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OneCoin

Exklusiv: Der irre Aufstieg der Crypto Queen · Teil 5

Teil 5: „Ich bin hier der Hauptdarsteller“ - Einsichten eines Betrügers

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Juha Parhiala, Dr. Ruja Ignatova und Sebastian Greenwood - das sind die Gesichter des Betrugsnetzwerkes von OneCoin/OneLife. Aber auch sie sind wohl nur Marionetten

Christopher Stone ist ein kleines Licht, ein kleiner Investor. 2014 steckt er rund 6.000 Euro in diese neue Wunderwährung mit dem Namen OneCoin. Als US-Aussiedler in Bangkok ist der Name Dr. Ruja Ignatova für ihn eigentlich ohne große Bedeutung, fast so etwas wie Schall und Rauch. Aber das ändert sich bald: Er trifft in dieser Stadt, in der weiße Menschen schnell auffallen, auf den dicken, rundgesichtigen Juha Parhiala. Ein lustiger Mann mit der Aura eines Preisboxers, der mindestens einmal am Tage seine Huren zusammenschlägt.

Parhiala ist tatsächlich der Zuhälter im System OneCoin. Mit Gold behangen und weit entfernt von jeder Selbstkritik, überflutet der Mann soziale Netzwerke wie Facebook mit den verlockenden Verkaufsangeboten von OneCoin. Er verspricht das Blaue vom Himmel, mit der nötigen Investition wird jeder zum Millionär und Juha kann sich noch ein paar neue Goldketten und eine neue Uhr leisten.

Christopher Stone und Juha Parhiala werden Freunde. Und Stone wird in die Geheimnisse des kriminellen Netzwerkes eingeführt. Bei edlen Drinks, sauteurem Champagner und Edelnutten wird er der Statthalter Bangkok.

Der Überzeugungstäter, wenn OneCoin-Investoren kommen: Stone hantiert mit Juhas Kreditkarte, wirft mit dem Geld um sich und gibt im Namen von OneCoin Tausende von Dollar aus. So sind die Parameter der erfolgreichen Kryptobetrüger. Und das Schlimme: Die meisten sind auf diesen Budenzauber dieser Knallchargen auch noch reingefallen und haben ihr Erspartes an den Mann gebracht. Denn kein Euro ist durch ehrliche Arbeit verdient worden.

Sebastian Greenwood - bis heute halten sich Gerüchte, dass er der eigentliche Kopf von OneCoin ist. Seine Beziehungen reichen weit in die bulgarische Regierung und zur Mafia

Zu dem Duo stößt ein Dritter: Sebastian Greenwood. Er ist der Mann an der Seite von Dr. Ruja Ignatova. Währen die beiden Männer Christopher und Juha als „Master Distributoren“ und „Top-Recruiter“ in der Pyramide ganz oben stehen, hat Greenwood eine andere Aufgabe: Bis Ende 2015 unterzeichnet Sebastian Greenwood persönlich im Namen von OneCoin die Propagandabriefe an alle Mitglieder des Netzwerks. Bis heute gibt es nicht wenige, die sagen, dass er der Kopf in diesem globalen Betrugsnetzwerk ist. Beweise sind rar. Indizien weisen darauf hin: Wenn Dr. Ruja Ignatova oder Sebastian Ian Greenwood mit einem sensiblen Fall zu tun haben, wenn sie per E-Mail auf verärgerte Anleger antworten, die umgehend Schadenersatz fordern, achten beide darauf, dass der andere eine Kopie erhält. Sie haben voreinander Respekt. Wohl auch, weil niemand weiß, welche Beziehungen und Kontakte schaden könnten.

Ignatova und Greenwood kennen sich seit mindestens 2013, also der Zeit nach der Rückkehr der Krypto Queen von Deutschland nach Sofia und nach Dubai. Beide sind die Köpfe des OneCoin-Abenteuers. Unterschiedliche Quellen bestätigen, dass „es immer die beiden waren, die die Entscheidungen getroffen haben.“ Andere sagen hinter vorgehaltener Hand: „Greenwood war der Boss von Dr. Ruja Ignatova.“

Ist das der Fall, wäre auch die Verbindung zur bulgarischen Regierung wieder hergestellt. Sebastian Greenwood, so recherchierte :gerlachreport, hat enge Beziehungen zum bulgarischen Investmentfonds „CSIF“ und seiner damaligen Chefin Tsvetelina Borislavova. Sie war die Lebensgefährtin und Geliebte von Bojko Borissov, dem zukünftigen Premierminister und damaligen Polizeichef. Damit wäre am Ende auch die Verbindung zwischen dem Betrugsnetzwerk OneCoin/OneLife und der Mafia nachgewiesen.

