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Malte Hartwieg: Deshalb will er geschnappt werden

Hartwieg schiebt die Schuld auf seinen Partner

Von ganz oben nach ganz unten: Auch das kann eine Masche von Malte Hartwieg sein - sein Blick wirkt stark und trotzig

Malte Hartwieg hat eine dreijährige Odyssee hinter sich. Strahlend, braungebrannt, ein schmales Oberlippenbärtchen, ein Pfau unter den Anlagebetrügern - so hatte er Anlegern mehr als 300 Millionen Euro aus der Tasche gezogen. Das ist die offizielle Lesart. Inoffiziell werden es annähernd 500 Millionen gewesen sein.

Heute: Seine Augen liegen tief, die Wangen sind eingefallen. Mit seinem Bart, der mindestens 16 Monate lang gewachsen ist, sieht er aus wie ein Strassenpenner. Oder fast. Lars-Marten Nagel und Marc Neller, die beiden Reporter von der „Welt“ haben ihn getroffen. In Ungarn. Schon vor Tagen hatte die Redaktion des :gerlachreport eine Mail erhalten, mit einem Wort: „Ungarn!“. Hartwieg ist von Mallorca abgehauen und lebt jetzt versteckt in der Nähe von Budapest.

Kaum einer hätte ihn je wiedererkannt. Aber jetzt ist sein Gesicht überall. Er hat seine nahezu perfekte Deckung komplett aufgegeben. Bei den Kopfgeldjägern herrscht Goldgräberstimmung. Nie waren sie so nahe an ihrem Ziel. Im Auftrag von Investoren, „die viel, viel Geld verloren haben“, will man Malte Hartwieg in die Finger bekommen, bevor er sich der Polizei stellen kann. Denn für sie steht fest: Er weiß, wo die Millionen sind.

 

So hatte der :gerlachreport die Suche nach Malte Hartwieg unterstützt. Jetzt kann ihn jeder finden. Will er das? Vom strahlenden Unternehmer, der Millionen gescheffelt hat, mutierte Hartwieg in nur drei Jahren zum Strassenpenner. Das nimmt ihm keiner ab.

 

Es ist ein Spiel auf Zeit. Hartwieg will „freiwillig“ ins Gefängnis. Nicht nur, um eine Schuld zu begleichen, die er bei sich gar nicht sieht. Er sucht die Sicherheit. Und wie ein Pokerspieler zockt er mit seinen Karten - als hätte er überhaupt noch ein Blatt auf der Hand. Er will sich stellen, aussagen, erklären, wie es wirklich war. Seine Version eines gigantischen Betrugs ohne Mitleid.

Vor drei Jahren geriet Hartwiegs Finanzvertrieb Dima24 ins Visier der Ermittler. Heute sagt der „Starinvestor“ Malte Hartwieg zur Welt: „So schlimm und ärgerlich es für alle Beteiligten ist, in dem Spiel gibt es keine Gewinner. Ich bin auch kein Gewinner.“ Von dem, was er einmal besessen habe, sei heute nur noch eine Tasche mit Klamotten übrig. „Ich habe nicht einmal mehr eine Krankenversicherung.

Die Staatsanwaltschaft München wirft Hartwieg vor, zusammen mit seinem Geschäftspartner Christian Kruppa seine Anleger am grauen Kapitalmarkt um viele Millionen Euro geprellt zu haben. Der zentrale Vorwurf: Betrug, Untreue und Geldwäsche.

Im Interview mit der „Welt“ sagte Hartwieg nun, er wisse selbst nicht, wo das Geld abgeblieben ist. „Das würde ich auch gerne wissen.“ Diese Frage könne nur sein früherer Geschäftspartner Christian Kruppa beantworten – zu dem er aber keinen Kontakt mehr habe. Dagegen hätten weder seine Frau noch er selbst Anlegergelder aus Deutschland mitgenommen. Damit widersprach Hartwieg den Ermittlungen der Staatsanwaltschaft, die ihn und Kruppa für Komplizen hält, die alles von langer Hand geplant hätten.

Wie gut, dass Kopfgeldjäger lesen können.

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