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TSO-DNL

"Illegales Schneeballsytem" gefährdet die Anleger

Experten sehen bei TSO-DNL-Gruppe Beweise für "gewerbsmässigen Betrug"

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Diese Vertragspunkte stellen nach amerikanischem Recht eine "grobe Verletzung" dar und können dazu führen, dass "sämtliche Verträge, die einen derartigen Inhalt haben, rechtsunwirksam sind

Die mehr als 5.000 Verträge der Anleger der TSO-DNL-Gruppe dürften rechtswidrig sein. Das ist die Meinung von amerikanischen Experten. Es ist nicht das einzige Problem: Die Gruppe stehen unter Verdacht, ein illegales Schneeballsystem zu betreiben. Aktuell geht es um mögliche Schäden in einer Höhe von mehr als 125 Millionen Euro.

"Das TSO-DNL-System ist so aufgebaut, dass ein normaler Investor die Fußfallen und Fallstricke gar nicht erkennen kann", heißt es gegenüber :gerlachreport in New York, "wahrscheinlich ist das auch der Grund, warum die Geschäfte bis heute noch nicht als das gekennzeichnet sind, was sie sind: Ein Schneeballsystem. Es muss jetzt geprüft werden, wie groß die Schäden sind und welche Gesetze gebrochen wurden."

Um das TSO-DNL-System zu verstehen, müssen die Strukturen analysiert werden. Erst "dann wird das Ausmaß des möglichen Betruges deutlich", heißt es in einer schriftlichen Analyse, die :gerlachreport vorliegt. Demnach wirbt die Familie van der Biezen-Kunz Anlegergelder ein, die angeblich in amerikanische Immobilien investiert werden und so hohe Erträge erwirtschaften, dass die Anleger neben ihren Einlagen auch hohe Gewinne einstreichen können.

Die Auszahlungen werden aber nach derzeitigem Kenntnisstand "ausschließlich aus neu eingeworbenen Geldern bezahlt".

Einzahlungen der Investoren können zudem nicht den Immobilien zugeordnet werden, die angeblich den TSO-DNL Partnerschaften gehören sollen. Keines der Investments weist TSO-DNL-Partnerschaften als Miteigentümer und damit als berechtigt für Zahlungen und Erträge aus. Das haben erste Untersuchungen der einzelnen Immobilienprojekte in den USA ergeben.

Im Klartext: Es handelt sich um ein Schneeballsystem.

Auch nach Ansicht deutscher Rechtsexperten, die sich mit den Geschäften der DNL Invest AG unter Führung von Kathrinchen van der Biezen-Kunz beschäftigen, "handelt es sich bei diesen Geschäften offensichtlich um Anlage-Betrug".

Dafür würden Gefälligkeitsgutachten von Wirtschaftsprüfern sprechen, die Unternehmen testieren, die sie gar nicht bewerten oder begutachten dürfen. Diese Gefälligkeitsgutachten "werden dann Teil eines Angebots, das den Anleger täuscht". Die zuständigen Wirtschaftsprüferkammern sind eingeschaltet.

Dazu kommen bezahlte "Anerkennungen und Preise" für das Unternehmen DNL Invest AG. Sie hätten "das ausschließliche Ziel, Anleger zu täuschen und eine Seriosität zu zeigen, die es gar nicht gibt." Auch die angeblich "guten Ratings" des Unternehmens sind eine Fälschung. Sie wurden nach Recherchen des :gerlachreport mit Anlegergeldern bezahlt.

In der strafrechtlichen Bewertung liegt auch der vielseitige "Gesellschaftsvertrag", den Investoren unterschreiben. Dabei handelt es sich um ein Vertragswerk, das in den USA nach Ansicht von Experten rechtsunwirksam ist.

Anleger werden in Deutschland über den TSO-DNL-Vertrieb, die DNL Invest AG, als Vertriebs- und Geschäftspartner im Rahmen einer "Limited Partnerschip" zu "ordentlichen" Partnern. Mit allen Pflichten. Aber ohne Rechte. Auch hier spielt Vorstand Kathrinchen van der Biezen-Kunz eine dubiose Rolle.