Dr. Ruja Ignatova und Juha Parhiala bei einer der zahlreichen Veranstaltungen. Juha hat sich eine Bar gekauft, Raja ist abgetaucht. Und die Gerüchteküche produziert täglich neue Gerichte

Im Januar 2016 reist Juha Parhiala für eine mehrtägige Werbetour nach Dubai. Diese Reise ist einer kleinen Gruppe von Top-Führungskräften von OneCoin vorbehalten. Ein Teilnehmer berichtet: „Juha machte wieder einen auf dicke Hose und prahlte fröhlich mit seinen Ausgaben. Er zog Rechnungen für über 30.000 Euro aus der Tasche. Geld, das er am Vorabend in der Innenstadt verblasen hatte.“ Natürlich will jeder, der mit OneCoin zu tun hatte wissen, wie alles begann. Und auch hier ist Prahlhans Juha der richtige Ansprechpartner. „Ich bin hier der Hauptdarsteller“ schwadroniert er, „ich habe das gesamte OneCoin-System eingerichtet. Ich bin hier der Hauptdarsteller.“

Irgendwie rückt er dann später von dieser Darstellung ab, als er danach gefragt wird, ob genau diese Aussagen auch so getroffen wurden. Schmallippig sagt er dann: „Die Schöpfer von OneCoin sind Ruja Ignatova und Sebastian Greenwood“. Letzterer hätte ihn auch nur rekrutiert, um „das Netzwerk aufzubauen“. Damit ist er dann auch wieder auf der offiziellen Linie.

Er betont zudem, dass ihn niemand zu der Tätigkeit gezwungen habe. „Es war eine freiwillige Arbeit“, sagt er: „Meine Vergütung kam aus den Verkaufsprovisionen, die ich für den Aufbau des Netzwerks erhielt. Ich habe in der Branche das meiste Geld verdient. Wegen meiner Verkaufs- und Rekrutierungsfähigkeiten."

Auch heute will er die Summen nicht nennen, die er eingesackt hat. Aber Statistiken sprechen von einem Einkommen, das in der MLM-Branche die Spitze bedeutet. Vier Millionen Euro im Monat wird in der Branche kolportiert und nicht dementiert.

Juha Parhiala weist sämtliche Schuld an einem Scheitern oder dem Zusammenbruch von OneCoin weit von sich: „Sebastian Greenwood und die Leute, die um Dr. Ruja Ignatova gearbeitet haben, kontrollierten das Unternehmen und haben die meisten Gewinne eingestrichen.“

Welche Gewinne aus welchem Geschäft? „Dazu kann ich nichts sagen.“ Juha Parhiala und alle anderen OneCoin-Keuler fliegen weit unter dem Radar der internationalen Ermittler.

Dr. Ruja Ignatova zahlt den Preis für ihre Prominenz. Wohl auch deshalb ist sie komplett von der Bildfläche verschwunden. Mit der von Deutschland aus koordinierten Razzia gegen das Betrugsnetzwerk in Sofia und der Zerschlagung der technischen Infrastrukturen war das Ende von OneCoin besiegelt.

Jetzt wundern sich die Millionen Anleger und Betroffene, wie sie ihr Geld wiederbekommen sollen. Wo vor allem. Die kleinen Vermittler, die am Ende der OneCoin-Nahrungskette gestanden haben, können die horrenden Forderungen nicht bedienen. Wie und ob sie auch noch in die Fänge der Justiz geraten ist derzeit völlig offen.

Das Geld ist weg.

Belize: Hier hat Dr. Ruja Ignatova versteckte Konten. Aber hat sie sich auch hier versteckt? Gerüchte besagen das - wir werden es herausfinden. Das ist ein Versprechen

Oder auch nicht: Enge Mitarbeiter und Mitstreiter von Dr. Ruja Ignatova sind ratlos. Gerüchte machen die Runde: Sie sei abgetaucht, würde ihr Äusseres verändern, habe sich einer Schönheitsoperation unterzogen, sei von der Mafia beseitigt oder tödlich verunglückt.

Wenn sie noch lebt und den Fängen der bulgarischen Mafia tatsächlich entkommen ist, wird sie uns irgendwann, irgendwo, komplett verändert, auf der Strasse entgegenkommen und wir werden sie nicht mehr erkennen. Sie wird auch keine neuen Schweinereien ausbrüten, denn sie hat Geld genug. Vielleicht hat sie auch von den Bühnenauftritten, Scheinwerfern und donnernden Applausen die Nase voll. Eine Mutter lebt ein ganz normales Leben.

In diesem Moment träumen andere von einer Szene wie aus dem Film. Eine schwarzhaarige Frau liegt im feuchten Rinnstein einer Strasse. Mit einem Loch im Kopf. Die 9mm-Kugel hat ihren hinteren Schädel zerschlagen. Im Polizeibericht taucht dann irgendwann, vielleicht, ein Hinweis auf: So starb die Krypto-Queen.

Ende.

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