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OneCoin

Wie die unendliche Gier Vollidioten erschafft

Ein Vermittler: „Anleger sind so schrecklich dämlich….“

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Ob Ziege oder Schaf: Wer so doof ist in das Betrugsnetzwerk OneCoin/OneLife zu „investieren“, darf ab sofort „Vollidiot“ genannt werden

Am Ende werden die Betrüger von OneCoin mit milden Strafen rechnen können. Zu diesem Zeitpunkt sind weltweit die Millionen, wenn nicht sogar Milliarden verschwunden. Das Gericht wird entscheiden: „Die Geldgier der Anleger hat den Betrug im Netzwerk OneCoin/OneLife erst möglich gemacht“. Das Urteil wird sich lesen, wie ein Ratgeber für geprellte Investoren: „Wir müssen annehmen, was das Leben uns bringt. Wut, Aufregung und negative Gefühle bringen gar nichts. Es gibt Leute, die schreiben den Verlust ab und vergessen es." Also, liebe OneCoin-Geprellten: Vergesst es!

Jedes Jahr bleibt einigen hunderttausend Deutschen, Österreichern oder Investoren in der ganzen Welt nichts übrig, als eine gründlich mißratene Investition wie die bei OneCoin/OneLife möglichst schnell zu vergessen. Aus der versprochenen Rendite - bis zu 3.000 Prozent (oder waren es gar 30.000?) - wird nichts, der Einsatz ist perdu. Bestenfalls bleibt noch ein Stück bunt bedrucktes Papier, ein Schulungsprogramm bleibt übrig von dem Geld, das auf eine obskure Bank in Hongkong, Bukarest oder Nassau überwiesen wurde.

Damit wir das einmal in die richtige Perspektive setzen: Nach einer Schätzung des Bundeskriminalamts entschwinden auf die Methode OneCoin bei den Bundesbürgern Jahr für Jahr etwa 40 Milliarden Euro; das entspricht dem Wert von mehr als 100.000 Eigenheimen. OneCoin/OneLife nimmt dabei einen prominenten Platz ein. Neben den anderen Betrugssystemen, die sich gerade am Markt tummeln.

Die Sucht nach Hochprozentigem hört nie auf, immer wieder fließt frisches Geld in das OneCoin/OneLife-Betrugsnetzwerk. Oder wie immer die Coins gerade heißen. Es übt eine magische Anziehungskraft auf alle aus, die ihr Geld ganz schnell verdoppeln, verdreifachen oder verhundertfachen wollen. Und denen Bundesschatzbriefe, Investmentfonds oder Aktien zu wenig abwerfen.

Aber das ist nicht der einzige Grund: Diese Investitionen sind auch ein Spiegel unserer derzeitigen Gesellschafts- und Widerstandskultur: „Immer haben die Banken das große Geschäft gemacht, jetzt nehmen wir das selbst in die Hand.“ Selbst bislang unpolitische Rentner haben durch solche Systeme ihre Revolutuinsbereitschaft entdeckt - nur leider völlig an der falschen Stelle.

Eine trügerische Argumentation, die zwar den vermeintlichen Protest ausdrückt, den Ganoven aber Tür und Tor öffnet. Und die wissen das. Weil damit das System, in dem diese Betrüger aller Farben vereint sind, nicht einmal angekratzt wird. Beschädigt wird es ohnehin nie. Denn dafür sind die tatsächlichen Mächte aus Legislative, Exekutive und Judikative zu stark. Sie werden einen Systemwechsel in einer kapitalistischen Welt nie zulassen. Die meisten Vermittler aus dem OneCoin/OneLife-Betrugsnetzwerk können davon ein Lied singen: Sie sind wegen Betrugs, Insolvenzen, Bankrott, Unterschlagungen oder Veruntreuungen von Anlegergeldern einschlägig vorbestraft.

"Die Anleger", erklärt ein OneCoin-Vermittler gegenüber :gerlachreport, "wollen raus aus ihrer Raiffeisen-Spießerhaltung und mal so ein bißchen mit ihrem ganz kleinen Geld bei den Großen mitschnuppern. Dabei helfe ich ihnen - die sind so dämlich, die fressen alles an schwachsinnigen Argumenten. Sogar dem Müll mit dem OneCoin-Schwachsinn. Zumindest wird es gut bezahlt."

Wie eine Epidemie hat sich OneCoin/OneLife vor allem in Multi-Level-Strukturen ausgebreitet. Die Kunst des Geschäftes liegt und lag auch darin, dass alle mitverdient haben. Von 100 Euro sind erst einmal 70 Euro verschwunden - diese Verteilungsmentalität macht süchtig.

Wie jedoch aus den restlichen 30 Euro die bereits ausgegebenen 70 Euro erwirtschaftet werden sollen und dann der gigantische Gewinn - das bleibt der hohen Kunst der Rechenschule geschuldet - mit Logik oder Seriosität hat das nichts zu tun. „Die Gier frißt das Hirn“, lautet ein alter Spruch. Je höher die versprochene Verzinsung ist und je plausibler das Projekt scheint, desto schneller sammeln die Anbieter Millionenbeträge ein.

Ihre Opfer stammen aus nahezu allen Bevölkerungsgruppen; gut vertreten sind Mittelständler mit Geld, von dem das Finanzamt oder die Ehefrau nichts wissen darf. Daß die vielen Ganoven in diesem Gewerbe weniger von der Leichtfertigkeit und der Unerfahrenheit als von der Habgier ihrer Kunden leben, weiß auch das Bundeskriminalamt: Viele Opfer seien „durch eine übermäßige Gewinnsucht gekennzeichnet, die sie alle Vorsichtsmaßnahmen vergessen läßt“.

In seiner „Motivanalyse bei Opfern von Kapitalanlagebetrug“ zitiert das BKA amerikanische Wissenschaftler: Die fanden „mit seltener Einmütigkeit“ heraus, „daß zum vollkommenen Opfer ... ein Mann gehört, in dessen Seele diebische Gedanken schlummern“.

Beim Betrugsunternehmen OneCoin/OneLife kommt noch eine neue Gattung hinzu: Wer trotz alle Warnungen, national und international immer noch sein Geld in eine komplett wertlose Kryptowährung wie OneCoin steckt, darf getrost als „Vollidiot“ charakterisiert werden. Dafür wird nicht einmal eine wissenschaftliche Ausarbeitung benötigt.

Es reicht sogar der Blick in das Gesicht mit dem dämlichen Grinsen der verurteilten Betrügerin und OneCoin-Erfinderin Dr. Ruja Ignatova.

Die Mutter der Vollidioten: OneCoin-Erfinderin Dr. Ruja Ignatova. Zumindest für sie hat sich der betrug bis heute gelohnt

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