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SWM

Michael Turgut von Staatsanwaltschaft gejagt

Die schmutzigen Geschäfte der SWM - jetzt kommt alles ans Tageslicht

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Die in Hof erscheinende „Frankenpost“ hat umfassend über den SWM-Betrug berichtet - ebenfalls auf der Basis der Recherchen vom :gerlachreport

Der Berufsverbrecher Michael Turgut hat vier offene Strafverfahren. Jetzt ermittelt die Staatsanwaltschaft in Marburg - Basis sind Recherchen des :gerlachreport über die dubiosen Machenschaften der SWM. Seit dem 28. Oktober 2016 hatte der :gerlachreport regelmässig über Michael Turgut, den dubiosen Dr. Rudolf Döring und den Millionenbetrug der SWM berichtet. In mehreren Verfahren gegen den Suchdienst Google hatten Turgut und die SWM-Verbrecher die Suchergebnisse löschen lassen. Gegen die Berichte des :gerlachreport gab es jedoch keine rechtliche Handhabe.

Gefunden wurden die Nachrichten und Berichte über die SWM und ihre Hintermänner trotzdem. Von Opfern, Vermittlern und jetzt der Staatsanwaltschaft in Marburg. Die in Hof erscheinende „Frankenpost“ hat umfassend über den SWM-Betrug berichtet - ebenfalls auf der Basis der Recherchen vom :gerlachreport.

Hier ist der Bericht:

Bei Geschäften mit Gold und Silber werden den Käufern bis zu 80 Prozent der Einlage abgenommen. Und schon wieder ermittelt der Staatsanwalt.

Um das Betrugsverfahren vor dem Landgericht Hof gegen den bekannten Hofer Finanzunternehmer Michael Turgut ist es ruhig geworden. Statt drei gibt es seit geraumer Zeit nur noch einen Verhandlungstag pro Woche, und den kann Michael Turgut gut in sein Arbeitsprogramm integrieren. Immer öfter verbindet er die Gerichtstermine in Hof mit geschäftlichen Terminen in Hamburg oder Köln. Dann reist er von seinem tatsächlichen Wohnort bei Basel mit dem zweimotorigen Geschäftsflugzeug und eigenem Piloten nach Hof. Keine Stunde nach Verhandlungsende im Hofer Schwurgerichtssaal geht es zurück in die Schweiz – einzigartig komfortabel für jemanden, der seit fast sechs Jahren am Hofer Amtsgericht in einem Privatinsolvenzverfahren steckt und offiziell eigentlich gar nichts besitzt. Geistig hat Turgut offenbar beides schonabgehakt: das Insolvenzverfahren und den Betrugsprozess. Immer wieder lässt er durchscheinen, wie lästig ihm dieses Verfahren ist. Im Kern geht es darum, dass Turgut und seine Mannen Anlegern 15 Prozent Provision abgenommen haben sollen, obwohl nur von fünf Prozent die Rede gewesen sei.

Dass Michael Turgut dies als absolute Kleinlichkeit erachtet, ist sogar verständlich – wenn man auf sein aktuelles Geschäftsmodell schaut. Dabei werden den Anlegern nicht 15, sondern gleich bis zu 80 Prozent der Einzahlungen abgenommen.

Und wieder droht juristischer Ärger: Dieses Mal hat die Staatsanwaltschaft im hessischen Marburg die Ermittlungen auf-genommen. Konkret geht es um den Verkauf von Edelmetallen im Auftrag der in Liechtensteinansässigen Firma Swiss Wealth Management AG (SWM).

Sie bietet ihren Kunden den Ankauf von Gold, Silber, Palladium und Platin an, das später bei Fremdfirmen in der Schweiz eingelagert werden soll. Die fantastischen Renditen sollen den steuerfreien Aufbau einer attraktiven Altersversorgung ermöglichen. In Wahrheit füllen die Käufer vor allem den Vermittlern – und Michael Turgut – die Taschen. Das zeigen Kontoauszüge, die der Redaktion der Frankenpost vorliegen. So etwa der einer Anlegerin, die 2415 Euro in ein solches Edelmetall-Konto investierte. Davon wurden gleich 1840 Euro als „Einrichtungsgebühr“ und weitere 115 Euro als Agio abgebucht. Für den Kauf von Edelmetallen blieben gerade noch 460 Euro übrig.

Mit einer solchen Anlage ist es schon rein mathematisch unmöglich, eine Altersvorsorge zu erwirtschaften. Selbst wenn man die verbleibenden 460 Euro jährlich mit fünf Prozent verzinsen könnte, würde es 34 Jahre lang dauern, bis der Anleger wenigstens seine Einlage wieder hätte. Solche horrende Abzüge erreicht die SWM mit einem Kunstgriff: Offiziell beträgt die „Einrichtungsgebühr“ nur 4,9 Prozent, aber sie wird auf die gesamte geplante Einzahlungssumme berechnet. Daher legen es die Vermittler – wie schon immer bei Michael Turguts Geschäften – darauf an, dass der Anleger nicht nur eine höhere Startsumme zahlt, sondern sich über lange Jahre bindet.

