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Exklusiv: Das Mafia-Netzwerk von OneCoin · Teil 3

Teil 3: Dr. Ruja Ignatova wird in Augsburg wegen Betrugs verurteilt

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Das Gusswerk Waltenhofen wurde von Dr. Ruja Ignatova in den Konkurs getrieben - nachdem sie und ihr Vater eine Million Euro unterschlagen hatten. Das gab eine Haftstrafe von 14 Monaten - auf Bewährung

Irgendwann im Jahr 2010 endet dann, zumindest offiziell, die Zusammenarbeit zwischen Dr. Ruja Ignatova und Tsvetelina Borislavova. Doch sie bleiben weiterhin so eng verbunden, dass Borislavova bis heute offiziell dazu keine Stellung nehmen will. In Sofia wird heftig darüber spekuliert, ob Tsvetelina Borislavova und Bojko Borissov an OneCoin beteiligt sind. :gerlachreport hatte ja bereits darüber berichtet, dass die Mafia das Betrugsnetzwerk übernommen hat. Nach den jüngsten Recherchen hatten sich diese Angaben bestätigt.  Jetzt klingt alles noch plausibler und überzeugender. Denn es geht um das ganz große Geschäft.

Wie es dann aber zu dem Bruch im Lebensweg der Dr. Ruja Igantova gekommen ist, bleibt ein großes Fragezeichen. Von der angeblich erfolgreichen Managerin in Bulgarien und den starken Beziehungen in Regierungsebenen verschlug es die spätere Krypto-Queen in die Niederungen des deutschen Mittelstandes. Es geht um ein Gusswerk in der Kleinstadt Waltenhofen. Heute darf weidlich darüber spekuliert werden, ob dieses Gusswerk nicht an ganz anderer Stelle eine wichtige Rolle spielen sollte - als Geldwaschanlage der bulgarischen Mafia. es kann aber auch sein, dass es schlicht eine „Strafmission“ war - ähnliches gibt es auch bei Sekten.

Im Mai 2010 berichtete die Lokalpresse der bayerischen Kleinstadt Waltenhofen, dass Plamen Ignatov und seine Tochter Dr. Ruja Ignatova die Leitung von Gusswerks Waltenhofen, einem bankrotten Metallbetrieb, übernommen haben. Sie entlassen 50 der 135 Mitarbeiter, versprechen aber, das Produktionsvolumen des Werkes auf mehr als 50% des Wertes vor der Krise von 2008 zu halten. Wahrscheinlich wäre der Plan vollständig aufgegangen, wäre den Arbeitern des Gusswerkes nicht schon am Anfang die ganze Sache komisch vorgekommen. Man schaute bei Vater und Tochter genau hin.

Anderthalb Jahre später geht dem Gusswerk die Luft aus: Konkurs. Die restlichen 85 Mitarbeiter verlieren Einkommen, Zukunft und Hoffnung. Am 15. März 2012 demonstrierte ein Viertel der ehemaligen Mitarbeiter vor dem Haus von Plamen Ignatov und Dr. Ruja Ignatova. Nach Angaben der Gewerkschaften haben Vater und Tochter eine Million Euro in die eigene Tasche gewirtschaftet, bevor er das Unternehmen absichtlich in die Insolvenz geschickt wurde (:gerlachreport berichtete). Dr. Ruja Ignatova wurde wegen Veruntreuung von Geldern angeklagt. Die Staatsanwaltschaft ließ Anklage gegen die Zusage der Ignatovs fallen, Geschädigte zu befriedigen.

Vor dem Amtsgericht in Augsburg lügt Dr. Ruja Ignatova derartig dreist, dass es eigentlich hätte auffallen müssen. Doch die Richterin war gnädig. Wegen der positiven Sozialprognose gab es nur 14 Monate auf Bewährung und eine Geldstrafe

Dr. Ruja Ignatova ist in 23 Fällen angeklagt. Ihr wird vorgeworfen, Lieferanten um 120.000 Euro betrogen zu haben. Sie gesteht. Sie wird zu 14 Monaten Haft auf Bewährung und einer Geldstrafe von 18.000 Euro verurteilt. Offiziell hat sie ein Einkommen von rund tausend Euro, gibt an, von einem Mann abhängig zu sein. Das Gericht glaubt ihr.

