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Kryptowährungen

Von nun an geht's wohl richtig bergab

Am Ende werden nur noch die Toten gezählt

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Aufgeglänzt: Der Wert der Krypto-Währungen ist seit Mitte Juni erheblich gesunken. Da inzwischen Hedgefonds-Manager die Spekulationen übernommen haben, dürfte der nächste Crash nur noch eine Frage von wenigen Tagen oder Wochen sein

Ein Crash hat alle Internet-Währungen erfasst. Fast täglich verlieren sie an Wert. Ein interner Streit ihrer Verfechter bedroht die alternativen „Zahlungsmittel“ nun endgültig in den Abgrund zu reißen. Indien will ab sofort digitale Währungen verbieten oder aber durch den Geheimdienst überwachen lassen. Denn diese dienen vor allem Kriminellen, um ihre Geschäfte damit abzuwickeln. Würde Neu-Delhi ernst machen, wäre dies nur der jüngste Schlag in einer ganzen Reihe für diese Branche, die seit einigen Wochen einen dramatischen Absturz erlebt.

Die sogenannten Krypto-Währungen, deren bekanntester Vertreter Bitcoin ist, durchlaufen einen Salami-Crash. Fast täglich fällt der Kurs der virtuellen Münzen. Ihr gesamter Marktwert ist seit Mitte Juni von rund 115 Milliarden auf nur noch 81 Milliarden Dollar abgestürzt – ein Einbruch um fast 30 Prozent. Rund 34 Milliarden Dollar an Wert haben sich in Luft aufgelöst.

Diese Krypto-Währungen waren einst als alternatives Zahlungsmittel ins Leben gerufen worden. Sie existieren nur in der virtuellen Welt des Internet, und ihr wichtigstes Charakteristikum ist, dass Zahlungen damit geheim erfolgen können. Niemand kann nachvollziehen, wer etwas gekauft und bezahlt hat, anders als bei herkömmlichen Online-Zahlungsmethoden wie Kreditkarte oder Überweisung.

Vielen Regierungen, nicht nur der indischen, ist das ein Dorn im Auge. Denn die Anonymität macht die Krypto-Währungen eben auch für Kriminelle attraktiv. Sie können damit unerkannt Geld im Internet verschieben.

Nicht zuletzt die Hacker, die im Mai den Computervirus WannaCry um die Welt schickten und damit Tausende von Rechnern blockierten, griffen darauf zurück. Wer seinen Computer von WannaCry befreien wollte, musste ihnen Bitcoin überweisen. Damit gelangten Bitcoins auch erstmals ins Bewusstsein einer breiteren Öffentlichkeit.

Für legale Transaktionen werden diese Währungen dagegen nach wie vor kaum eingesetzt, mehr noch, die Möglichkeiten damit zu bezahlen, haben sich sogar zuletzt eher noch verringert. Nur drei der 500 größten Online-Verkaufsplattformen akzeptieren derzeit noch Bitcoins als Zahlungsmittel – im vergangenen Jahr waren es immerhin noch fünf gewesen.

Statt dessen seien Bitcoin inzwischen viel mehr ein Spekulationsobjekt geworden. Vor allem Hedgefondsmanager sind in den vergangenen Monaten aufgesprungen. Diese Spekulanten trieben den Wert der verschiedenen digitalen Währungen daher seit dem Frühjahr in immer neue Höhen.

Bitcoins, die zu Jahresbeginn noch bei rund 400 Dollar notierten, erreichten am 12. Juni einen Höhepunkt bei 2.997 Dollar – ganz knapp unter der Marke von 3.000 Dollar. Ähnliche Sprünge vollführten andere Kryptowährungen wie Ripple, Litecoin, NEM oder Dash.

Noch verrückter war der Höhenflug bei Ethereum. Von acht Dollar zu Jahresbeginn ging es bis auf 414 Dollar, ebenfalls am 12. Juni. Wer eine oder mehrere dieser digitalen Münzen besaß, konnte sich über eine Verfünfzigfachung seines Besitzes freuen. Einer der Glückspilze, die damit einen Reibach machten, outete sich am 11. Juni ein klein wenig auf Instagram.

Dort gab ein Nutzer auf Indonesisch bekannt, dass er mit Ethereum in den Monaten zuvor 228 Millionen Dollar verdient habe. Er stellte auch seine Identifizierungsnummer dazu, ein 42 Zeichen langer Buchstaben- und Zahlensalat. Wer hinter der Nummer steckt, ist allerdings bis heute nicht bekannt.

Doch wo einzelne Menschen solch ein Vermögen verdienen, gibt es immer auch andere, die viel Geld verlieren. Das mussten jene erleben, die zu spät gekommen sind. Denn seit Mitte Juni entweicht die Luft aus der Spekulationsblase. Ethereum hat seither fast die Hälfte an Wert verloren, ebenso die Kryptowährung NEM. Für Bitcoins ging es seither immerhin rund 20 Prozent abwärts.

Dieser Absturz ging einher mit weiteren Hiobsbotschaften. So wurde im Juni die koreanische Bitcoin-Börse Bithumb gehackt und persönliche Informationen der Nutzer wurden gestohlen. Dies war der größte anzunehmende Unfall, denn genau diese Daten will jeder, der Bitcoins verwendet, unbedingt für sich behalten, die Anonymität des Zahlenden ist schließlich der entscheidende Vorteil der Kryptowährungen.

Und als ob dies nicht schon genug wäre, droht nun auch noch ein interner Streit der Bitcoin-Anhänger die digitalen Währungen in den Abgrund zu reißen. Rivalisierende Fraktionen von Computer-Nerds, die in der Bitcoin-Welt entscheidende Positionen besetzen, liefern sich derzeit einen Kampf, manche sprechen sogar schon von einem „Bitcoin-Bürgerkrieg.“

Mit der Aufsplittung in zwei Bitcoin-Währungen dürfte der Krypto-Crash besiegelt sein. Jetzt müssen nur noch die Toten gezählt werden. Denn: Neuerliche Schockwellen werden auch andere Kryptowährungen erfassen und den gesamten Markt schwer beschädigen oder sogar endgültig zerstören.

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