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OneCoin

Konstantin Ignatov: Wie er in die Falle lief

USA wollen noch mehr: Wer jetzt auch mit seiner Verhaftung rechnen muss

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Bis heute glauben viele OneCoin-Jünger, dass die Berichte über die Verhaftung von Konstantin Ignatov falsch sind. Hier ein Auszug der offiziellen amerikanischen Mitteilung der Staatsanwaltschaft


Konstantin Ignatov, Chef des weltweiten Betrugssystems OneCoin/OneLife sitzt in Los Angeles in Haft. Er soll in der kommenden Woche nach New York überstellt werden. Inzwischen werden weitere Einzelheiten über die Polzeifalle bekannt. Denn seine Verhaftung war bereits bei seiner Einreise beschlossene Sache. Das Problem der Ermittler: Offiziell hatte OneCoin/OneLife in den USA keine Geschäfte und war damit auf dem amerikanischen Boden kaum angreifbar.

Konstantin Ignatov und seine Schwester Ruja Ignatova, die als "Erfinderin" der angeblichen Kryptowährung gilt, sind von dem amerikanischen Rechtsanwalt Mark S Scott schwer belastet worden. Scott hatte von Florida aus die internationale Geldwäsche von OneCoin organisiert und insgesamt mehr als 480 Millionen US-Dollar auf das Privatkonto von Ruja Ignatova geschleust. Hierüber hatte :gerlachreport umfassend berichtet.

Aus den Ermittlungsakten gegen Konstantin und Ruja ergibt sich, dass die amerikanischen Ermittler bereits seit dem 4. Juli 2015 erste Ermittlungen aufgenommen hatten. In einem Online-Webinar, das später auf YouTube veröffentlicht wurde, hatte Ruja Ignatova den Markteintritt in die USA verkündet. Offiziell ist es dazu jedoch nicht gekommen, weil frühzeitig die amerikanischen mischen Aufsichtsbehörden einen Riegel vor den betrug geschoben haben.

Das Hotel Bellagio in Las Vegas ist protzig, teuer und vor allem angemessen für Konstantin Ignatov. Der Bulgare mit deutschem Pass buchte sich hier am 27. Februar ein. :gerlachreport hatte noch Fotos von seinen Veranstaltungen in Asien erhalten und die Redaktion überlegte, wie diese Informationen verarbeitet werden sollten.

Konstantin Ignatov war inzwischen in Los Angeles und beklagte, dass er sein Gepäck "verloren" hatte. Es tauchte später wieder auf und war von der Polizei "präpariert" worden. Längst war auch sein Zimmer im Hotel Bellagio verwanzt. Spezialisten des FBI überwachten jeden Schritt und zeichneten jedes Gespräch auf. Der Generalstaatsanwalt in New York hatte für alle Maßnahmen grünes Licht gegeben.

Offiziell liest sich die Stellungnahme der Ermittler zur Festnahme eher nüchtern:

"Zwischen dem 27. Februar 2019 und dem 6. März 2019 reiste Konstantin Ignatov in die Vereinigten Staaten ein, um Geschäfte zu tätigen, die sich um OneCoin drehten. Unter anderem in Las Vegas, Nevada, wo er sich in einem Casino-Resort aufhielt. Während seines Aufenthalts in Las Vegas traf sich Ignatov mit einer Reihe von OneCoin-Mitgliedern und Geschäftspartnern. Während des Treffens war eine der ersten Fragen an Ignatov, wann OneCoin-Mitglieder ihre OneCoins/Token in richtges Geld umwandeln können oder aber ausbezahlt werden. Ignatov hat darauf sehr ungehalten reagiert und gesagt: "Wenn Sie hier sind, um Geld zu bekommen, verlassen Sie jetzt diesen Raum. Sie verstehen nicht, worum es bei diesem Projekt geht."

Weiter:

"Seit der Übernahme der Führung von OneCoin nach dem spurlosen Verschwinden von Ruja Ignatova aus dem Management des Unternehmens hat Konstantin Ignatov gegenüber OneCoin-Mitgliedern fortlaufend falsche Erklärungen abgegeben, um Händler um die Paketkäufe zu intensivieren und Gelder für das Betrugsunternehmen zu generieren."

Besonders der angebliche Börsengang von OneCoin hatte die amerikanischen Ermittler aufgeschreckt und den Fall nach New York gebracht, wo an der Wall Street der offizielle Börsenplatz ist. :gerlachreport hatte über die Pläne umfassend berichtet. Frühzeitig hatte die Redaktion geschrieben, dass es einen Börsengang nicht geben wird und alles eine gigantische Täuschung und Betrug ist. Diese Darstellungen wurden in der OneCoin-Gemeinde als "Fake News" abgetan, in der Folgezeit kam es sogar zu Morddrohungen gegen die Redaktion.

Dabei hat alles gestimmt. Der Generalstaatsanwalt von New York:

"Konstantin Ignatov hat wiederholt erklärt, dass ein "Initial Public Offering" (IPO) von OneCoin zu verschiedenen Terminen in den Jahren 2018 und 2019 stattfinden würde, um Aufmerksamkeit zu erzeugen und zusätzliche Investitionen bei den Opfern der Mitglieder zu generieren. Das angebliche Angebot wurde jedoch wiederholt verschoben, und es fand kein solches Angebot statt. Darüber hinaus war Konstantin Ignatov persönlich an der willkürlichen Festlegung und Erhöhung des angeblichen Euro-Wertes von OneCoin beteiligt, was der Behauptung widerspricht, dass der Wert durch Angebot und Nachfrage bestimmt wird. Schließlich hat die Untersuchung ergeben, dass Konstantin Ignatov weiß, dass OneCoin-basierte Gelder über eine Reihe von angeblichen "Investmentfonds"-Konten geleitet wurden, die verwendet wurden, um die Herkunft des Geldes zu verbergen, d.h. um OneCoin-Betrugserlöse zu waschen."

Dr. Ruja Ignatova, die mit einem ukrainischen Pass und unter falschem Namen lebt, ist wie ihr Bruder Teil des Verfahrens. In New York wird jetzt damit gerechnet, dass Konstantin Ignatov, dem auch enge Beziehungen zur bulgarischen Mafia nachgesagt werden, im Zuge seiner Vernehmungen "umfassende Aussagen zur Struktur und anderen Verantwortlichen geben wird".

Die Jagd auf die Verantwortlichen hat erst begonnen: Nach jüngsten Informationen müssen auch "andere Personen aus dem Führungsumfeld von OneCoin/OneLife mit ihrer Verhaftung rechnen". Alles ist erst der Anfang. Das Ende von OneCoin/OneLife ist längst da.

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