Diese Seite verwendet Cookies.

Mehr erfahren

OneCoin

Die selbstgerechten Hexenjäger

Kommentar: Warum es langsam reicht

Zurück

Mit derzeit 236 Beiträgen ist "Melanie" die fleissigste Schreiberin bei onecoinscam: Ihre Abfälligkeiten und persönlichen Beleidigungen sind längst ein Fall für den Staatsanwalt

Jeder weiß, was OneCoin ist: Ein Betrugssystem, das Investoren und Anlegern mit falschen Versprechen und Argumenten das Geld aus der Tasche zieht. Netzwerker haben ihre große Chance gewittert und haben alles aktiviert, was es gab: Familien, Freunde, Arbeitskollegen, selbst das eigene Unternehmen war nicht mehr sicher. Ganze Sportvereine sind auf die Lügen der Dr. Ruja Ignatova und ihrer kriminellen Köpfe hereingefallen. Und auf die Vermittler.

Der Gedanke nahezu über Nacht reich zu werden war zu stark. Die Freude auf den Gewinn zu groß, als dass man nicht gerne für ein paar Minuten abschweifen würde, um zu träumen. Von einem Uurlaub, einem Auto, einem neuen Haus, vielleicht einfach mal schick Essen gehen. Der Gedanke nicht mehr jeden Cent umdrehen zu müssen und einmal im Leben den großen Wurf zu machen. Alles das gehört zu den Träumen und leeren Versprechen  eines OneCoin/OneLife-Geschäftes.

Niemand in einem Netzwerk ist und war davor geschützt: Fließen die ersten Gelder, ist ein Beweis geliefert, dass eben doch alles seine Richtigkeit hat. Nur wer mitmacht, kann auch gewinnen. Es gehört zur Traumwelt der menschlichen Existenz dazu, sich die schönen Dinge auszumalen und einmal nicht auf der Verliererseite zu stehen.

Dass man da aber gar nicht steht, möglicherweise nie gestanden hat, sehen viele nicht.

Die Verantwortlichen des OneCoin/OneLife-Betrugssystems haben sich diese Träume erfüllt. Mit dem Geld anderer Leute. Sie tun das immer noch. Täglich. Ohne Skrupel. Ohne Scheu. Eine Heuschrecke frisst und scheißt. Genau das machen auch die Verantwortlichen von OneCoin/OneLife. Und sie tun das mit diesem frechen Zigeunergrinsen einer Betrügerin wie Dr. Ruja Ignatova.

Das Spiel ist aus. Vielleicht noch ein paar Monate, dann liegt das gesamte Geschäftsmodell im Mülleimer der Geschichte.

Professionelle Analysten und Menschen mit Rechtsverständnis wissen, dass alles, was heute geschieht, nichts anderes ist, als ein Verdrängungsprozess vor den unangenehmen Wahrheiten, die ab jetzt aus dem OneCoin/OneLife-Betrugskonzept einen erlebbaren Albtraum machen.

Schlechte Nachrichten lassen sich schlecht verdauen. Um so gravierender ist, was hinter den Kulissen passiert. Nicht nur, dass gesamte Netzwerke schon einen erheblichen materiellen Schaden erlitten hätten, jetzt wird eine moderne, menschenverachtende Hexenjagd veranstaltet. Unter dem Motto: Wir klären auf. Von Menschen, die ihre Lust am Leid anderer gewinnen und klugscheißerisch feststellen: „Ich habe es ja immer gewusst.“

Da werden Internetseiten und Blogs für die Hexenjagd mißbraucht. Was einmal als Aufklärung gedacht war, ist längst der Bestialität des menschlichen Genusses an der Folter an Anderen gewichen. Das ist unanständig, gemein und niederträchtig.

Das Ganze passiert natürlich anonym. Unter Namen, die nicht verraten, wer hinter den gewalttätigen Attacken steckt. Getreten werden nämlich nicht die Großen. Die können sich wehren: Mit Anwälten, Gerichten, Verfügungen. Sie können ganze Internetseiten verbieten lassen und zumindest strafrechtlich gegen die Autoren vorgehen.

Mit Journalismus oder Aufklärung hat das nichts zu tun. Die ekelhafte Freude angebliche Täter als Bösewichte abzustempeln erinnert sehr an Progrome. Der Volkszorn ist inszeniert. Billiges Theater für die Kulisse, um die eigene Bedeutungslosigkeit zu kaschieren. Viele Opfer (und das sind wohl 95 Prozent der Netzwerker) können die wirklichen Tatsachen und Fakten noch gar nicht richtig verarbeiten. Und sie stehen plötzlich im Feuer.

Damit wir nicht das Ziel vergessen: OneCoin ist Betrug. Deshalb haben Staatsanwaltschaften, Finanzaufsichten und Gerichte die weitere Vorgehensweise übernommen. Nahezu täglich kommen neue Länder dazu, die das Betrugssystem verbieten.

