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Biofonds

40 Millionen weg: Yaver Demir wandert in Knast

Jetzt werden reihenweise die Berater von Hydropower VI zur Kasse gebeten

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Sieben Jahre und vier Monate: Yaver Demir muss weiter in den Knast. Der Betrugsvorwurf wurde fallengelassen. Mehr als 40 Millionen Euro sind verschwunden

Der Eisbär musste als Kronzeuge herhalten. Wenn sich das Klima weiter erwärmte, sei das Tier bis 2030 verschwunden, warnte Yaver Demir im Emissions-Prospekt „Hydropower VI“. Daneben prangte ein großformatiges Bild des einsamen Bären auf der Eisscholle. Die Botschaft: Wer mit uns in Wasserkraftwerke investiert, rettet zugleich die Welt. Weniger ökoorientierte Investoren lockte eine Renditeprognose von 17,5 Prozent pro Jahr.

Es war Sommer 2012 und eine Zeit, in der Öko-Finanzprodukte wie die der späteren Pleitenfirmen Prokon und Windreich Anleger in Scharen anzogen. Der Nürnberger Geschäftsmann Demir von der Deutsche Biofonds AG verkündete, mit drei Wasserkraftwerken im Norden der Türkei seine Investoren reich machen zu wollen. „Alle Genehmigungen, Lizenzen und Konzessionen liegen vor.“ Zwischen 600 und 700 Anleger glaubten das Rendite-Märchen aus 1001 Nacht. Warum auch nicht? Damals ließ sich der Wirtschaftsboom der Türken in Deutschland vermarkten, und die autoritären Entwicklungen lagen fern in der Zukunft.

Anfang 2018 sieht die Sache nun anders aus. 40 Millionen Euro sind im unübersichtlichen Firmengestrüpp von Yaver Demir verschollen, vielleicht auch mehr, so genau weiß er das wohl nur selbst. Der frühere Zampano muss für sieben Jahre und vier Monate ins Gefängnis. Das Landgericht Nürnberg hat ihn wegen Untreue verurteilt. Seine Anwälte haben Revision eingelegt. Die große Hoffnung auf Wasserkraft in der Nordtürkei ist geplatzt.

Leute, die Demir kennen gelernt haben, sagen, er sei ein kluger Kopf, charmant und eloquent. Sie sagen auch: „Der hat uns eiskalt ins Gesicht gelogen.“ Das Gericht sah es als erwiesen an, dass Demir fünf Millionen Euro so lange verschoben hat, bis die Untreue erfüllt war. Trotz der Haftstrafe sind einige Anleger enttäuscht. Sie hatten gehofft, dass Demir auch für Betrug angeklagt wird. Doch die Staatsanwaltschaft hat sich dagegen entschieden.

Unterdessen machen die selbsternannten Anlegerschutzanwälte weiter dicke Kasse: Das Landgericht Dresden hat mit einem aktuellen Urteil Schadensersatz gegen Vermittler der Beteiligung an Hydropower VI zugesprochen. Weitere Gerichte bestätigten eine unzureichende Aufklärung der Anleger durch die Berater. Geschädigte der Deutsche Biofonds AG machen jetzt Jagd auf ihre persönlichen Berater, sofern diese nicht als Mitarbeiter der Deutsche Biofonds tätig waren. Mit guten Erfolgsaussichten.

Hydropower I - V gab es gar nicht

 

Vor Gericht konnte nachgewiesen werden, dass die Berater bei der Vermittlung von Hydropower VI ihre Aufklärungspflichten schwerwiegend verletzt hatten. „Hätten die Berater sich pflichtgemäß verhalten und Hydropower VI bzw. die Deutsche Biofonds AG der erforderlichen Prüfung unterzogen, hätten sie die Kapitalanlage niemals anbieten dürfen.“ - das ist der derzeit geltende Gerichtstenor. „Schon mit wenig Aufwand hätte festgestellt werden können, dass jeder seriöse Hintergrund fehlte und die Angaben zur Deutsche Biofonds Gruppe und Hydropower VI weitgehend erfunden waren.“

Die Berater ließen sich nach Angaben von Prozessbeteiligten „durch die hohen Provisionen von einer objektiven Prüfung abhalten.“ Mehrere Berater haben durch die Vermittlung von Hydropower VI Provisionen im sechsstelligen Bereich kassiert. Das Landgericht Dresden verurteilte einen Vermittler von Hydropower VI die Einzahlung für Hydropower VI einschließlich des Agios vollständig zu erstatten.

Der Berater sei zu einer Prüfung von Hydropower VI mit „üblichem kritischen Sachverstand verpflichtet gewesen“. Insbesondere die angeblich früher realisierten Projekte Hydropower I – V hätte geprüft werden können und müssen. Hydropwer I – V waren als erfolgreiche Vorgänger von Hydropwer VI dargestellt worden, hatten tatsächlich aber nie existiert.

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