogar im Justizministerium in Düsseldorf befasste man sich nach der Berichterstattung mit dem Fall. Schon einen Tag später, am 18. Juni, wurde dann die Sicherstellung und der Hausdurchsuchungsbeschluß erlassen und jetzt vollstreckt. Zufall oder Folge - das wollte weder jemand bestätigen, noch dementieren.

Berufsverbrecher Stefan Kühn war bei seiner Hausdurchsuchung nicht anwesend. Er schaute sich dem Vernehmen nach die Polizeiaktion in seinem silbernen Audi A7 aus sicherer Distanz an. Als die Kripo weg war und er vor der Entdeckung sicher war, schrieb er am späten Nachmittag dann doch noch eine Botschaft an die betroffene Autark-Führungsmannschaft: Ob sie denn alles gut überstanden habe, wollte er frech wissen.

Sein Handwerkszeug für den weiteren Betrug hatte er zu diesem Zeitpunkt noch: Sein Büro im „Theater am Marientor“, wo seine Handys und Rechner stehen, hatte die Kripo Dortmund offenbar schlicht vergessen. Auch das Theater in Duisburg, immerhin 3,4 Millionen Euro wert und durch Stefan Kühn in ein anderes Unternehmen verschoben, war nicht Teil der Sicherungsmaßnahme. Dabei ist die Methode bekannt und auch die Staatsanwaltschaft weiß, dass das Theater von Autark-Geldern gekauft wurde. Das Schweigen und die Untätigkeit zu diesem Thema konnte keiner der Beteiligten verstehen. 

Außer Stefan Kühn. Wahrscheinlich hat er die Zeit genutzt und die Spuren weiter verwischt. Das nennt man auch Verdunkelung. Eigentlich ein ausreichender Grund für Untersuchungshaft. Aber der Berufsverbrecher hat einen guten Draht zum Staatsanwalt.

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