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OneCoin

Korrupter Finanzbeamter warnt die Geldwäscher

Er steckt selbst bis über beide Ohren in dunklen OneCoin-Geschäften

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Ehingen ist ein verschlafenes Nest an der Donau. Etwas mehr als 24.000 Einwohner zählt der Ort. Hier kennt man sich. Und da werden dann auch gerne mal krumme Geschäfte gemacht

Das hat es in Deutschland noch nicht gegeben: Ein korrupter Mitarbeiter des Finanzamtes in Ehingen (Baden-Württemberg) wurde jetzt verurteilt, weil er OneCoin-Geldwäscher vor einer Razzia der Steuerfahndung gewarnt hatte. Er erhielt lediglich eine saftige Geldstrafe.

Der korrupte Finanzbeamte hatte vor dem Amtsgericht noch Glück. Nicht nur, weil das Gericht über das Betrugsnetzwerk Onecoin/OneLife kaum informiert war, auch die Geldwäscher kamen am Ende mit einem blauen Auge davon.

Verloren haben sie aber alle. Und nicht nur ihr Geld.

Ehingen ist ein verschlafenes Nest an der Donau. Etwas mehr als 24.000 Einwohner zählt der Ort. Da kennt man sich. Und da werden dann auch gerne mal krumme Geschäfte gemacht. Den Traum vom Reichtum träumen sie auch hier. Und wenn dann das große Geld mit OneCoin winkt, dann sind plötzlich alle hellwach.

Im September 2016 kam es nach einem Bankbesuch in Ehingen zu einer Meldung ans örtliche Finanzamt. Die Bankangestellte sah sich zwei Personen gegenüber, die 28.000 Euro in bar aus dem verschlafenen Nest nach Singapur überwiesen wollten. „Betreff: OneCoin“. Wie so oft bei den OneCoin-Keulern, sind die meistens pleite und deshalb besonders empfänglich für leere Geldversprechen. Da die Bankmitarbeiterin ihren Kunden kannte und wusste, dass der gar kein Geld hat, kam ihr der gesamte Vorgang „hochverdächtig“ vor.

Das gibt sie auch bei der Staatsanwaltschaft zu Protokoll. Dazu noch das persönliche finanzielle Desaster des OneCoin-Keulers. Grund genug, dass auch die Steuerfahndung des Finanzamtes die beiden Männer ins Visier nahm und ihrerseits Ermittlungen einleitete. Schnell war anhand der Kontoaufzeichnungen klar, dass es sich hier um Geldwäsche handeln musste.

Zu diesem Zeitpunkt waren in Deutschland die Hintergründe und Beweise gegen das Betrugsnetzwerk OneCoin/OneLife noch äusserst dünn. Niemand konnte ahnen, dass es sich um ein weltumspannendes Betrugsnetzwerk handelt, das Milliarden abzockte und immer noch abzockt.

Und niemand konnte ahnen, dass es sich bei den Überweisungen tatsächlich um internationale Geldwäsche und illegale Finanztransaktionen handelt. Davon hatte das Finanzamt Ehingen keine Ahnung.

Weil man sich in dem kleinen Ort, 23 Kilometer von Ulm entfernt, kennt, warnte der jetzt verurteilte korrupte Finanzbeamte einen der beiden Männer vor der bevorstehenden Razzia. Die Staatsanwaltschaft: Verletzung des Dienstgeheimnisses.

Im Zuge der Ermittlungen gegen die beiden Männer erfuhr der korrupte Beamte von einer Kollegin von den bevorstehenden Maßnahmen und den Hausdurchsuchungen. Vor Gericht gab er zu: „Ja, es war falsch, was ich gemacht habe“. Besonders fatal: Sein Freund soll nach der Warnung zur die Bank gefahren sein und die Mitarbeiterin gedrängt haben, das Geld bis zum nächsten Tag nach Singapur zu transferieren.

In seiner Verteidigung sagte der korrupte Finanzbeamte, er sei sicher gewesen, dass das Verfahren gegen seinen Freund eingestellt wird: „Ich weiß ja, woher das Geld kommt“, sagte der Mann, der ohne einen Anwalt im Gericht erschienen war.

Er sei selbst bei der Werbeveranstaltung für ein Investment dabei gewesen. Dort habe sein Bekannter das Geld von Anlegern erhalten. Das Geld musste zu einem bestimmten Zeitpunkt in Singapur eingehen, damit die Anleger einen Bonus erhalten. Diese Art der Geschäfte mit Kryptowährung seien legal, betonte er. „Ich habe lediglich versucht, zu verhindern, dass Gelder eingefroren werden.“ Dies sei auch gelungen.

Heute wissen wir: Der korrupte Finanzbeamte war ebenfalls in das OneCoin/OneLife-Betrugsnetzwerk verstrickt. Und er hat selbst Gelder unter Vorspiegelung falscher Tatsachen eingesammelt. Es hat nie einem Bonus gegeben. Das Geld ist in Singapur in die Taschen der Berufsverbrecher um Dr. Ruja Ignatova geflossen. Die Anleger haben alles verloren.

Der korrupte Finanzbeamte, der nebenbei in einen Betrugsfall verstrickt ist, wurde lediglich zu 60 Tagessätzen zu je 90 Euro verurteilt. Die Staatsanwältin hatte 60 Tagessätze in Höhe von je 110 Euro gefordert. Es dürften jetzt aber weitere Verfahren der geschädigten folgen.

Weil 2016 die OneCoin-Welt noch heile war, wurde das Verfahren gegen die beiden Männer, die die Transaktion getätigt hatten, eingestellt.

In Eignen wäscht eine Hand die andere: Die Einstellung erfolgte, weil der korrupte Finanzbeamte seinen OneCoin-Mitkeulern im richtigen Moment zur Seite stand: Er hat bestätigt, dass das Geld von Dritten stammte.

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