Diese Seite verwendet Cookies.

Mehr erfahren

OneCoin

Anleger ratlos - „Was kann man tun?“

Immer gut auf die Murmeln aufpassen

Zurück

Wir haben eigentlich schon als Kinder gelernt, gut auf unsere Murmeln aufzupassen. Das hat auch viel mit dem OneCoin-Geschäft zu tun

Machen wir uns nichts vor: Es ist schlecht bestellt um das Betrugsnetzwerk OneCoin/OneLife. Wer heute auch nur noch eine Zusage, ein Versprechen oder eine Meldung glaubt, die ein gutes Ende verheißt, hat keine Ahnung. Es wird kein gutes Ende nehmen - der :gerlachreport hat auf diesen Zustand seit Monaten hingewiesen. Deshalb wurde die Redaktion geachtet, geliebt und gehasst. Aber es sind die erschütternden Fakten, die keine andere Beurteilung zulassen.

 

Die OneCoin-Gemeinde braucht Ehrlichkeit

Für den Anfang wäre es sicherlich hilfreich einen Ist-Zustand zu erfahren. Wie sieht es tatsächlich mit den Ermittlungen weltweit aus? Was passiert in Deutschland, Österreich, an jeder anderen Stelle, wo das Betrugsnetzwerk verbrannte Erde hinterlassen hat. Was ist mit den Staatsanwaltschaften, der Polizei? Wo finden die ersten Hausdurchsuchungen auch bei Vertreibern statt? Welche Konten sind wann wo beschlagnahmt? Und vor allem: Wieviel Geld ist sichergestellt?

Ehrlichkeit wäre angemessen. Es ist weniger schlimm, sich auf das Unvermeidliche vorzubereiten, als ständig mit alten oder neuen Lügen über eine strahlende Zukunft belästigt zu werden.

Die Fakten: OneCoin/OneLife ist ein international geächtetes Betrugssystem. Es ist völlig egal, welchen Namen man dem Betrug geben möchte, entscheiden ist, dass das eingezahlte Geld weg ist. Es landete in den Taschen der Klein- und Großganoven. Diese protzen heute mit Super-Sportwagen und teuren Uhren, nächtigen in Luxushotels und trinken Champagner.

Mehr noch als das: Es gibt auch heute keinerlei Schuldbewusstsein bei diesen Knallchargen, deren Namen wir im :gerlachreport oft und immer wieder genannt haben.

Man stelle sich das einmal vor: Der durchschnittliche Gläubige der OneCoin-Gemeinde investiert 5.000 Euro, weil ihm ein Vielfaches versprochen wurde. Nur: Woher soll das kommen?

Geld vermehrt sich immer noch nicht magisch. Es gibt auch keine OneCoin-Goldesel. Gibt man Geld aus der Hand, hat es jemand anderes. Bekommt man Geld von jemandem, ohne dafür etwas geleistet zu haben, wurde das Geld jemandem weggenommen. So einfach ist das.


Die OneCoin-Gemeinde müsste endlich verstehen, um was es tatsächlich geht

OneCoin war als Kryptowährung geplant. An dieser Stelle empfehlen wir das Buch: „Bitcoin für Dummies“. Eine wirklich lohnenswerte Investition. Wer nicht warten kann, dem sei hier in Kürze das Konzept erklärt. Man nehme einen OneCoin, begrenze die Gesamtzahl der Coins und warte auf ein Wunder.

Wenn jetzt Millionen Menschen einen OneCoin haben wollen, es aber nur eine begrenzte Anzahl gibt, dann muss der OneCoin geteilt werden. Immer und immer wieder.

Diese massenhafte Teilung führt unmittelbar zur Wertsteigerung. Soweit die Theorie. Die Faktenlage: Niemand will OneCoins. Wofür?

Wenn ich etwas bezahlen möchte, kann ich das auf dem üblichen Weg machen oder eine beliebige Kryptowährung. Ich kann mit OneCoin nicht bezahlen. Nirgendwo. Es mag sein, dass es Händler gibt, die OneCoin annehmen. Wahrscheinlich, weil ihnen sonst niemand den wertlosen Plunder abnehmen würde.