Ihr Vater, getarnt als „technischer Berater“ bekommt eine Geldstrafe von 12.000 Euro. Das Urteil wird nach seiner Verkündung rechtskräftig. Es ist mild und steht unter dem besonderen Zeichen, dass Dr. Ruja Ignatova eine positive Sozialprognose erteilt wird. Es ist der bayerische Treppenwitz unter Juristen, dass die Frau, die zu diesem Zeitpunkt bereits den globalen Kryptobetrug plante, mit einem Lächeln davon kam.

Und bis heute ist nicht geklärt, was diese Episode eigentlich sollte. Kaum hatten sich die Türen des Gerichtes geschlossen, war Dr. Ruja Ignatova mitten im Krytogeschäft.

Während bereits am Betrugssystem OneCoin geschneidert wird, bastelt sie an einem mehrstufiges Bitcoin-Verkaufssystem. Das kann man auch Multi-Level-Marketing nennen. Bis heute wird vom Betrugsnetzwerk OneCoin/OneLife bestritten, dass es sich um ein MLM-Pyramidensystem handelt.

Das Team besteht bereits zu diesem Zeitpunkt aus mehreren Führungskräften des künftigen OneCoin-Netzwerkes. Es erblickt 2014 das Tageslicht. Weitere Spezialisten für mehrstufige Vertriebssysteme kommen dazu. Zu den Top-Recruitern gehört Thomas E. Mcmurrain, der 2005 wegen eines ähnlichen Betrugs zu siebeneinhalb Jahren Gefängnis verurteilt wurde. Dank seines Know-hows und der ausgeklügelten Propaganda kommt der Erfolg von OneCoin beinahe über Nacht.

Rauschende Feste, perfekte Inszenierungen - die Heilsbringerin als Botschafterin einer neuen Welt: Dr. Ruja Ignatova wurde und hat sich perfekt inszeniert. Jeder Auftritt hat ihr Millionen gebracht

Um die neue Wunderwährung OneCoin zu lancieren, wird Dr. Ruja Ignatova zur Jet-Setterin. Weltweit finden Veranstaltungen statt, die nur ein Ziel haben: Das gigantische Betrugssystem schnell, effizient und erfolgreich zu machen. Die Berufsverbrecher wissen, dass ihnen für den großen Coup maximal zwei, drei Jahre bleiben. Dann müssen die Märkte leergefegt sein. Die Heuschrecken machen sich an die Arbeit.

Auf den fünf Kontinenten werden gigantische OneCoin-Raubzüge organisiert. Es erinnert an eine Religion, eine Sekte, eine neue Glaubensgemeinschaft. Manchmal sind mehr als 10.000 Teilnehmer versammelt. Sie eint der Glaube an die Betrügerin Dr. Ruja Igantova und die Gier nach dem schnellen Geld. Auf der Bühne sorgt „Dr. Ruja“, wie sie liebevoll von ihren Gläubigen genannt wird, in der Manier eines Televangelisten, für die perfekte Show.

Hier sitzen mit feuchten Händen und sabbernden Mündern die Geldgeilen und warten auf die Heilsbringerin, die jede Bewegung, jede Geste, jeden Auftritt bis ins detail einstudiert und geplant hat. Noch heute kann man auf YouTube die Videos des einzigartiges, fast schon widerlichen Spektakel sehen. Alles ist durchdacht, vom Klang bis zum Licht. Alles nur Show. Ablenkung von den wesentlichen Fragen und den Zweifeln, die ein normal denkender mensch bei derartigem Brimborium eigentlich stellen müsste. Denn eigentlich geht es ja nur ums Geld.

Aber es geht um viel mehr.

Lesen Sie morgen den 4. Teil über das kriminelle Netzwerk der Dr. Ruja Ignatova

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