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Alexander Falk

Mordauftrag: Schlüssel-Zeuge verweigert Aussage

Schwerbewaffnete Polizisten im Gerichtssaal: Verteidiger protestieren lautstark

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Alexander Falk (Bildmitte) mit seinen Verteidigern Björn Gercke und Daniel Wölky. Der Hauptbelastungszeuge verweigerte die Aussage - er wollte sich nicht selbst belasten

Der Prozess um den angeblichen Mordauftrag des Verlagserben Alexander Falk droht zu platzen: Der Hauptbelastungszeuge Etem E. hat die Aussage verweigert. Gleichzeitig haben die Verteidiger Befangenheitsanträge gegen den Vorsitzenden Richter beim Landgericht Frankfurt, Jörn Immerschmitt, gestellt.

Es ist wie eine Szene aus einem schlechten Film: Etem E. betritt den Saal II im Gebäude E des Landgerichts Frankfurt in Begleitung von zwei schwerbewaffneten Polizisten, die ihr Gesicht mit Sturmhauben verdeckt haben. Daniel Wölky, einer der beiden Verteidiger Falks: "Das ist nicht Ihr Ernst, oder?". Die Frage ging an den Vorsitzenden Richter Jörn Immerschmitt.

"Ich weigere mich, so zu verhandeln", sagte Wölky, stand auf und wollte den Saal zu verlassen. Schließlich wisse man nie, was alles passieren könne: "Ich lasse mich doch nicht abknallen." Also zogen die beiden Polizisten wieder ab und nahmen vor der Tür Platz.

Es war der Tag, den Alexander Falk und seine Verteidiger seit Beginn des Prozesses herbeigesehnt hatten. Durch die Befragung des Hauptbelastungszeugen E. wollten sie dessen Glaubwürdigkeit erschüttern, deutlich machen, dass dieser ein "infamer Lügner und Betrüger" sei.

Es sollte der entscheidende Schritt werden, das Gericht davon zu überzeugen, dass Falk die ihm vorgeworfene Tat nicht begangen hat. Und so sollte dem Millionärssohn der Weg aus seiner seit exakt 402 Tagen andauernden Untersuchungshaft geebnet werden.

Die Tat, um die es geht, ist der Schuss auf einen Frankfurter Anwalt im Jahr 2010. Hinter dieser Aktion vermuten die Ermittler Falk als Drahtzieher. Hintergrund soll laut Staatsanwaltschaft eine Schadensersatzklage gewesen sein, die der Anwalt gegen Falk vorbereitet haben soll. Dabei soll es um Forderungen in Millionenhöhe und eine Pfändung in Höhe von 30 Millionen Euro aus Falks Vermögen gegangen sein.

Zwar geriet Falk schon kurz nach dem Anschlag in Verdacht, damit etwas zu tun zu haben. Belastbare Hinweise gab es aber nicht. Das änderte sich erst 2017. Etem E. wandte sich an die Polizei, behauptete, bei einem Treffen in einem Restaurant dabei gewesen zu sein, bei dem der Mord an dem Frankfurter Anwalt verabredet worden sein soll.

Falk habe einen Briefumschlag mit Geld übergeben. E. lieferte auch den Mitschnitt eines Gesprächs, in dem Falk seine Freude über den Schuss auf den Anwalt ausdrückte.

Der Leumund E.s ist mehr als fragwürdig. In den vergangenen zwei Jahrzehnten trat der Hauptbelastungszeuge immer wieder polizeilich in Erscheinung, ist vorbestraft und soll unter anderem bereits an einem versuchten Tötungsdelikt an einem Boxpromoter beteiligt gewesen sein. Außerdem, so Falks Anwälte Björn Gercke und Daniel Wölky, soll er maßgeblich für Bedrohungen und Erpressungen ihres Mandanten verantwortlich gewesen sein, der über längere Zeit mit dem Gesprächsmitschnitt erfolglos erpresst wurde.

Der kriminelle Hintergrund E.s, dem der Richter gar Nähe zur organisierten Kriminalität unterstellte, machte zumindest aus Sicht der Polizei den besonderen Schutz des Zeugen notwendig, der bei seiner Aussage möglicherweise heute andere Kriminelle aus dem Milieu hätte belasten können.

Doch zu all dem kam es nicht, denn am Ende sagte der stiernackige und mit zahlreichen Narben auf dem kurz geschorenen Schädel versehene E. nicht wirklich viel. Dass er am 1.11.1972 geboren sei und in Hamburg lebe, gab er zu Protokoll. Auf die Frage, was er beruflich mache, gab er in leicht gebrochenem Deutsch immerhin noch an, er sei Fahrer, und ein wenig hörte es sich an wie Pfarrer. Mehr war ihm dann nicht zu entlocken, denn sein Zeugenbeistand teilte anschließend mit, dass E. von seinem Auskunftsverweigerungsrecht Gebrauch machen wolle.

Die Staatsanwaltschaft ermittelt gegen E. nicht nur wegen der mutmaßlichen Erpressung Falks, sondern auch wegen des "Verdachts der Beihilfe zum versuchten Mord" gegen ihren eigenen Kronzeugen. Allerdings ließ sich der Anwalt, den E. erst kürzlich neu mandatiert hatte, noch eine Hintertür offen. Er wolle sich zunächst Einblick in die Akten verschaffen und sich mit dem Mandanten besprechen. Möglicherweise werde E. dann doch noch aussagen.

So blieb als einziger inhaltlicher Tagesordnungspunkt die Aussage eines von Falks Verteidigern beauftragten Gutachters, der die Angaben E.s aussagepsychologisch untersucht hat. Er kam in seiner vorläufigen Einschätzung zu dem Ergebnis, dass die Aussagen des Zeugen stark inkonsistent und mindestens an einigen Stellen wenig zuverlässig seien.

Wie es nun weitergeht, ist offen. Falks Verteidiger hatten kürzlich einen Befangenheitsantrag gegen den Vorsitzenden Richter gestellt. Wird diesem stattgegeben, müsste der ganze Prozess neu aufgerollt werden.

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