OneCoin-Mafia: Die Steinkeller Brüder aus Südtirol

„Ich war den Tränen nahe - der Betrug macht mich fertig“

Das Albtraum-Team um die Gebrüder Steinkeller: Die OneCoin-Mafia aus Südtirol

In einer vertraulichen Liste werden die Südtiroler Christian, Aron und Stefan Steinkeller mit einem Verdienst von monatlich 2,55 Mio. Dollar geführt - Jahreseinkommen 30,6 Mio. Tatsächlich abgezockte Gelder für wertlose OneCoin-Betrügereien - mehr als 100 Millionen, wenn man Insidern und ihren Unterlagen glaubt.

 

Weltweit werden die Steinkellers auf dem zweiten Platz geführt. Insgesamt haben sie mehr als 100 Millionen abgezockt.


OneCoin ist in Südtirol sehr verbreitet. Tausende haben den Steinkellers und ihren Mafia-Helfern ihr Geld gegeben und verloren. Südtirol gehört in Italien nicht zu reichsten Gebieten - viele haben mit dem Versprechen auf eine Verdoppelung, Verdreifachung ihre Sparstrümpfe geräumt. Darunter Rentner, die sich mit der Aussicht auf ein gutes Geschäft ins Unglück gestürzt haben.

Italien ist das Land der Mafia. Und Südtirol ist das Land der OneCoin-Mafia unter der Führungsriege von Christian, Aron und Stefan Steinkeller. Die drei Brüder stammen aus der Gegend von Brixen. Informanten haben Angst - die Brüder schrecken auch vor Gewalt nicht zurück. Bei der Polizei in Bozen hört man bei der Erwähnung der Namen am Telefon ein Stöhnen - das sagt mehr als Worte.

 

Christian Steinkeller auf seinem Foto bei Facebook. Warum seine Hände grau sind, weiß wohl nur er. Wahrscheinlich ein Zeichen für seine schmutzigen Geschäfte.

 

Die Steinkellers haben ihre Karriere mit Herbalife begonnen. Dann waren sie sehr stark im Organo Gold-Geschäft. Monatliche Schecks mit sechsstelligen Zahlen waren die Regel. In Südtirol wurden sie auch die „Kaffeemillionäre“ genannt. So hoch sie stiegen, so tief sind sie gefallen: Ihre Geschäftsmethoden, ihre Aggressivität, der Umgang mit den Kunden führte zum Rausschmiss.

Den Steinkellers heftet noch ein anderer Makel an: Geldgeilheit. Ihre menschenverachtende Gier, ihre Unmässigkeit und ihre Gewalt macht sie gefährlich. Das Leben als Superreiche mit Frauen, Autos, Drogen hinterlässt bei allen tiefe Spuren. Ehen sind zerrüttet, Kinder allein gelassen, Familienleben ist unmöglich. Aber die Steinkellers sind unzertrennlich.

Dann starteten sie eine neue Multi-Level-Marketing Firma mit dem Namen Conligus. Sie bauen auf ihren harten Mafia-Kern, der für sie die Strukturen aufbaut. Es sind Wenige die kassieren, Viele die arbeiten und von den Steinkellers kein Geld bekommen. Nicht jeder will mit ihnen arbeiten, winkt ab, weiß, was ihn erwartet. :gerlachreport liegen Aussagen und Dokumente vor, die vor allem eines ausdrücken: Die „Steinkeller Brothers“ sind eine kriminelle Vereinigung, die gewerbsmässig und bandenmässig Betrug begeht.

Dann war mit Conligus Schluß. Irgendwann liessen sich auch die italienischen Beamten nicht mehr schmieren. Doch der Kapitalbedarf war weiter groß. Und dann war da die durchgeknallte „Frau Doktor“, die Erfinderin von OneCoin, Dr. Ruja Ignatova. Die verurteilte Betrügerin, die eigentlich zu dämlich ist, ein Gusseisen-Unternehmen zu führen. Auch die Steinkellers sind eigentlich zu dumm ein Unternehmen zu führen - aber sie hatten sich gefunden.

Der Erfolg von BitCoin war das beste Verkaufsargument für OneCoin - die Kryptowährungen hatten Hochkonjunktur. Mit ihren Strukturen waren die Steinkellers geschaffen für das neue Betrugssystem. Und so ist nicht verwunderlich, dass aus dem Stall Steinkeller viele der ersten OneCoin-Betrüger stammen.