Im Gesellschaftsvertrag heißt es unter anderem:

7.3 Beschränkte Haftung. Kein Limited Partner haftet für die Verbindlichkeiten oder Verluste der Gesellschaft mit einer Summe, die über die Kapitaleinlagen des Limited Partners bei der Gesellschaft hinausgeht.

7.4 Einschränkungen der Rechte der Limited Partner. Abgesehen von dem, was in diesem Vertrag ausdrücklich bestimmt wird, haben die Limited Partner kein Recht und keine Befugnis, an der Verwaltung oder Kontrolle der Gesellschaft oder ihrer Geschäfte teilzunehmen.

7.5 Ausschluss des ordentlichen Kündigungsrechts. Da die Beteiligung an der Gesellschaft eine unternehmerische Investition für eine bestimmte Dauer darstellt, haben die Limited Partner kein ordentliches Kündigungsrecht hinsichtlich ihrer Limited Partner Anteile.

Diese Vertragspunkte stellen nach amerikanischem Recht eine "grobe Verletzung" dar und können dazu führen, dass "sämtliche Verträge, die einen derartigen Inhalt haben, rechtsunwirksam sind und zur sofortigen fristlosen Kündigung berechtigten."

Schlimmer noch: Die im Recht des Staates Georgia festgelegte Haftungseinschränkung würde durch die Illegalität des Vertrages "ausgehebelt". Zudem ist nach dem Partnerschaftsrecht ausgeschlossen, dass ein Partner "kein Recht und keine Befugnis an der Verwaltung oder Kontrolle der Gesellschaft oder ihrer Geschäfte" haben könnte. Genau dieses Recht ist elementarer Bestandteil einer Limited Partnerschaft.

In einer angemessen Frist, die zumeist bei einem Jahr liegt, ist eine ordentliche Kündigung fester Bestandteil amerikanischer Rechtssprechung. Auch wenn dieser Punkt keinen wirklichen Streit darstellen dürfte, besteht schon wegen der Rechtsunwirksamkeit des Vertrages die Möglichkeit der außerordentlichen Kündigung.

Es gibt kein Partnerschaftsregister. Damit sind alle Möglichkeiten einer Kontrolle eines einzelnen Anlegers ausgeschlossen. Auch wenn offiziell ein solches Partnerregister nicht zwingend vorgeschrieben ist, kann ein Anleger nicht einmal kontrollieren, ob er überhaupt Partner geworden ist und wohin sein Geld fließt.

Das sogenannte "Escrow"-Konto, also Treuhandkonto, gehört einem Unternehmen, das eine Mittelkontrolle rechtlich gar nicht wahrnehmen darf. Es handelt sich dabei um eine Unternehmung, die eng mit der TSO-Gruppe zusammenarbeitet und kontrolliert, ob bei einem Immobilienkauf die Eigentumsrechte gesichert sind. Das hat aber nichts mit einer Mittelkontrolle zu tun.

Der "General Partner", der ebenfalls von der TSO-DNL-Group gestellt wird, kann willkürlich und je nach Belieben die Anlegergelder ausgeben, verwalten oder verschwinden lassen. Eine Kontrolle gibt es nicht.

Bei den Dutzenden Unternehmen der TSO-DNL-Gruppe dürfte das willkürliche Umbuchen horrender Summen nichts anderes darstellen, als eine "permanente Vermögensverschiebung".

:gerlachreport wird das TSO-DNL-System in weiteren Veröffentlichungen umfassend durchleuchten und der Frage nachgehen: Wo ist das Geld der Anleger?

Sämtliche betroffenen Unternehmen und Personen sind um eine Stellungnahme gebeten worden. Sie haben sich zu den Sachfragen ebensowenig geäussert wie zu den Vorwürfen des gewerbsmässigen Betrugs.

Anleger, die mehr Informationen aus den USA benötigen, können sich an die Redaktion wenden.

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