Als :gerlachreport im Zuge der Macau-Veranstaltung berichtete, dass auch die chinesischen Sicherheitskräfte das Verbot ausgesprochen haben, wurde das als „Fake News“ abgetan. Das Gegenteil ist der Fall: Als :gerlachreport berichtete, dass internationale Ermittler in Macau sämtliche Personen für Ermittlungen und Überprüfungen erfasst haben, wurde die Redaktion international angegriffen.

Tatsache ist aber, dass nicht erst seit dem (gezwungenen) Abgang der Steinkeller-Brüder das gesamte OneCoin-System zusammenbricht. Und heute gezielt gegen die Teilnehmer in Macau ermittelt wird. Mehr noch: Dass eben diese Ermittlungen in Macau genau dafür gedacht waren, die Schlüsselfiguren zu ermitteln und dingfest zu machen.

Dubai wird als nächstes zugreifen. Auch das steht fest. :gerlachreport hat es exklusiv berichtet. Und es sind keine Fake News.

Jeder proklamiert für sich in einem Rechtsstaat zu leben und eben von dieser Freiheit auch profitieren zu wollen. Er fordert für sich den Rechtsstaat mit allen Vorzügen ein und tritt gleichzeitig alle Regeln - auch die den Anstands - mit Füßen. Freiheit endet da, wo die Freiheit eines anderen beginnt.

Auch ohne zweitklassige Hexenjagd werden die Strafermittlungsbehörden ihre Arbeit machen und die Schuldigen zur Verantwortung ziehen. Kein anonymer Blog muss diese Arbeit übernehmen. Die Redaktion vom :gerlachreport hat immer wieder darauf hingewiesen, dass jede OneCoin/OneLife-Aktivität zur Anzeige gebracht werden soll.

Ab da machen die Profis ihre Arbeit. Die Ermittler, wir Journalisten. Faktisch Unbeteiligte haben kein Recht auf eine ungewollte Hexenjagd.

Zurück

The next big story

Haben Sie die nächste große Geschichte?

Möchten Sie diese mit dem :gerlachreport teilen?

Wir bieten Ihnen viele Möglichkeiten, sich mit unseren Journalisten in Verbindung zu setzen und Materialien zu liefern. Kein Kommunikationssystem ist völlig sicher, aber unsere Möglichkeiten werden helfen, Ihre Anonymität zu schützen.

Bitte senden Sie keine Rückmeldungen, Story-Ideen, Pitches, Leserbriefe oder Pressemitteilungen über diese Kanäle.

Für eine allgemeinere Korrespondenz nutzen Sie bitte unsere regulären E-Mail-Adressen.

Ihr sicherer Kontakt

Neben unseren regulären E-Mail-Adressen haben wir für vertrauliche Nachrichten und Mitteilungen ein Postfach eingerichtet, das über Pretty Good Privacy (PGP) verfügt und absolut sicher ist:

redaktion.dta@protonmail.com

Bitte hinterlassen Sie auf jeden Fall eine Telefonnummer. Wir rufen Sie innerhalb kürzester Zeit zurück.

E-Mails an die Redaktion oder Chefredaktions-Adresse werden durch die Sicherheitsabteilung überprüft. Es kann vorkommen, dass für die Verifizierung des Absenders ein Personennachweis angefordert wird, wenn der Verdacht einer Identitätsfälschung vorliegt oder vorliegen könnte.

Was ist ein guter Tipp?

Ein starker News-Tipp hat mehrere Komponenten.

Die Dokumentationen oder Nachweise sind wichtig.

Spekulationen können spannend sein. Verdächtigungen oder Behauptungen, die einer Überprüfung nicht standhalten, sind es nicht.

Eine guter Nachrichten-Tipp beschreibt ein klares und verständliches Problem. Die Suche nach Hilfe, weil großer Schaden oder Leid angerichtet wurden. Falsche Verdächtigungen helfen niemandem und führen nicht zu einer Veröffentlichung.

Aber lassen Sie sich nicht abschrecken. Manchmal ist ein kleiner Hinweis das fehlende Puzzlestück in einem gesamten Themenkomplex, der von uns ohnehin bearbeitet wird. Besonders wichtig: Hinterlassen Sie bitte eine Kontakt-Telefonnummer.

Gute Tipps sind:

Hier ist ein Beweis dafür, dass in einer Behörde, Organisation oder einem Verband gemauschelt, getrickst und getäuscht wird.

Hier ist der Beweis dafür, dass Anlegergelder falsch oder illegal benutzt werden.

Hier ist der Beweis, dass betrogen, unterschlagen oder veruntreut wird.

Hier ist der Beweis für Täuschung, falsche Versprechen und üble Abzocke.

Wir kontrollieren alle Nachrichten regelmäßig, können aber nicht versprechen, dass jeder Informant umgehend eine individuelle Antwort erhält.

Sämtliche Kommunikation unterliegt der strikten Vertraulichkeit.