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OneCoin: WB21-Chef Gastauer auch ein Betrüger

Gastauer und Dr. Ruja Ignatova haben viel gemeinsam

Michael Gastauer kann sich mit OneCoin-Chefin Dr. Ruja Ignatova zusammentun: Beide haben eine Karriere als Betrüger gemacht

Michael Gastauer ist ein Krimineller. Da passt es gut, dass er sich mit den Ganoven von OneCoin verbündet hat - gemeinsam nehmen sie jetzt die Anleger und Investoren aus. Gastauer mit seiner dubiosen WB21 ist der Schatzmeister des OneCoin-Betrugssystems.

Eigentlich wollte Michael Gastauer sein Fintech WB21 in Berlin groß machen. Doch er verstößt gegen deutsche Bank-Vorschriften. Jetzt will er eine Lizenz in Litauen. Aber auch dort ist man inzwischen hellwach. Ein Sprecher der Finanzaufsicht in Vilnius sagte gegenüber :gerlachreport, dass er es „für sehr unwahrscheinlich“ hält, „dass WB21 in Litauen eine Banklizenz erhalten wird.“

Offenbar ist WB21, ähnlich wie OneCoin eine Sammlung von Lügen, Halbwahrheiten, erfundenen Geschichten und angeblichen Erfolgsmeldungen: Eine Bewertung von 2,2 Milliarden Dollar, eine Million Kunden und das am schnellsten wachsende Fintech der Welt wollte der deutsche Michael Gastauer der staunenden Finanzwelt weiß machen. Seine Geschäftsidee: Ähnlich wie TransferWise wollte das Startup ein Milliarden-Business für günstige, internationale Überweisungen aufbauen. Das kann OneCoin derzeit gut gebrauchen.

 

Bei WB21 stimmen viele Dinge nicht. Das angeblich erfolgreiche FinTech-Unternehmen dümpelt an der Bedeutungslosigkeit. Fällt jetzt auch noch OneCoin weg kann das das Ende des Unternehmens sein.

 

Doch Recherchen der Financial Times, der Süddeutschen Zeitung und der Gründerszene deckten schnell Unstimmigkeiten auf: Die Kundenzahlen und die Milliarden-Bewertung konnten nicht stimmen. Viel schlimmer: Michael Gastauer ist ein verurteilter Betrüger. Das erklärt auch, warum das mit der Banklizenz in Deutschland nichts wird - Gastauer hat keine weiße Weste. Da passt er gut zu den Köpfen von OneCoin.

Michael Gastauer wirbt derzeit ebenfalls um Investoren für sein 2,2-Milliarden-Dollar-Startup. Doch Recherchen zeigen: Der vermeintliche Finanz-Mogul ist ein verurteilter Betrüger. Bemerkenswert ist zudem, dass Gastauer sein vermeintlich milliardenschweres Fintech auf seinen 22-jährigen Sohn Philipp überschrieben hat. Die offizielle Begründung: der Wunsch nach einer einfacheren Eigentümerstruktur.

Der wahre Grund für das väterliche Geschenk dürfte jedoch ein anderer sein: Um an eine Banklizenz zu gelangen, müssen die Anwärter einen untadeligen Ruf vorweisen – sonst droht die Ablehnung. Michael Gastauer ist nach Gründerszene-Recherchen jedoch kaum für das Betreiben einer Bank geeignet. Seine Vorgeschichte ist durchzogen von Urkundenfälschung, gewerbsmäßigem Betrug, Veruntreuung, illegalem Waffenbesitz und Steuerbetrug. Sohn Philipp scheint jedoch noch einen unbefleckten Ruf zu haben.

Zwar bestreitet Michael Gastauer bis heute vehement, jemals verurteilt worden zu sein. Gerichtsdokumente belegen jedoch, dass 2010 in der Schweiz ein Urteil gegen ihn verhängt wurde: Wegen „erheblicher krimineller Energie“ bekam er 18 Monate auf Bewährung.