Wenn also eine Kryptowährung, selbst durch 3,5 Millionen Mitglieder, gar keinen wirtschaftlichen Kreislauf abbilden kann - dann sollte man das Geschäft schnell vergessen.

 

Die OneCoin-Gemeinde sollte endlich erkennen, dass sie ausgenommen wurde

Strukturvertriebler sind in der Mehrheit Betrüger. Natürlich können wir jetzt den Aufschrei hören, der eine solche Aussage begleitet.

Aber halt: Welche Leistung bekomme ich für welchen Preis? Kann ich diese Leistung woanders günstiger, einfacher, schneller bekommen? Wieso befasse ich mich mit Produkten des täglichen Bedarfs, wenn ich diese in allen Preisklassen in jedem Supermarkt bekomme?

Die Antwort ist einfach: Es liegt an der zwischenmenschlichen Interaktion. An der Geschichte, an dem Märchen, das uns erzählt wird. Strukturvertriebler sind Lügner. Manche sind sogar ganz nett. Aber fast alle sind geschult und wissen, welche Schalter beim Opfer umgelegt werden müssen: Sicherheit, Zufriedenheit, Schönheit, Sauberkeit, Werthaltigkeit, Verantwortung, Wohlstand.

Geld ist das eigentlich primäre Ziel. Mehr davon. Je mehr man hat, umso mehr grenzt man sich ab. Woche für Woche spielen Millionen Lotto. Das macht den Staat reich, der aus diesen Einnahmen wichtige Projekte bezahlen kann. Gewinnen tun einige wenige. Aber warum spielen so viele Lotto?

Sie kaufen sich für Tage, für Stunden, Träume.

OneCoin ist ein solcher Traum. Nur wird mit dem Geld der Spieler eben nichts Gutes getan - es landet schlicht in den Taschen derjenigen, die die besten Märchen erzählen können oder erzählt haben. Das ist die Antwort auf die Frage: „Was kann man tun?“

 

Liebe OneCoin-Gemeinde: Das kann man tun

Drei mögliche Szenarien bieten sich an: Einmal der Weg zum Rechtsanwalt. Da wirft man gutes Geld schlechtem hinterher. Anwälte sind nämlich keine Gutmenschen, auch sie müssen ihre Rechnungen bezahlen. Und was nützt ein vollstreckbarer Titel, wenn derjenige, gegen den man vollstrecken möchte, erstens das Geld längst verblasen hat und zweitens in jene Vermögenslosigkeit zurückfiel aus der er kam?

Bleiben wir für einen Augenblick bei der rechtlichen Bewertung: Natürlich ist OneCoin/OneLife Betrug. Der Weg zur Polizei ist nicht weit und die Strukturvertriebler, die Märchenerzähler, sind alle bekannt. Eine Anzeige wirkt auch ohne Rechtsanwalt Wunder. Kommen wir zum Aspekt des Schämens: Viele werden und wollen nicht zur Polizei gehen, weil es ihnen peinlich ist. Aber bitte: Es war das hart verdiente oder angesparte, das ererbte oder geschenkte Geld, das die Ganoven eingesteckt haben, um sich zu mehr zu machen, als sie jemals sein werden.

Achten Sie bei der Anzeigenstellung auf ein paar wichtige Fakten: Was wurde wann von wem versprochen? Polizisten haben ein offenes Ohr für Betrogene und Getäuschte. Es ist übrigens völlig unwichtig, ob bei dem Betrug ein Vorsatz vorhanden war. beispielsweise, weil der Vertriebler auch getäuscht wurde. Entscheidend ist die Anzeige. Auch die Schadenssumme spielt keine Rolle. Und dass jedes Opfer getäuscht wurde ist längst gerichtsbekannt. Wie heißt das so schön im Betrugsparagrafen: 

Wer in der Absicht, sich oder einem Dritten einen rechtswidrigen Vermögensvorteil zu verschaffen, das Vermögen eines anderen dadurch beschädigt, daß er durch Vorspiegelung falscher oder durch Entstellung oder Unterdrückung wahrer Tatsachen einen Irrtum erregt oder unterhält, wird mit Freiheitsstrafe bis zu fünf Jahren oder mit Geldstrafe bestraft.

