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OneCoin

Nach OneCoin-Pleite: Was jetzt zu tun ist

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Polizisten von Europol stellen die Server in der OneCoin-Zentrale in Sofia sicher. Jetzt sind nahezu alle Namen des Netzwerkes bekannt

Das Ende des Betrugsnetzwerkes OneCoin/OneLife wirft viele Fragen auf. Die wichtigste: Was passiert mit meinem Geld, was muss ich jetzt tun? :gerlachreport gibt die wichtigsten Antworten.

Was bedeutet der Konkurs?

 

Derzeit steht noch nicht fest, welches Unternehmen von einem möglichen Konkurs betroffen sein könnte. Das ist aber unerheblich. Seit Januar wurden keine Lieferanten und Partner im Netzwerk OneCoin/OneLife mehr bezahlt. Auch wenn es anderslautende Aussagen geben sollte, sie sind schlicht unwahr.

Das Betrugsnetzwerk OneCoin/OneLife verfügt über ein dichtes Netz von Unternehmen in zahlreichen Ländern. In jedem dieser Länder sind die Regeln und Gesetze unterschiedlich. Es muss derzeit davon ausgegangen werden, dass zahlreiche Unternehmen ohne entsprechende Verfahren einfach von der Bildfläche verschwinden. Und damit auch die Konten und die Gelder.

Das gesamte Ausmaß der Verflechtungen kann jetzt durch die Razzia und die Sicherstellung der Server aufgedeckt werden. Viele Verbindungen waren schon bekannt. Aber es wird Monate dauern bis die Ermittler sämtliche Daten ausgeschöpft haben. Damit können zwar große Teile der Geldflüsse nachvollzogen und kontrolliert werden, aber schon jetzt steht fest, dass die Gelder bis dahin versickert sind.

Für die betroffenen Anleger und Investoren ist jetzt entscheidend, dass eingezahlte Gelder gar nicht mehr wiederbeschafft werden können. Sie sind nicht mehr vorhanden sind. Zur Erinnerung: Rund 70 Prozent aller eingezahlten Gelder sind in den vertrieb und die unterschiedlichen Strukturen geflossen. Millionenbeträge sind für alle Zeiten auf Nimmerwiedersehen versickert.

:gerlachreport hatte in zahlreichen Berichten und Hintergrundanalysen bereits darauf hingewiesen, dass Geld nur durch Geld verdient werden kann. Mit der Razzia sind jetzt alle Möglichkeiten einer Kapitalisierung aus Geschäft final beendet. es war aber auch niemals das Interesses des Betrugsnetzwerkes Geld zu verdienen. Allein die Ankündigung eine Kryptowährung zu haben sorgt noch nicht für einen wirtschaftlichen Erfolg.

Wird es noch zu einem Börsengang kommen?

 

Nein, auf keinen Fall. Bereits in den vergangenen Monaten hatten wir in unserer Berichterstattung darauf hingewiesen, dass es einen Börsengang nicht geben wird. Ohne ein derartiges Börsen-Angebot an Investoren ist die Möglichkeit „frisches“ Geld zu beschaffen nicht mehr gegeben. Zudem steht das Betrugsnetzwerk OneCoin/OneLife international auf allen schwarzen Listen, die ein IPO (Initial Public Offer) unmöglich machen. Das gilt auch für ein entsprechendes ICO. Inzwischen liegen auch beweise vor, dass es zu einem derartigen Angebot niemals kommen sollte. Das erklärt auch das Verschwinden wichtiger Personen.

Kann man in das Vermögen pfänden?

 

Dr. Ruja Ignatova hat sich eine 15-Millionen-Yacht und ein Haus für viele Millionen Euro zugelegt. Kann man in das Vermögen pfänden? Generell ja, wenn man einen entsprechenden Vollstreckungstitel oder aber einen Arrest in der hand hält. In diesem speziellen Fall sind derartige Maßnahmen nicht erfolgreich. Das liegt auch daran, dass die Strafermittlungsbehörden in den unterschiedlichen Ländern bereits die bekannten Vermögensgegenstände wie Konten, Immobilien oder bewegliches Vermögen sichergestellt haben.

Welche Verantwortung tragen die Vermittler?

 

Die Vermittler und Veranstalter der unterschiedlichen „Seminare“ und „Lehrveranstaltungen“ haften mit ihrem persönlichen Eigentum und sind auch strafrechtlich verantwortlich. Diese Vertriebler, die in unterschiedlichen Funktionen und Rängen tätig sind, sollten umgehend bei der Polizei oder aber der Staatsanwaltschaft angezeigt werden. Hierbei ist wichtig, an welchem Tag, bei welcher Veranstaltung durch wen im welchem Umfeld OneCoin/OneLife angeboten worden ist. Generell sollte die Strafanzeige nach einem einheitlichen Muster erfolgen.