Dann zogen sich die Steinkellers „offiziell“ zurück. Tauchten ab. Ein Insider gegenüber :gerlachreport: „Mittlerweile sagt man, dass die Steinkellers nach Italien nicht mehr einreisen dürfen, weil sie sonst verhaftet würden. Ob das stimmt weiß ich nicht, aber es kann sehr gut möglich sein. Denn die Drei sind schon ewig nicht mehr nach Südtirol gekommen. Und wenn, dann nur sehr geheim und man hat es erst erfahren, wenn sie schon wieder abgereist waren“.

Mafiosis wissen, wie das geht. Die „Steinkeller Brothers“ haben willige Helfer, auf die sie sich verlassen können und die an dem 100-Millionen-Betrug direkt beteiligt sind: Anton Federspiel, Hansjörg Oberrauch, Maximilian Messner, Shahidullah Akm, Christian Oberthaler.

Messner, Akm, und Oberthaler leben immer noch in Südtirol und halten regelmäßig Meetings für OneCoin ab. Sie verdienen sehr gut an dem OneCoin-Betrugssystem. Sie treffen sich mit den Kunden und Geldwäschern in Bars und kassieren das Bargeld. Ein Teil geht zu den Steinkellers, den Rest behalten sie. Ein Insider: „Diese Männer laufen teilweise mit 15.000 bis 50.000 Euro Bargeld in der Tasche herum“.

In Brixen finden auch wöchentlich Meetings statt. Hier werden Hunderte geprellt. Das nachfolgende Gespräch ist von mehreren Zeugen bestätigt:

Der Rentner sagt zu dem OneCoin-Betrüger: „Die dumme Kuh von der Post wollte mir mein erspartes Geld nicht geben. Sie sagte zu mir ich sollte doch aufpassen mit meinem Ersparten und aufpassen denn das könnte doch ein Betrug sein. Aber dieser dummen Kuh sagte ich nur, raus mit meinem Geld, das gehört mir. Und in drei Monaten werde ich dem ganzen Dorf eine Lokalrunde spendieren und nur mehr mit der goldenen Karte bezahlen. Einmal in meinen Leben habe ich Glück und werde endlich reich!“.

Der OneCoin-Betrüger zu dem alten Herren: „Dann investieren Sie noch mal 7.500 Euro. Dann werden Sie noch reicher“.

Und der alte Mann antwortet: „Ja, jetzt fahre ich mit dem Bus zur Post und hole noch das letzte dann werden wir zusammen reich!“. Ein Zeuge: „Ich war den Tränen nahe, weil ich genau wusste der Rentner würde sein Geld nie wieder sehen. Und wir hatten keine Chance, ihn umzustimmen“.

 

Bozen, restaurant Cascade: Der heimliche Treffpunkt der OneCoin-Abzocker.

Szenenwechsel. Bozen, Restaurant „Cascade“: Das ist der Treffpunkt und Umschlagplatz für die abgezockten Gelder. Hier wechseln die Geldbündel die Besitzer. Hier werden die Strategien für die neuen Abzockmethoden entwickelt, hier können sich neue, dunkle Gestalten in das Mafia-System einkaufen.

Einer wie Michael Thomale. Der betreibt einige dubiose und kriminelle Netzwerke. Mit dem Namen „GoFusion“ zockt er Anleger ab. „Gofusion“ hält auch wöchentlich Meetings in Bozen ab. Hier werden für Kunden von Renato Pichlkostner „betreut“ und betrogen. Der verbreitet eine fadenscheinige Warnung: Auf die Frage, ob OneCoin „seriös“ sei, antwortet er „es gibt zahlreiche Verdienstmöglichkeiten, womit Umsätze generiert werden können. Ob OneCoin seriös ist, wird sicher aber erst in der Zukunft zeigen. Dann könnte es aber schon für die meisten Anleger zu spät sein und der Handel mit den Münzen wird dann nur noch auf dem öffentlichen Markt stattfinden. Eine schnelle Entscheidung ist also gefragt“.

Wie war das mit dem alten Herren: „Einmal in meinem Leben habe ich Glück und werde endlich reich“.

Reich geworden sind bis jetzt nur die Steinkellers und ihre Verbrecher-Bande. Nicht vergessen: Jeder Euro aus den 100 Millionen wurde nicht verdient - er wurde anderen in betrügerischer Absicht weggenommen.

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