Die Vermittler lassen sich sogar unterschreiben, dass die Vertragslaufzeit länger sein kann, als die verbleibende Lebenszeit des Anlegers. Im Fall der bereits zitierten Anlegerin sind es 52,50 Euro, die die Frau monatlich in ihren Vertrag einzahlt. Auf absehbare Zeit werden auch sie nicht zu ihrer Altersversorgung beitragen können, denn auch von diesen Raten werden gleich wieder 35 Euro als Einrichtungsgebühr und 2,50 Euro alsAgio abgezogen. Das steht auch so im Kleingedruckten des Kaufvertrags: Im Paragrafen 13 wird darauf hingewiesen, dass die gesamten Kosten der Anlage „für Entwicklung und Implementierung“ gleich zu Beginn abgezogen werden. Aber dies werde den Käufern geschickt verschleiert.

Dies behauptet Hedwig Z. (Name der Redaktion bekannt), die selbst eine Zeit lang im Nebenjob alsVermittlerin für Michael Turguts Netzwerk arbeitete. Auch sie hat einen Edelmetall-Kaufvertrag unterzeichnet. „Das hätte ich doch nie gemacht, wenn ich gewusst hätte, dass es über 30 Jahre dauert, bis ich auch nur meine Einlage zurück habe“, versichert Hedwig Z. „Meine Freundinnen, die auch als Vermittlerinnen arbeiten, glauben mir das zum Teil bis heute noch nicht.“ Wie in allen Geschäftsmodellen zuvor sammeln Turguts Truppen das Geld vor allem bei Normal- oder sogar Geringverdienern ein. Mit dem Versprechen einer lohnenden Altersversorgung werden sie dazu gedrängt, bestehende Sparverträge oder Lebensversicherungen aufzulösen, um sie in Edelmetalle anzulegen.

Obwohl Gold und Silber sich nicht verzinsen, werden Modellrechnungen mit jährlichen Wertsteigerungen von bis zu 12,5 Prozent aufgemacht. Zum Nachrechnen: Für eine solche Verzinsung müsste der Goldpreis sich innerhalb von zehn Jahren mehr als verdreifachen, innerhalb von 30 Jahren sogar verdreißigfachen.

Doch auch an diesen Fall ist gedacht: Zusätzlich zu den Provisionen kassiert die SWM 15 Prozent der Wertzuwächse des Depots als Erfolgshonorar. Michael Turgut wäscht seine Hände in Unschuld: „Mit dieser Firma habe ich überhaupt nichts zu tun“, versicherte er auf Nachfrage unserer Zeitung. Das sieht selbst die SWM ein bisschen anders: „Herr Michael Turgut ist Vertriebstrainer des outgesourcten Vertriebs“, teilte die Liechtensteiner Firma auf Anfrage der Frankenpost mit. Vermittlerin Hedwig Z. hat Michael Turgut bei Schulungen kennengelernt. „Es gab nicht den geringsten Zweifel, dass er der Chef des Ganzen ist“, erinnert sie sich.

Gestern wie heute lernen die Drücker dort ganze Rollenspiele auswendig, mit denen sie die zumeist unerfahrenen Anleger und Kunden überfahren. Bis zum Wortlaut sind es genau diesselben Verkaufsgespräche, die seit Monaten im Hofer Betrugsverfahren eine Rolle spielen.

Mit seinen Vermittlern – heute vor allem Frauen – unternimmt Turgut aber auch Bootsfahrten im Fränkischen Seenland. Für Hedwig Z. war der persönliche Eindruck, den sie von dem „Schnellschwätzer“ gewann, der Anlass, auszusteigen. „Ich habe im Internet seinen Namen gegoogelt und war nur noch entsetzt.“ Für alle Insider ist ohnehin klar, dass der eigentlich wirtschaftlich Berechtigte der SWM Michael Turgut ist. Er hatte die Aktiengesellschaft 2012 übernehmen lassen, als sie noch „Technorapid Aktiengesell-schaft“ hieß und dann umbenannt. Als neuer Geschäftsführer erschien sein damaliger Geschäftsführer Bernd Lommel im Handelsregister. Der Dresdner Jurist hatte schon 2016 in einem Bankrottverfahren gegen Michael Turgut in Hof geschildert, dass ihn sein Chef als Strohmann in Vaduz eingesetzt hatte.

Turguts Buchhalter Andreas Nierlich hatte im selben Prozessausgesagt, dass die Provisionen der SWM-Vermittler im Hofer Büro Turguts abgerechnet werden. Auch hier habe allein Turgut das Sagen. Der jetzige SWM-Geschäftsführer Rudolf Döring und der angeblich wirtschaftliche Berechtigte Walter Schautz waren Turgut schon bei der Entsorgung früherer Firmen behilflich. Die Staatsanwaltschaft Marburg will es nun ganz genau wissen. Ausgehend von einem Ermittlungsverfahren gegen einen in Hessen ansässigen Vermittler wollen die Strafverfolger nun wissen, wer hinter der SWM und dem Provisions-Wahnsinn steht. Sie haben daher ein Rechtshilfeersuchen bei den Behörden in Vaduz gestellt.

Für Michael Turgut wäre es das vierte noch offene Strafverfahren.

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