Also: Das Betrugssystem OneCoin/OneLife ist in der Vorspiegelung falscher oder durch Entstellung oder Unterdrückung wahrer Tatsachen ganz groß.

Im Schnitt, das ergeben die ersten Auswertungen der Rücksendungen der Leserinnen und Leser vom :gerlachreport, wurden zwischen 500 und 25.000 Euro in die wertlose Kryptowährung investiert. Da aber auch Ladendiebe, die eine Tafel Schokolade gestohlen haben, vor dem Kadi landen: Die OneCoin-Betrüger - egal wo sie in der Struktur stecken - dürfen nicht davon kommen. Und das werden sie auch nicht.

Das Problem: Davon bekommen in den meisten Fällen die Betrogenen ihr Geld nicht zurück.

Denn die OneCoin-Drücker, die vielleicht zum ersten Mal in ihrem Leben anständig verdient haben, haben sich das gegönnt, wovon die meisten OneCoin-Anleger selbst geträumt haben: Luxus. Diese Drücker werden schnell wieder da ankommen, wo sie gestartet sind - als Verlierer ganz unten.

„Eigentlich müssten 3,5 Millionen Mitglieder diesen Spackos in die Fresse schlagen“, schrieb ein Leser vom :gerlachreport. Nun ist Gewalt in unserer Gesellschaft verpönt und viele sehnen sich an Zeiten zurück, wo es normal war, einem Bösewicht eins auszuwischen.

Also Schlagen ist nicht. Kommt die bittere Erkenntnis: Das Geld ist weg, die Mittel sind begrenzt. Finden wir uns damit ab. Buchen wir das Ganze unter Lebenserfahrung.

 

Halt!

Niemand konnte ahnen, dass das Geschäft in einem Desaster endet. Oder doch?

Schon als Kinder haben wir gelernt, dass wir ohne Murmeln nicht spielen können. Wenn uns jemand die Murmeln weggenommen hat, waren wir pleite. Gib mir deine drei Murmeln und du bekommst zehn zurück - so ungefähr ist das Versprechen von OneCoin.

Bei hundert Personen wären es dreihundert Murmeln, die man gibt und tausend, die man zurück bekommt. Um es kurz zu machen: Bei 3,5 Millionen Menschen sind es 10,5 Millionen Murmeln insgesamt. Zurück bekäme diese Gruppe dann 24,5 Millionen Murmeln.

Jetzt kommt die entscheidende Betrachtung, um OneCoin zu verstehen: Wer gibt die eingesammelten 10,5 Millionen Murmeln plus die 24,5 versprochenen Millionen, also 35 Millionen Murmeln?

Nicht vergessen: Die 10,5 Millionen Murmeln hat man vom eigenen Geld bereits bezahlt. Die Preisfrage: Wo kommen die fehlenden 24,5 Millionen Murmeln her? OneCoin/OneLife hat auf diese simple Frage keine Antwort.

Man will an die Börse. Auch das ist völliger Blödsinn. Der Gang an die Börse ist gleichbedeutend mit Verschuldung. Bleiben wir bei dem Beispiel, hat OneCoin bereits 10,5 Millionen Murmeln Schulden. Tatsächlich müssen aber die versprochenen 35 Millionen Murmeln geliefert werden. Also soll der Gang an die Börse doch nur stattfinden, um das Geld für die Produktion dieser Murmeln zu leihen.

Auch das ist nur die halbe Wahrheit: Die Aktionäre wollen ihr Geld zurück. Sagen wir das Doppelte vom Einsatz: 70 Millionen. Damit wären wir bereits bei 105 Millionen geplatzten Murmeln oder Träumen. OneCoin hat aber viel mehr versprochen. Die Zahlen schwanken - Gewinne von bis zu tausend Prozent wurden ausgemacht. Als Beispiel dient ein BitCoin, aktuell knapp 2.300 Dollar wert. Die Milchmädchenrechnung: Der BitCoin ist um 2.300 Dollar gestiegen.

