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MDM Group

„Riesenbetrug“ an deutschen Anlegern

Mehrere hundert deutsche Anleger mit Millionenverlusten

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Werbewirksam ins Verderben - gegen die Auskunftei wurde jetzt Strafanzeige wegen Beihilfe zum Kapitalanlagebetrug gestellt. Hier der aktuelle Ausdruck der Internetseite der MDM Group AG

Mit Hilfe bezahlter Pressedienste und Wirtschaftsauskunfteien hat das schweizerische Unternehmen MDM Group AG Hunderte deutscher Anleger um ihr Geld gebracht. Dabei handelt das Unternehmen, das in Meggen bei Luzern als Briefkastenfirma registriert ist, mal als „Händler mit Waren, Immobilienentwickler oder Investmentgesellschaft“. Mit „festverzinslichen Nachrangdarlehen“ in einer Höhe von „20 Prozent“ sind Anleger geködert und ausgenommen worden. Und: Besonders schmackhaft wurde die Kapitalanlage durch einen angeblich bevorstehenden Börsengang gemacht. Den aber gibt es gar nicht.

Bereits vor Monaten waren unterschiedliche Warnhinweise veröffentlicht worden, die das Unternehmen mit einer einzigartigen Medien- und Imagekampagne beantwortet hat, um aus dem Ruch des Betruges zu kommen. Geholfen hat das nicht.

Aus Unterlagen, die :gerlachreport vorliegen, ergibt sich, dass die Oberstaatsanwaltschaft Luzern bereits seit März ermittelt. Wörtlich: „MDM Group AG vereinigt sämtliche Merkmale, die darauf hinweisen, dass es sich um eine betrügerische Unternehmung handelt, die nach einem Schneeballsystem funktioniert“.

Zu diesem Zeitpunkt soll das Unternehmen auch bereits - ohne Genehmigungen - Aktien verkauft haben. Für einen angeblichen Börsengang. Auch in den USA wollte das Unternehmen offenbar in den nächsten Wochen an die Börse. :gerlachreport hat bei seinem Partner Bloomberg nachrecherchiert.

Bei dem Wirtschaftsnachrichtendienst werden weltweit alle bevorstehenden Börsengänge, nebst Aktienangeboten analysiert, katalogisiert und für Veröffentlichungen vorbereitet. Ergebnis: Es gibt keinen zu erwartenden Börsengang. Es gibt auch keine Aktien, die angeboten werden. Es gibt keine dazugehörenden Bewilligungen einer Behörde, die zwingend sind. Ein bevorstehender Börsengang - Pre-IPO - ist nirgendwo registriert, wie Bloomberg bestätigte.

Ein Riesenbetrug.

Die MDM Group AG hatte „bis zu 20 Prozent Zinsen pro Jahr, hohe Rendite und niedriges Risiko“ versprochen. Wohin die Anlegergelder aber verschwunden sind, weiß bis heute niemand. Ein angebliches Bauprojekt in der türkischen Stadt Bodrum, medial ausgeschlachtet, konnte nicht verifiziert werde. Bei einer „Laufzeit von einem Jahr“ versprach das Unternehmen „14% Zinsen, bei zwei Jahren 18%“.

In der Akte der Oberstaatsanwaltschaft Luzern findet sich aber auch das: „Inzwischen wirbt die Gesellschaft mit Renditen von 50% innerhalb von 120 Tagen. Dies und der vorgezogene angebliche Börsengang deuten darauf hin, dass das System seinem Höhepunkt entgegensteuert. Ich hoffe, dass die Behörde den dringenden Handlungsbedarf erkennt und die nötigen Schritte auch zum Schutz der Anleger einleitet. Der Sitz der („Briefkasten“-) Firma wird durch eine an sich unverdächtige Treuhandgesellschaft gestellt. Es ist davon auszugehen, dass sich an der physischen Adresse weder Geschäftsunterlagen noch Angestellte befinden, allenfalls ein umgeleiteter Telefonanschluss.“

Geleitet wird das undurchsichtige Unternehmen, das 2013 noch mit angeblichen Markenartikeln handelte, von der „Verwaltungsrätin“ Özlan Utanc. Nachdem das Unternehmen auf mehreren Warnlisten stand und vor Anlagen jeder Art gewarnt wurde, gab es kaum ein Medium, das die bezahlten Dementis von Utanc nicht bereitwillig abdruckte.

Inzwischen sind auch mehrere deutsche Staatsanwaltschaften mit dem Fall MDM Group AG befasst. Es geht um gewerbsmässigen Betrug und Beihilfe.

So hatte eine Auskunftei werbewirksam über die MGM berichtet: „Der Börsengang wird planmäßig zum zweiten Quartal 2017 stattfinden und damit ein halbes Jahr früher als geplant. Nach Jahren des gesunden Wachstums haben wir den Weg geebnet, um zu den großen internationalen Warenhäusern aufzuschließen. Das Kapital aus dem Börsengang werden wir für Investitionen ins Handelsgeschäft einbringen, um neue Absatzmärkte zu erschließen”, kommentiert Özlan Utanc, Verwaltungsrätin der MDM Group AG den bevorstehenden Börsengang. In der Prüfung erzielte die MDM Group AG bei den folgenden Merkmalen gute Ergebnisse: Finanzielle Situation des Unternehmens, Referenzen, Ausbildung und Juristische Merkmale. Exzellente Ergebnisse erreichte das Unternehmen in den Bereichen Risikoprävention, Soziales Umfeld, Finanzielle Situation des Entscheiders, Bonität Unternehmen, Bonität Entscheider und Medienresonanz.“

Wegen dieser offenbar falschen Einschätzung und Überprüfung haben jetzt mehrere Anleger Strafanzeige gegen die verantwortlichen Gesellschafter und Geschäftsführer der Auskunftei gestellt. Wegen Beihilfe zum Kapitalanlagebetrug.

Ihr Argument: Ohne eine solche Bewertung, die das Unternehmen bis heute auch noch werbewirksam auf der eigenen Website benutzt, wäre es nie zu einem Investment gekommen.

Gleichzeitig wollen die Anleger auch wissen, wieviel Geld die Auskunftei für die (falsche) Werbung bekommen hat.

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