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Kryptowährungen

:gerlachreport-Spezial: Der große Bitcoin-Report

Vier grosse Baustellen entscheiden über das Gelingen oder Scheitern

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Die Blockchain-Technologie wird die Finanzbranche umkrempeln wie der Elektroantrieb die Autoindustrie

Wir lesen täglich darüber und wissen doch wenig: Bitcoin und andere Kryptowährungen sind längst Bestandteil unseres normalen Lebensalltags. Es wird Zeit, dass wir mehr erfahren. Das große :gerlachreport-Special: Bitcoin-Report.

Bei vielen Innovationen haben die Menschen anfangs unterschätzt, wie sehr sie später die Welt verändern würden. 1990 glaubte der damalige Telekom-Chef Ron Sommer: „Das Internet ist eine Spielerei für Computerfreaks, wir sehen darin keine Zukunft.“ Ähnlich äußerte sich Ex- Microsoft-Chef Steve Ballmer 2007 über das iPhone. Beide irrten bekanntlich.

Glaubt man Vorträgen und Interviews von Vertretern der Digitalwirtschaft, könnte demnächst wieder so eine digitale Zeitenwende bevorstehen: „Die Blockchain-Technologie wird die Finanzbranche umkrempeln wie der Elektroantrieb die Autoindustrie“, glaubt etwa Philipp Sandner, Leiter des Blockchain Center der Frankfurt School of Finance and Management. Der tschechische Publizist Vít Jedlička geht noch weiter. Er hat auf einer menschenleeren Donau-Sandbank an der kroatisch-serbischen Grenze einen eigenen Staat ausgerufen. Als Präsident der „Freien Republik Liberland“ will er das erste Land auf Blockchain-Basis schaffen.

Überall ist das Blockchain-Fieber ausgebrochen. Auf Branchenkonferenzen wird sie diskutiert, Konzernvorstände belegen Blockchain-Seminare, Mittelständler arbeiten an Pilotprojekten. Und es betrifft die gesamte Wirtschaft. Von der Versicherung über Tourismuskonzerne bis zur Verschiffung von Bananen: Glaubt man den Apologeten der neuen Technik, könnte die Blockchain unsere Welt umkrempeln wie zuletzt das Internet.

Die Blockchain ist eine Datenbank, die aus einer Kette („chain“) von Datenblöcken („block“) besteht. Diese Kette wird dauernd um neue Blöcke erweitert, in denen Transaktionen abgelegt werden. Das Prinzip lässt sich mit einem Buchhalter vergleichen, der täglich alle Überweisungen in einem Netzwerk auf ein Blatt Papier schreibt und dieses abends in einen großen Ordner heftet. Das Blatt Papier wäre der Datenblock, der Ordner die Blockchain.

Welche Informationen dabei in den Datenblöcken gespeichert werden – Bitcoins, Besitzurkunden, Frachtbücher – ist egal.

Ein guter Buchhalter sorgt dafür, dass ein Register fehlerfrei ist und nur tatsächlich durchgeführte Transaktionen verzeichnet. Bei der Blockchain übernimmt ein Abstimmungsmechanismus die Rolle des Buchhalters. Mit seiner Hilfe entscheiden alle Teilnehmer darüber, welche Datenblöcke als ungültig aussortiert und welche als gültig akzeptiert werden. Wie genau Einigkeit unter den Teilnehmern hergestellt wird, unterscheidet sich je nach Blockchain-Anwendung. Beim Bitcoin entscheiden etwa diejenigen, die die größte Rechenleistung besitzen und so die Datenbank am Laufen halten.

Haben die Teilnehmer einen neuen Datenblock überprüft und akzeptiert, wird er an die Kette angehängt. Diese wird also mit der Zeit immer länger.

Der Bitcoin-Flaschenhals

Bei Bitcoin gibt es einen permanenten Rückstau von Zahlungen - der Bitcoin-Flachenhals

Wer eine Revolution plant, darf nicht im kleinen Maßstab denken. Genau das ist aber den Schöpfern des Bitcoins passiert. Ihre Währung sollte eine Alternative zu traditionellen Systemen des Zahlungsverkehrs bilden und zugleich auch zu den klassischen Währungen wie Dollar und Euro. Dieser Anspruch allerdings hat sich inzwischen als völlig absurd herausgestellt. Mit Bitcoin lassen sich weltweit nur rund sieben Transaktionen pro Sekunde bewältigen.



Die Folge ist ein permanenter Rückstau von Zahlungen vor diesem Flaschenhals. Es hat verschiedene Überlegungen gegeben, das System Bitcoin zu verbessern, um es leistungsfähiger zu machen. Bisher ist nicht viel daraus geworden. Möglicherweise bietet Ethereum größere Chancen. Denn während es bei Bitcoins keinerlei zentrale Instanz gibt, hat die Ethereum-Stiftung mit ihrem Vordenker Vitalik Buterin die Möglichkeit, die einmal geschaffene Software gezielt zu verändern und weiterzuentwickeln.

