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Infinus

Hohe Haftstrafen für Jörg Biehl und seine Ganoven

22.000 Anleger verloren mehr als drei Milliarden Euro - auch Vertriebler sind betroffen

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Jörg Biehl wurde zu einer Haftstrafe von acht Jahren verurteilt. Er kann es gelassen sehen. Der Infinus-Boss hat mehr als 30 Millionen Euro zur Seite geschafft

Ende einer Dienstfahrt im Bentley: Die Infinus-Manager Andreas Kison, Jens Pardeike, Siegfried Bullin, Rudolf Ott und Chef Jörg Biehl sind zu hohen Haftstrafen verurteilt worden. Etwa 30 Millionen Euro soll alleine Biehl, bei Banken in den karibischen Steueroasen, im Fürstentum Liechtenstein, sowie in Riga, sicher auf den Konten von Briefkastenfirmen deponiert haben. Das Geld ist bis heute verschwunden.

Jetzt hat Dresdner Landgericht hat fünf Ex-Manager des Finanzdienstleisters Infinus wegen gewerbsmäßigen Bandenbetrugs und Kapitalanlagebetrugs zu Freiheitsstrafen verurteilt. Die zuständige Wirtschaftsstrafkammer verhängte gegen den Gründer und die ehemaligen Führungskräfte Haftstrafen. Sie müssen für Zeiträume von fünf Jahren und vier Monaten bis zu teilweise acht Jahren in Haft. Ein weiterer früherer Mitarbeiter wurde wegen Beihilfe zu viereinhalb Jahren verurteilt.

Die ehemaligen Manager des mittlerweile größtenteils insolventen Unternehmens sollen seit spätestens 2011 ein ausgeklügeltes Schneeballsystem betrieben haben. Es könnte sich um eines der größten in der Geschichte der Bundesrepublik handeln. Mehr als 220 Zeugen hatte das Gericht vernommen, zum Teil mehrfach. Darunter waren Vermittler, Anleger, Gutachter, Banker und Ex-Mitarbeiter der Firmengruppe.

Der Schaden ist weitgreifend: Etwa 22.000 Anleger haben durch die Machenschaften der Manager zusammen mehr als drei Milliarden Euro verloren. Unter den Geschädigten sind rund 2000 Vertriebsleute. Die Verkäufer der Produkte hatten zumeist selbst ihr ganzes Vermögen in die Fubus-Produkte investiert.

Denn das Geschäftsmodell klang zunächst genial: Seit Anfang des Jahrtausends kaufte die Fubus-Gruppe Privatleuten ihre Lebensversicherungen ab. Den Inhabern bot sie einen aufgebesserten Rückkaufswert. Fubus führte die Lebensversicherungen dann unter eigenem Namen und zu besseren Konditionen fort. Das frei gewordene Geld investieren die privaten Verkäufer der Versicherungen in neue Produkte der Infinus-Gruppe. Das waren zum Beispiel festverzinsliche Anleihen, meist in Form von Orderschuldverschreibungen. Das lief solange gut, wie durch die Geldanlagen deutlich bessere Renditen erzielt werden konnten als die in den Lebensversicherungen versprochenen.

Doch dann kamen den Managern die niedrigen Zinsen in die Quere. Sie konnten ihre Zinsverpflichtungen nur noch mit neuem Anlegergeld bedienen. Das Schneeballsystem war geboren. Die meisten Anleger merkten über viele Jahre nicht, dass etwas nicht stimmte. Denn die Zinsen wurden gezahlt.

Auf immer kühnere Ideen verfielen Jörg Biehl und seine Manager, um Liquidität zu generieren. So schloss die Fubus-Gruppe auf eigene Töchter oder Mitarbeiter großvolumige Lebensversicherungen ab. Durch lange Laufzeiten von 30 Jahren spülten diese Verträge sofort Millionenbeträge in die Kassen.

Das traf einzelne Mitarbeiter besonders hart. Sie mussten laut den Verträgen teilweise monatliche Prämien von 30.000 Euro oder mehr bezahlen. Den großen Versicherern wie Ergo, Gothaer oder Wiener Städtische fiel nichts Ungewöhnliches auf. Gegen Ende hatten die Fubus-Manager sogar noch die Idee, Goldsparpläne zu vertreiben.

Erst ein Hinweis der Bundesbank und der Wertpapieraufsicht Bafin machte die Staatsanwaltschaft auf den Fall aufmerksam. 2013 führte sie eine Großrazzia durch. Es wurden Villen, Luxuswagen und anderes Vermögen der Beschuldigten beschlagnahmt, außerdem wurden die Beschuldigten festgenommen. Seit Ende 2015 lief das Strafverfahren.

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