Vielleicht wäre es ein guter Rat, wenn diese Vertriebsgurus einmal erklären, woher sie - wir sind jetzt wieder bei unseren Murmeln - das Glas, die Maschinen, die Arbeitskräfte, die Farben, die Verpackungen, die Verwaltung, das Marketing und den Verkauf nehmen. Also die üblichen Geschäftsprozesse, die von der Herstellung bis zum Verkauf so anfallen. Übrigens: Auch das ist Mining.

Der Investor sollte daran denken, wie wir das als Kinder gemacht haben. Unsere Murmeln waren uns heilig. Denn eigentlich haben wir alles, was wir im Leben wissen müssen, schon als Kind gelernt. Auch, auf unsere Murmeln gut aufzupassen.

Zurück

The next big story

Haben Sie die nächste große Geschichte?

Möchten Sie diese mit dem :gerlachreport teilen?

Wir bieten Ihnen viele Möglichkeiten, sich mit unseren Journalisten in Verbindung zu setzen und Materialien zu liefern. Kein Kommunikationssystem ist völlig sicher, aber unsere Möglichkeiten werden helfen, Ihre Anonymität zu schützen.

Bitte senden Sie keine Rückmeldungen, Story-Ideen, Pitches, Leserbriefe oder Pressemitteilungen über diese Kanäle.

Für eine allgemeinere Korrespondenz nutzen Sie bitte unsere regulären E-Mail-Adressen.

Ihr sicherer Kontakt

Neben unseren regulären E-Mail-Adressen haben wir für vertrauliche Nachrichten und Mitteilungen ein Postfach eingerichtet, das über Pretty Good Privacy (PGP) verfügt und absolut sicher ist:

redaktion.dta@protonmail.com

Bitte hinterlassen Sie auf jeden Fall eine Telefonnummer. Wir rufen Sie innerhalb kürzester Zeit zurück.

E-Mails an die Redaktion oder Chefredaktions-Adresse werden durch die Sicherheitsabteilung überprüft. Es kann vorkommen, dass für die Verifizierung des Absenders ein Personennachweis angefordert wird, wenn der Verdacht einer Identitätsfälschung vorliegt oder vorliegen könnte.

Was ist ein guter Tipp?

Ein starker News-Tipp hat mehrere Komponenten.

Die Dokumentationen oder Nachweise sind wichtig.

Spekulationen können spannend sein. Verdächtigungen oder Behauptungen, die einer Überprüfung nicht standhalten, sind es nicht.

Eine guter Nachrichten-Tipp beschreibt ein klares und verständliches Problem. Die Suche nach Hilfe, weil großer Schaden oder Leid angerichtet wurden. Falsche Verdächtigungen helfen niemandem und führen nicht zu einer Veröffentlichung.

Aber lassen Sie sich nicht abschrecken. Manchmal ist ein kleiner Hinweis das fehlende Puzzlestück in einem gesamten Themenkomplex, der von uns ohnehin bearbeitet wird. Besonders wichtig: Hinterlassen Sie bitte eine Kontakt-Telefonnummer.

Gute Tipps sind:

Hier ist ein Beweis dafür, dass in einer Behörde, Organisation oder einem Verband gemauschelt, getrickst und getäuscht wird.

Hier ist der Beweis dafür, dass Anlegergelder falsch oder illegal benutzt werden.

Hier ist der Beweis, dass betrogen, unterschlagen oder veruntreut wird.

Hier ist der Beweis für Täuschung, falsche Versprechen und üble Abzocke.

Wir kontrollieren alle Nachrichten regelmäßig, können aber nicht versprechen, dass jeder Informant umgehend eine individuelle Antwort erhält.

Sämtliche Kommunikation unterliegt der strikten Vertraulichkeit.