Die Bitcoin-Archillesferse

Bisher sitzen rund 70 Prozent der „Miner“ in China, wo Energie billig ist

Der hohe Energieverbrauch, der beim Schürfen von Bitcoin und Co. anfällt, sorgt für Unmut bei Umweltschützern, Regierungen und Krypto-Kritikern. 2017 ist er um das Achtfache gestiegen. Allein die Herstellung neuer Bitcoin kostet pro Jahr 48,3 Terrawatt-Stunden, das entspricht dem Stromverbrauch Singapurs oder Portugals. Beim Bitcoin konkurrieren die Schürfer um die Erlaubnis, einen Block an die Blockchain anzuhängen. Dazu müssen sie komplizierte Rechenaufgaben lösen, werden am Ende mit Bitcoins belohnt. Je mehr Schürfer teilnehmen, desto mehr Energie wird verbraucht. 



Bisher sitzen rund 70 Prozent der „Miner“ in China, wo Energie billig ist. Peking will sie loswerden. Nun suchen die Produzenten neue Standorte mit günstiger, aber nachhaltiger Energie, etwa Island oder Kanada. Ethereum-Gründer Vitalik Buterin arbeitet zudem daran, das Schürfen energiesparender zu machen. Die Macht im Netzwerk soll sich nicht mehr danach bemessen, wer die größte Rechnerleistung vorhält, sondern daran, wer die meisten virtuellen Münzen besitzt (Fachkreise sprechen vom „Proof-of-Stake“- statt vom „Proof-of-Work“-Konzept).

Die Bitcoin-Regulierung

In den USA gibt es aber bereits Sondereinheiten, die sich mit Kryptowährungen und ICOs beschäftigen

Lange florierte das Blockchain-Universum in den Weiten des Webs. Doch jetzt ziehen Regulierer überall auf der Welt die Daumenschrauben an. Die Krypto-Welt steht im Verdacht, sich der Kontrolle durch Finanzamt und Behörden zu entziehen und die Finanzstabilität zu gefährden. Agustín Carstens, Chef der Bank für Internationalen Zahlungsausgleich (BIZ) schimpfte Anfang Februar in Frankfurt, der Bitcoin sei eine „Mischung aus Blase, Schneeballsystem und einem Desaster“.



Noch haben Notenbanken und Regulierungsbehörden kein Patentrezept, um mit den neuen Blockchain-Produkten umzugehen. In den USA gibt es aber bereits Sondereinheiten, die sich mit Kryptowährungen und ICOs beschäftigen. China geht noch energischer vor, so musste die zwischenzeitlich größte Bitcoin-Handelsplattform BTC China Ende 2017 ihr Geschäft einstellen. Auch Südkorea hat in den Handel eingegriffen und Börsenplattformen durchsuchen lassen. Die Zukunft wird zeigen, ob es der Blockchain-Szene gelingt, sich mit den Aufsehern auf Standards zu einigen. Sonst droht das Abrutschen in die Illegalität. 


Der kriminelle Bitcoin-Abgrund

Wenn Hacker die privaten Zugangscodes der virtuellen Kontobesitzer herausbekommen, können sie nach Belieben über die dort verwahrten Münzen verfügen

Einige Nutzer machen aus ihren dunklen Absichten keinen Hehl. So dienen Bitcoins vielen Kriminellen als Bargeldersatz. Hacker und Erpresser müssen heute keine Koffer voller Banknoten mehr in Empfang nehmen. Und Drogenhändler sind nicht mehr darauf angewiesen, auf der Straße zu arbeiten: Sie können die Ware im Paket verschicken und sich per Bitcoin bezahlen lassen. Berühmt-berüchtigt war die Plattform „Silk Road“, deren Gründer in New York zu einer lebenslangen Haftstrafe ohne Bewährung verurteilt worden ist. 



Die elektronischen Münzen und bei ICO ausgegebenen Tokens machen auch Geldwäsche einfach. Wegen der starken Wertschwankungen ist es leicht, zu behaupten, große Summen seien bei Spekulationsgeschäften entstanden. Hinzu kommt, dass auch innerhalb der virtuellen Währungswelt immer wieder Millionen-Raubzüge passieren. Zwar ist die Blockchain-Datenbank, in der alle Zahlungen registriert werden, fälschungssicher. Aber wenn Hacker die privaten Zugangscodes der virtuellen Kontobesitzer herausbekommen, können sie nach Belieben über die dort verwahrten Münzen verfügen. Das Treiben bei Bitcoin und Co. gefährdet so auch den Ruf der Blockchain in anderen Branchen.

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Hier ist ein Beweis dafür, dass in einer Behörde, Organisation oder einem Verband gemauschelt, getrickst und getäuscht wird.

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