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PKV

Wie die Versicherten betrogen werden

Wer faul ist darf sich nicht wundern betrogen zu werden

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Ein Tarifwechsel in der privaten Krankenversicherung kann auch durch Eigeninitiative und ein paar E-Mails kostengünstig gelöst werden

Lang­jährig privat Kranken­versicherte haben oft mit Beitrags­erhöhungen zu kämpfen. Ein Wechsel des Tarifs bei ihrem Versicherer kann helfen, den Beitrag zu senken. Doch Vorsicht: Mit der Herausgabe persönlicher Daten beginnt das dreckige Geschäft in der privaten Krankenversicherung. Zahlreiche Unternehmen, die vorgeben im Internet Vergleichsportale oder Hilfe für Versicherte anzubieten, sind nichts anderes als Datenkraken, die aus Adressen Geschäft machen - bis zu 200 Euro pro werthaltiger Adresse werden bezahlt.

Private Kranken­versicherer erhöhen regel­mäßig die Beiträge – das kann vor allem dann zum Problem für die Kunden werden, wenn ihre Einkünfte im Renten­alter sinken. Eine Rück­kehr in die gesetzliche Kranken­versicherung ist dann in der Regel nicht mehr möglich und auch der Wechsel zu anderen Unternehmen hat meist keinen Sinn. Kunden können aber bei ihrem Versicherer in einen güns­tigeren „gleich­artigen“ Tarif wechseln und behalten dabei alle im bisherigen Vertrag erworbenen Rechte – vor allem die Rück­stel­lungen, die der Versicherer für höhere Krank­heits­kosten im Alter gebildet hat.

Genau an dieser Stelle lauert die nächste Falle: Unterschiedliche Unternehmen bieten eine Prüfung der Tarife an. Tatsächlich werden in der Regel aber schlechtere Angebote zu niedrigeren Preisen angeboten. Jedes dieser Angebote sollte mit der entsprechenden Versicherung abgeklärt werden. :gerlachreport hat bei seinen Recherchen festgestellt, dass unseriöse Vergleichsportale und Anbieter angebliche Angebote von Versicherungsunternehmen fälschen und die Unterlagen nicht echt sind.

In modernen Zeiten kann ein solches Angebot auch schnell an den Kundenservice des jeweiligen Versicherungsanbieters gesendet werden. So bekommt der Suchende die Sicherheit, dass das Angebot auch tatsächlich von dem Unternehmen stammt.

Immer dann, wenn ein Makler oder ein Dienstleistungsunternehmen, das Versicherungsvergleiche anbietet, eine Vollmacht verlangt, ist noch mehr Vorsicht geboten: Mit dieser Vollmacht kann das entsprechende Unternehmen im Namen des Versicherten großen Schaden anrichten. Besser: Der direkte Weg zu den Versicherungen.

Jeder Versicherte hat ein Wechselrecht. Das ist im Versicherungs­vertrags­gesetz garan­tiert. Für Leistungen, die bereits im jetzigen Vertrag enthalten sind, darf es im neuen Vertrag keine neuen Warte­zeiten, Risiko­zuschläge oder Ausschlüsse geben. Damit ein Tarifwechsel sich auch lang­fristig lohnt, kommt es nicht nur auf die Höhe des Beitrags, sondern auch auf die Leistungen an. Das Wechselrecht in „gleich­artige“ Tarife bedeutet nicht, dass die Verträge identisch sind. Es heißt lediglich, dass jemand zum Beispiel von einem Tarif, der ambulante, stationäre und Zahn­leistungen umfasst, in einen anderen wechseln darf, der ebenfalls diese Leistungs­bereiche abdeckt.

Um den Umfang der Leistungen muss sich der Kunde selber kümmern. Dazu muss er seinen eigenen Vertrag gut kennen und mögliche Alternativen Punkt für Punkt vergleichen: Bis zu welcher Höhe zahlt der Versicherer etwa Zahn­ersatz­kosten oder Arzt­honorare? Wäre es akzeptabel, statt des Einbett­zimmers im Kranken­haus ein Zweibett­zimmer zu nehmen? In welchem Umfang sieht der Vertrag Leistungen für Heilpraktikerbe­hand­lung oder teure Hörgeräte vor? Wie hoch ist der jähr­liche Selbst­behalt – also der Betrag, bis zu dem ein Kunde Kosten aus eigener Tasche tragen muss?

Sieht der neue Tarif Mehr­leistungen vor, stellt der Versicherer hierfür erneut Gesund­heits­fragen und darf für Erkrankungen einen Risiko­zuschlag verlangen oder Leistungen ausschließen. Verlangt der Versicherer einen zu hohen Risiko­zuschlag, hat der Kunde das Recht, die Mehr­leistungen auszuschließen. Aus Angst vor der Gesund­heits­prüfung pauschal auf alle Mehr­leistungen zu verzichten, ist falsch.

In vielen Fällen bekommen Kunden den Vertrag mit besseren Leistungen nämlich ohne Probleme. Verlangt der Versicherer einen Risiko­zuschlag, muss er mitteilen, welches medizi­nische Risiko dazu geführt hat. Auch das ist noch nicht das letzte Wort – bleibt ein Versicherter hartnä­ckig, wird er den Zuschlag unter Umständen noch los.

Wenn Ihnen Beiträge dauer­haft über den Kopf wachsen, brauchen Sie eine andere Lösung. Infrage kommen die sogenannten Sozial­tarife der privaten Kranken­versicherung. Für die meisten bringt der Stan­dard­tarif für Rentner eine deutliche Beitrags­entlastung.

Die private Krankenversicherung ist kein Spielball für unseriöse Abzocker. Und sie ist auch zu wichtig, um fremde Unternehmen an die Daten und Unterlagen zu lassen. Nicht vergessen: Die Versicherung ist ein wichtiger und zumeist auch langfristiger Partner, der ein Interesse daran hat, den Kunden zu behalten.

Das Problem: Das dreckige Geschäft mit der privaten Krankenversicherung haben die Versicherer erst durch Schlamperei, schlechten Kundenservice und mangelnde Kontrollen möglich gemacht. Aber der Kampf um jeden Versicherten führt auch zu mehr Sensibilität.

Es ist viel preiswerter ein paar E-Mails zu schreiben, als den skrupellosen Beutelschneidern, die vorgeben, den Versicherten zu helfen, das Geld in den Hals zu werfen. Übrigens: Selbst Anwaltshonorare sind günstiger als die meisten dieser Angebote angeblicher Dienstleister.

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