Der Bankenaufsicht fällt es meist schwer, solche strafrechtlichen Vergangenheiten der Lizenzanwärter im Ausland zu prüfen. Weltweite Datenbanken für Vorstrafen gibt es nicht. Man recherchiere aber in Medienberichten und versuche entsprechende Gerichtsunterlagen zu bekommen, heißt es aus Kreisen der deutschen und litauischen Bankenaufsicht.

Waren einst noch 200 Jobs in Berlin geplant, sollen nun 180 Mitarbeiter in Litauen angestellt werden. Eine finale Entscheidung gebe es aber noch nicht, heißt es von Unternehmensseite. Nur so viel: Derzeit habe WB21 weltweit bereits 120 Mitarbeiter. Am großen litauischen Standort kann das allerdings nicht sein: Nach Recherchen von Gründerszene sind dort gerade einmal sieben Arbeitnehmer unter Vertrag.

Abgespeckte Lizenz aus Singapur - die bekommt jeder

 

Nach Angaben von WB21 sollen künftig 50 Millionen Euro in Vilnius investiert werden. Eine ähnliche Summe hatte Gastauer im Herbst 2016 bereits für Berlin versprochen. Das Unternehmen kündigt außerdem massive Expansionspläne an: WB21 wolle bald eine nordamerikanische Bank übernehmen und fünf neue Büros in Asien, dem Mittleren Osten, Eurasien und Lateinamerika eröffnen. :gerlachreport finde heraus: Mit der Übernahme in den USA wird das nichts - der schlechte Ruf hat die Kontrolleure längst erreicht. Vor einem halben Jahr hatte Gastauer gegenüber Gründerszene noch die baldige Übernahme eines chinesischen Bitcoin-Unternehmens angekündigt. Heute will das Startup das nicht mehr kommentieren.

Derzeit operiert WB21 – das sich selbst als Digital- oder Web-Bank bezeichnet – lediglich mit einer abgespeckten Lizenz der Singapurer Zentralbank. Sie teilt auf Anfrage von Gründerszene mit, dass Gastauers Unternehmen keinesfalls eine Banklizenz besitze. WB21 werde lediglich als „Stored Value Facility“ geführt – eine Rechtsform, die von der Zentralbank nicht genehmigt werden muss. In Deutschland darf sich das Startup folglich nicht als „Bank“ bezeichnen – und verstößt so gegen die Vorschriften der deutschen Bankenaufsicht.

Auf Nachfrage gibt WB21 an, niemals behauptet zu haben, eine Bank zu sein. Tatsächlich nannte Michael Gastauer der Begriff aber bereits 2016 bei der großen, öffentlichen Ankündigung im Berliner Adlon. Das Video liegt :gerlachreport vor.

Fehler schreibt WB21 aber lieber anderen zu: Vorwürfe aus der britischen und deutschen Presse streiten Vertreter des Unternehmens ab. Konkurrierende Banken und Wettbewerber hätten die Medien zu einer „negative Berichterstattung“ gebracht, um den Ruf von Michael Gastauer zu schädigen und das Wachstum von WB21 aufzuhalten. Beweise sollen zu einem späteren Zeitpunkt präsentiert werden, so WB21.

Gegenüber dem litauischen Magazin Verslo Zinios sagte Legal Officer Ieva Pašvenskaitė zudem, WB21 gehe in Deutschland juristisch gegen die kritischen Berichte von Gründerszene vor. Fakt ist: Eine Klage gegen Vertical Media, den Verlag hinter Gründerszene, gibt es bisher nicht. Auf Nachfrage wollte man sich bei WB21 nicht weiter äußern. Vorsichtiger ist WB21 im Umgang mit der Presse trotzdem geworden. Interviews zur Litauen-Expansion wollte Michael Gastauer der Wirtschaftszeitung Verslo Zinios nur noch in Anwesenheit seines Anwalts geben.

Den wird er ohnehin brauchen, wenn das tatsächlich kriminelle Geflecht zwischen WB21 und OneCoin allen klar wird und das tatsächliche Ausmaß offen liegt.

Aber vielleicht haben die Betrüger Michael Gastauer und Dr. Ruja Ignatova ja viel mehr gemeinsam, als man bislang glaubte. Außer der Verurteilung wegen Betrugs.

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