Sind Sammelklagen möglich?

 

In vielen Rechtsgebieten sind Sammelklagen nicht möglich. Jeder Betroffene muss eine einzelne Strafanzeige stellen. Diese kann direkt als „Strafanzeige“ oder „Sachverhaltsdarstellung“ formuliert werden. Im Fall OneCoin/OneLife greift nach Einschätzung von Juristen der Tatvorwurf von gewerbsmässigem Betrug. Denn es muss davon ausgegangen werden, dass Anlegern und Investoren unter Vorspiegelung gewaltiger Gewinne das Geld aus der Tasche gezogen worden ist.

 

Vertrieb: Nichts Verbotenes getan

 

Das ist so nicht richtig. Seit rund einem Jahr sind die Warnungen über das Betrugsnetzwerk OneCoin/OneLife öffentlich und allen bekannt. In den sozialen Medien und den verschiedenen Kommunikationsplattformen sind die Kritiker und Medien, die über die Verbote und illegalen Machenschaften berichtet haben, als „Fake News“ verunglimpft worden.

Heute wissen wir: Sämtliche Berichte sind wahr und das gesamte Ausmaß ist noch größer als zunächst angenommen. Das Argument, Vertriebsmitarbeiter hätten nichts Verbotenes getan, kann nicht greifen. Denn: Nur die Ermittlungsbehörden können und werden in der Lage sein, mögliche strafbare Handlungen zu bewerten und zu ahnden. In den hier vorliegenden Fällen handelt es sich um Anzeige-Delikte. Das bedeutet, dass die Betroffenen selbst eine Strafanzeige stellen müssen, da im Gegensatz zum Offizialdelikt die Staatsanwaltschaft sonst nicht tätig werden wird.

Auch private Laptop-Rechner sind bei der Polizeimaßnahme im OneCoin-Hauptquartier in Sofia konfisziert worden

Welche Folgen hat die Razzia?

 

Die Folgen dürften für das gesamte Netzwerk fatal sein. Denn auf den Servern befanden sich nicht nur die Listen aller Vertriebsmitarbeiter. Gefunden wurden auch Zahlungsbewegungen und wie die Geldwäsche funktioniert hat. Deshalb ist es jetzt besonders wichtig, dass betroffene Anleger und Investoren umgehend die Staatsanwaltschaften informieren. So können die entsprechenden Täterprofile und strafbaren Handlungen nachgewiesen werden.

Sollten sich Vertriebler selbst anzeigen?

 

Das muss individuell entschieden werden. Entscheidend ist nach einer ersten Bewertung, ob Vertriebsmitarbeiter auf ihre Einnahmen auch Steuern gezahlt haben. Ist das der Fall besteht kein Anlass einer Selbstanzeige. Wurden Steuern hinterzogen, sollte zunächst der Rat eines versierten Steuerstrafrechtlers eingeholt werden. In vielen Fällen sind OneCoin-Gelder unversteuert in die Taschen des Vertriebes geflossen. Diese Zahlungsströme werden alle aufgedeckt.


Was tun, wenn man Geld überwiesen hat?

 

Sämtliche Belege und Unterlagen kopieren und an die zuständige Staatsanwaltschaft übersenden. Es ist immer die Staatsanwaltschaft zuständig, in deren Bereich die mögliche Straftat stattgefunden hat.

Besteht eine Chance Geld wiederzubekommen?

 

Generell ja. Denn im Zuge der staatsanwaltlichen Ermittlungen werden auch Vermögen und Konten konfisziert. tatsächlich kann es aber Jahre dauern, bis von den eingezahlten Geldern auch nur ein Teil erstattet werden kann. Erfolgreicher sind die direkten zivilrechtlichen Maßnahmen gegen die vertriebener und Akteure des Betrugsnetzwerkes OneCoin/OneLife.

Und jetzt?

 

Es gibt Angebote, mögliche Verluste durch neue Investitionen in andere Kryptrowährungen aufzufangen. Soll man das tun? Auf keinen Fall. Das neue Baby vieler OneCoin-Abzocker heißt DagCoin. Das selbe Spiel, die selben Probleme, de selbem Betrügereien.

Sichergestellte Akten aus der OneCoin-Hauptverwaltung in Sofia. Viele Unterlagen sind jedoch in unterschiedlichen Datenclouds weltweit versteckt. Europol hat darauf jetzt direkten Zugriff

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