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Stephan Welk

Falscher Diplomatenpass: Boris Becker ist geleimt

Er hat auch der Führungsriege von OneCoin für deren Flucht Diplomatenpässe besorgt

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Der Diplomatenpass von Boris Becker ist nach Aussage des Außenministers eine Fälschung: Er habe den Ausweis nicht unterschrieben, obwohl er seine angebliche Unterschrift trägt

Der 51jährige Stephan Welk ist ein Betrüger. Sein Doktortitel ist ebenso falsch wie sein Professorentitel. Jetzt hat er das deutsche Tennisidol Boris Becker geleimt - mit einem gefälschten Diplomatenpass. Jetzt kam heraus: Welk hat auch andere Personen mit gefälschten Diplomatenpässen „geholfen“ - unter ihnen nahezu die gesamte Führungsriege des betrügerischen OneCoin-Netzwerkes.

Stephan Welk, der angebliche „Diplomat“, spielt aber auch an anderer Stelle noch zahlreiche unrühmliche Rollen: Nach geheimen Unterlagen, die :gerlachreport zugespielt wurden, ist Welk einer der führenden Köpfe im Milliardenbetrug um OneCoin und steckt tief in den Kursmanipulationen bei Bitcoin. Er ist nach Aktenlage einer der Köpfe des verbrecherischen Pyramidensystem Optioment und neuerdings auch bei Nexus Global. :gerlachreport wird über diese Sachverhalte gesondert berichten.

Tatsache ist: Mit seinem Diplomatenpass ist er vor der Strafverfolgung nahezu komplett geschützt.

Jetzt kam heraus: Der Diplomatenpass von Boris Becker ist offenbar tatsächlich nicht echt: „Es handelt sich um eine Fälschung“, sagt der Außenminister der Zentralafrikanischen Republik (ZAR) Charles-Armel Doubane. Die Deutsche Welle hatte Doubane zuvor ein Foto der Passkopie geschickt.

In gereiztem Ton erklärte der Außenminister daraufhin auf Nachfrage: „Hören Sie, das bereitet mir kein Vergnügen. Ich meine es ernst! Ich kenne meine Unterschrift.“

Der Pass ist laut offizieller Darstellung der Zentralafrikanischen Republik nicht nur eine Fälschung. Er weist Boris Becker offenbar auch eine ganz andere Aufgabe zu: die eines Attachés für Finanzen. Während Becker sich bislang darauf berief, Sonderattaché der ZAR für Sport und kulturelle Angelegenheiten bei der EU zu sein.

Becker hatte gehofft, mit einem Diplomatenstatus Immunität zu erlangen und so das gegen ihn laufende Insolvenzverfahren in Großbritannien zu beenden. Die einstige Tennisikone wäre schuldenfrei gewesen. Aber Insolvenzverwalter Mark Ford beklagte mangelnde Kooperationsbereitschaft und stellte einen Antrag auf Verlängerung des Verfahrens. Ein britisches Gericht hat dem inzwischen zugestimmt. Die juristischen Auseinandersetzungen sind für Becker also noch nicht ausgestanden.

Becker war nach eigener Aussage von der Zentralafrikanischen Republik (ZAR) zum Attaché für Sport, humanitäre und kulturelle Fragen bei der EU ernannt worden. Das bestätigte auch Daniel Emery Dede, EU-Botschafter der ZAR, in einem Interview: „Ich bestätige, dass Boris Becker über einen zentralafrikanischen Diplomatenpass verfügt. Ich bestätige auch, dass er auf eigene Kosten arbeitet. Wir haben kein Geld, um ihn zu bezahlen. Er ist Attaché in der Botschaft in Belgien, um der Zentralafrikanischen Republik aus ihrer Krise nach dem Bürgerkrieg zu helfen.“

Doch dem widersprach der Außenminister der Zentralafrikanischen Republik postwendend. Charles-Armel Doubane: „Ich habe noch kein wie auch immer geartetes offizielles Dokument unterschrieben, das es Boris Becker erlauben würde, sich zentralafrikanischer Diplomat zu nennen, auch wenn ihm bei unserem Brüssel-Besuch versprochen wurde, dass er Attaché werden könnte. Doch bis zum jetzigen Moment habe ich kein Dokument der zentralafrikanischen diplomatischen Autoritäten unterschrieben, also des Präsidenten der Zentralafrikanischen Republik, und auch nicht des Außenministeriums, dem ich vorstehe.“

Pikant: der vermeintliche Diplomatenpass Beckers trägt die Unterschrift eben jenes Außenministers Doubane. Doch der bestritt von Beginn an, das Dokument ausgestellt zu haben: „Ich habe Herrn Boris Becker nie einen Diplomatenpass ausgestellt.“

Stephan Welk, der dubiose Betrüger, ist inzwischen in Hongkong. In der Zentralafrikanischen Republik selbst ist bislang kaum etwas über die Pass-Posse bekannt. Die Regierung behandelt den Fall diskret, die Medien des Landes haben das Thema noch nicht aufgegriffen. Schließlich gilt Becker als Freund von Präsident Faustin Archange Touadéra.

Wäre Becker schon einmal nach Zentralafrika geflogen, hätte er einen weitgehend instabilen, immer wieder von heftigen ethnischen und religiös motivierten Kämpfen erschütterten Staat vorgefunden: Auf dem globalen Entwicklungsindex liegt es auf dem letzten Platz von 188 erfassten Staaten.

Stephan Welk (li) ist nach vorliegenden Unterlagen einer der Köpfe des Betrugsnetzwerkes OneCoin. Die Führungsriege soll er vor dem Zugriff der Polizei mit Diplomatenpässen versorgt haben - Boris Becker soll ihn für den gefälschten Pass bezahlt haben

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