Diese Seite verwendet Cookies.

Mehr erfahren

Neurofinanz

Warum die Gier das Hirn frisst

Zurück

In komplexen Finanzmärkten haben die Verstandsareale des Hirns bei Anlageentscheidungen selten das Sagen. Derzeit macht ein neues Spezialgebiet Furore: „Neurofinanz“. Es ist ein interdisziplinäres Forschungsgebiet, in dem Erkenntnisse aus Verhaltensökonomie, Hirnforschung und Psychologie zusammenfließen. Das Hirn, genauer der Verstand, setzt aus, wenn es um Gewinne und Verluste geht. Das triefft zumindest zu, wenn man unter „Hirn“ den präfrontalen Cortex versteht, der für das Überlegen zuständig ist. Definiert man das limbische System, in dem Emotionen verarbeitet werden, dann als „Bauch“, so entscheidet man in Gelddingen fast immer aus dem Bauch heraus.

Die Neurofinanz sagt, warum das so ist: Ein eigenes Geldzentrum, sozusagen eine Hausbank, gibt es nicht im Gehirn. Die Frage: Welche Gehirnareale werden aktiviert, wenn es um finanzielle Entscheidungen geht? Bekannte Redewendungen: Es tut im Geldbeutel weh. Der Geldbeutel lacht.

Verluste sind Schmerz. Das Gehirn unterscheidet nicht zwischen einem Wespenstich, dem Hammer auf dem Daumen oder aber einem finanziellen Verlust. Hier ist ein Schmerz, das aktiviert das Aversionszentrum in der Insula, und dann heißt es: Kampf oder Flucht, ein in unserer Evolutionsgeschichte durchaus bewährtes Verhalten. Der präfrontale Cortex wird in dieser Situation unterversorgt - das Denken fällt schwerer.

Die praktische Reaktion ist unterschiedlich. Wird die Bedrohung nicht als existentiell empfunden, sind Wut oder Ärger die Folge: Der Bankberater bekommt einen bösen Anruf, der Vorstand der AG ist ein Idiot, und die Aktie wird aus Enttäuschung verkauft. Oder es greift der Fluchtreflex und der Anleger redet sich die Welt schön: Alles kein Problem, an der Börse gehe es rauf und mal runter, das werde schon wieder und am besten schaue man gar nicht hin. Dieses Verhalten ist besonders ausgeprägt, wenn der Anleger Betrügern aufgesessen ist.

Das Letztere geht so lange, bis die Bedrohung existentiell zu werden scheint: Dann schüttet die Nebennierenrinde Cortisol aus, und der Anleger verfällt in Panik. Neurophysiologisch ist ein Crash ein Cortisol-Schock. Da setzt der Verstand wortwörtlich aus, und es herrscht kopflose Panik. Deswegen nennt man den Börsencrash wohl zu Recht auch „Börsenpanik“.

Doch auch bei Gewinnen setzt der Verstand aus: Kursgewinne sind eine Belohnung. Also reagiert das Belohnungszentrum im Nucleus accumbens, und wir wollen unseren Gewinn haben - jetzt und sofort. Deswegen verdienten auch so viele Privatanleger an der Börse kein Geld. Fatal wirkt sich dies auch auf die Altersvorsorge aus: Unser Gehirn springt auf eine langfristige Zukunft hin nicht an. Es ist gepolt auf sofortige Belohnung und die Abwehr von akuten Gefahren.

Neurofinanz ist eine Disziplin, die unser gesamtes Geldverhalten ändern kann. Wenn wir verstehen, wer wir sind und warum wir Dinge tun, die unvernünftig sind. Neurofinanz als Marketing - das ist der Trend der Zukunft.

Zurück

The next big story

Haben Sie die nächste große Geschichte?

Möchten Sie diese mit dem :gerlachreport teilen?

Wir bieten Ihnen viele Möglichkeiten, sich mit unseren Journalisten in Verbindung zu setzen und Materialien zu liefern. Kein Kommunikationssystem ist völlig sicher, aber unsere Möglichkeiten werden helfen, Ihre Anonymität zu schützen.

Bitte senden Sie keine Rückmeldungen, Story-Ideen, Pitches, Leserbriefe oder Pressemitteilungen über diese Kanäle.

Für eine allgemeinere Korrespondenz nutzen Sie bitte unsere regulären E-Mail-Adressen.

Ihr sicherer Kontakt

Neben unseren regulären E-Mail-Adressen haben wir für vertrauliche Nachrichten und Mitteilungen ein Postfach eingerichtet, das über Pretty Good Privacy (PGP) verfügt und absolut sicher ist:

redaktion.dta@protonmail.com

Bitte hinterlassen Sie auf jeden Fall eine Telefonnummer. Wir rufen Sie innerhalb kürzester Zeit zurück.

E-Mails an die Redaktion oder Chefredaktions-Adresse werden durch die Sicherheitsabteilung überprüft. Es kann vorkommen, dass für die Verifizierung des Absenders ein Personennachweis angefordert wird, wenn der Verdacht einer Identitätsfälschung vorliegt oder vorliegen könnte.

Was ist ein guter Tipp?

Ein starker News-Tipp hat mehrere Komponenten.

Die Dokumentationen oder Nachweise sind wichtig.

Spekulationen können spannend sein. Verdächtigungen oder Behauptungen, die einer Überprüfung nicht standhalten, sind es nicht.

Eine guter Nachrichten-Tipp beschreibt ein klares und verständliches Problem. Die Suche nach Hilfe, weil großer Schaden oder Leid angerichtet wurden. Falsche Verdächtigungen helfen niemandem und führen nicht zu einer Veröffentlichung.

Aber lassen Sie sich nicht abschrecken. Manchmal ist ein kleiner Hinweis das fehlende Puzzlestück in einem gesamten Themenkomplex, der von uns ohnehin bearbeitet wird. Besonders wichtig: Hinterlassen Sie bitte eine Kontakt-Telefonnummer.

Gute Tipps sind:

Hier ist ein Beweis dafür, dass in einer Behörde, Organisation oder einem Verband gemauschelt, getrickst und getäuscht wird.

Hier ist der Beweis dafür, dass Anlegergelder falsch oder illegal benutzt werden.

Hier ist der Beweis, dass betrogen, unterschlagen oder veruntreut wird.

Hier ist der Beweis für Täuschung, falsche Versprechen und üble Abzocke.

Wir kontrollieren alle Nachrichten regelmäßig, können aber nicht versprechen, dass jeder Informant umgehend eine individuelle Antwort erhält.

Sämtliche Kommunikation unterliegt der strikten Vertraulichkeit.