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Harry Moser: Arm in weniger als vier Wochen

Illegales Trading: Coin.Zone (Klagenfurt) versprach ihm 100% Rendite in einem Monat

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Harry Moser und sein Mitarbeiter Enes Urkay, der den gesamten Schwindel mitbekommen hat. Jetzt müssen beide erst einmal die Verluste wieder verdienen, die "Naivität" und "Gier" gebracht haben

Harry Moser war ein reicher Mann. Er konnte mal eben 290.000 Euro an ein dubioses Unternehmen überweisen. Sein Totalverlust war garantiert. Der Immobilienmakler aus dem schweizerischen Volketswil bei Zürich ist aber auch gierig: 100 Prozent Rendite hatte man ihm versprochen. In vier Wochen. Jetzt ist Harry Moser arm.

Begonnen hat alles auf einer Schulung. Harry Moser: "Ich lernte Anto Antunovic kennen. Ein netter, sympathischer Kerl. Wir diskutierten über Kryptowährungen und wie man damit richtig Geld verdienen kann." Anto Antunovic ist ein Keuler des Betrugssystems EXW und EXW Wallet. Er arbeitet mit dem illegalen Trader Coin.Zone des ehemaligen Hausmeisters Jürgen Kitz zusammen.

Kitz ist eine Schlüsselfigur im Kärtner OneCoin/OneLife-Betrug. Das südliche Bundesland gilt in Österreich immer noch als Hochburg für den illegalen Handel mit Kryptowährungen. Nachdem auch dem dümmsten Österreicher klar war, dass er mit OneCoin/OneLife nur wertlosen Plunder in der Tasche hat, schwenkte Kitz auf Bitcoin & Co. um und eröffnete Coin.Zone.

Das neue Betrugssystem heißt jetzt EXW und EXW Wallet. Antunovic arbeitet mit Kitz zusammen. Harry Moser: "Er hat sich als Profi ausgegeben und sprach von einem Insidertipp, der hohe Renditen versprach." Antunovic ließ dann, nachdem er den Immobilienmann Moser "heiß" gemacht hatte, die Katze aus dem Sack: "100 Prozent in vier Wochen", so der Coin.Zone-Keuler, "wären schon drin."

Harry Moser hat 2017 sein Unternehmen Vesta Immobilien gegründet. In der Schweiz ein gutes Geschäft. "Wir erfinden das Rad nicht neu", heißt das Motto des Unternehmens, "wir vermitteln einfach besser". Harry Moser zum :gerlachreport: "Meine Naivität oder auch Gier haben mich dann veranlasst, der Coin.Zone Klagenfurt 290.000 Euro zu überweisen." Bis Anfang Oktober sollten dann 580.000 Euro zurückgezahlt werden.

Doch Hausmeister Jürgen Kitz und Maschinenbauer Anto Antunovic, die beiden Kryptogrößen mit den absoluten Insidertipps konnten nicht zahlen. Antunovic bat Anfang Oktober um Zahlungsaufschub. Angeblich sei der "Trade" noch offen. Am 4. Oktober sollte dann endlich die Auszahlung erfolgen. Doch wieder nichts.

Jetzt meldete sich Jürgen Kitz und teilte mit, dass "wegen des Verdachts der Geldwäsche" das Konto gesperrt sei. Seitdem wurde Harry Moser täglich von Anto Antunovic und Jürgen Kitz hingehalten. Geld gab es nicht. Auch seine Einlage ist weg.

Jürgen Kitz und Anto Antunovic sind offenkundig Betrüger: Nicht nur, dass Sie gar nicht traden dürfen, weil ihnen die dafür benötigten Genehmigungen fehlen, jetzt sind Bankenaufsicht und Staatsanwaltschaft eingeschaltet. Sie sollen Licht in den Schwindel bringen. Ein Insider zum :gerlachreport: "Coin.Zone spielt eine Schlüsselrolle im Kryptobetrug."

Die Raiffeisenbank Radenthein, rund 60 Kilometer von Klagenfurt entfernt, wird sich bohrende Fragen gefallen lassen müssen. Wieso werden einer Coin.Zone GmbH 290.000 Euro gutgeschrieben? Wie ist diese Summe verbucht? Welche Kontrollmeldungen hat die Bank abgeschickt, um tatsächlich Geldwäsche und illegale Transaktionen zu unterbinden? Es wird jetzt auch damit gerechnet, dass die Raiffeisenbank nachholt, was sie versäumt hat.

Tatsache ist, dass bei Coin.Zone oder Jürgen Kitz oder Anto Antunovic keine Konten gesperrt waren. Das haben Recherchen vom :gerlachreport ergeben. Antunivoc, der gerne pokert, soll seine Spielschulden bezahlt haben, heißt es in Klagenfurt. Und Jürgen Kitz habe die restliche Summe "in die eigene Tasche gesteckt".

Die österreichischen Behörden haben jetzt die Möglichkeiten, die Geldflüsse zu kontrollieren und dem Betrug von Coin.Zone ein Ende zu bereiten. Harry Moser kann ja dann mal bei der Raiffeisenbank nachfragen, ob die ihm seinen Schaden ersetzt. Bis dahin ist der ehemals reiche Harry Moser ein Mann, der mal eben um 580.000 Euro ärmer geworden ist.

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