Diese Seite verwendet Cookies.

Mehr erfahren

OneCoin

Exklusiv: Das Mafia-Netzwerk von OneCoin · Teil 2

Teil 2: Dr. Ruja Ignatovas enge Verbindung zu Taki, dem Koks-König von Bulgarien

Zurück

Das OneCoin-Hauptquartier in Sofia: Schaltstelle und Treffpunkt für einen einzigartigen globalen Betrug. Bis zu 60 Mitarbeiter haben hier gearbeitet

Fasziniert von diesen Luxusakquisitionen einer in Bulgarien unbekannten Frau, schickte die Hauptstadtzeitung den Reporter Nickolay Stoyanov zu einem Interview mit Dr. Ruja Ignatova. Von diesen undurchsichtigen Geschäften und der Geldwäsche wusste er zu diesem Zeitpunkt noch nichts. Das erste Zusammentreffen ist von Bescheidenheit geprägt. Ein unauffälliges Büro in einem normalen Wohnhaus.

Sie ist selbstbewusst, drückt sich klar aus und die Diplome an den Wänden signalisieren, dass es sich um erfolgreiche Geschäftsfrau handelt. Stoyanov erinnert sich: „Sie hatte die Situation und das Interview immer völlig unter Kontrolle. Sie spielte das Spiel der respektablen und respektierten Geschäftsfrau.“

Im Interview präzisiert sie ihre Ziele: Das Restaurant „Krim“ wird der persönliche Wohnsitz. Das Hotel in der unmittelbaren Nähe der Volksversammlung wird „zum Schaufenster für One Coin in Bulgarien“ ausgebaut. In einem Nebensatz erwähnt sie, dass One Coin in Bulgarien „nicht vermarktet wird, um Interessenkonflikte zu vermeiden.“ Welche das sein könnten, verschweigt sie.

Doch Dr. Ruja Ignatovas Pläne ändern sich: Der Slaveykov-Platz ist zehn Minuten von der Nationalversammlung entfernt. Mitten im Herzen des Einkaufsviertels, zwischen einem Schuhgeschäft und einem Optiker, gegenüber einem großen Touristenmarkt, steht ein weißes und verglastes Gebäude. Über den Flügeltüren befindet sich das OneCoin-Logo. Geschätzte Kosten der Operation: Zwei Millionen Euro.

Im April 2016 wird der „Hauptsitz des Unternehmens“ eingeweiht, in dem „alle Teams und die Marketingabteilung“ tätig sind. Unterlagen sprechen von 60 angemeldeten Mitarbeitern. Die Medien sind zur Veranstaltung nicht eingeladen. Längst machen kritische Berichte die Runde. OneCoin versucht mit massiven Einsatz von Rechtsanwälten die öffentliche Meinung und investigative Berichte zu unterdrücken.

Das Erdgeschoss ist für die Öffentlichkeit zugänglich. Journalisten, die unangemeldet auftauchen, werden mit dem Hinweis des Haurechts aus den Gebäude geworfen. „Presse hat hier nichts zu suchen“, sagt der Pförtner. Alternativ bietet er an, ein Buch via Dr. Ruja Ignatova zu kaufen - sogar in Englisch.

Auch bei diesem Gebäude sind weder OneCoin noch Dr. Ruja Ignatova die direkten Käufer. Es ist immer das selbe Bild: eine bulgarische Firma, ein Unternehmen im Emirat, dann wieder zwei weitere bulgarische Unternehmen und am Ende: Veska Ignatov. Insgesamt hat der Ignatova-Clan allein in Sofia mehr als elf Millionen Euro Grundbesitz angehäuft. Nichts davon ist aus Eigenmitteln erworben. Der gesamte Besitz stammt aus Anlegergeldern.

Taki (li), der Koks-König von Bulgarien ist ein enger Vertrauter und Geschäftspartner von Dr. Ruja Ignatova. Steckt er hinter ihrem verschwinden?

Aber es gilt, Spuren zu verwischen: Zu Beginn des Jahres 2017 werden die drei Mantelgesellschaften, die Immobilien-Objekte in der Hauptstadt halten, am selben Tag und im selben Notariat den neuen Besitzern übertragen. Für die Familie Ignatov unterschreibt Rechtsanwalt Viktor Rashev. Zu den anderen Kunden dieser Mafia gehört Taki, der eigentlich Hristoforos Amanatidis heißt. (:gerlachreport bereichtete) Taki ist auch als „Kokain-König“ bekannt.

Dr. Ruja Ignatova und Taki teilen sich nicht nur einen Steuerberater....

Schwarzes Meer: 2016 übernahm Ignatova über die Tarngesellschaften ein Anwesen in der Nähe des Badeortes Nessebar. Das elf Hektar große Grundstück, das früher im Besitz des Verteidigungsministeriums war, wird auf mehr als acht Millionen Euro geschätzt. Ignatova bezahlte nach den vorliegenden geheimen Unterlagen aber nur 2,5 Millionen Euro.

Kaum einen Monat später wird die Immobilie, bevor alle Eintragungen durchgeführt sind, von OneCoin für sechs Euro (in Worten: sechs Euro) an eine von Ignatovas Mantelgesellschaften verkauft und 6,5 Millionen Euro gewaschen - Gelder von Anlegern und Investoren.

Insgesamt, in etwas mehr als einem Jahr, kaufen und verkaufen die Mantelgesellschaften von Dr. Ruja Ignatova die Immobilie dreimal und verlieren dabei „offiziell“ in jeder Phase Geld.

Nickolay Stoyanov enthüllt, dass diese Transaktionen, völlig losgelöst vom Wert der Immobilie, alle glücklich macht: Boryana Shechtova, die offiziell einen Gewinn von fast sechs Millionen Euro erzielt, darf sich am Ende ebenfalls freuen: Boryana Shehtovas Ehemann ist niemand anderes als der „Kokain-König“ Taki, dessen Hochburg Nessebar ist.

Taki gilt in der osteuropäischen Presse als der „größte Kokainhändler in der Geschichte des Landes“: Im Jahr 2009 wurde er vom bulgarischen Innenministerium beschuldigt, der Anführer der „Hammerbande“ zu sein, die für ihre Folter und Barbarei bekannt ist. Bevor die Polizei ihn schnappen konnte, „verbannte er sich selbst“: Im Jahr 2012 wurde er von Interpol in Dubai gefangen genommen und an Bulgarien ausgeliefert. Übrigens: Die OneCoin-Unternehmung dort gehört ihm - zusammen mit Dr. Ruja Ignatova.

Drei Jahre später werden „aus heiterem Himmel“ sämtliche Anklagepunkte aus „Mangel an Beweisen“ fallen gelassen. Ignatovas Anwalt Viktor Rashev versichert, dass weder Taki noch seine Partner in das One Coin-Geschäft involviert sind - doch das alles stinkt zum Himmel. Jedoch hoch genug, um auch in der Regierung angekommen zu sein.

Mafia-Boss, Polizeichef, Premierminister: Bojko Borissov und seine Geliebte Tsvetelina Borislavova: Sie ist die ehemalige Arbeitgeberin von Dr. Ruja Ignatova

In der Galaxie der Geschäftsfrau Dr. Ruja Ignatova gibt es einen Mitspieler, der ebenso beunruhigend wie mächtig ist: Der bulgarischen Premierminister Bojko Borissov.

Nach vorliegenden Unterlagen ist Ruja Ignatova in den Jahren 2009 und 2010 für das „Economic Management“ einer Tochtergesellschaft des größten Investmentfonds des Landes, „CSIF“, verantwortlich. Chefin hier: Tsvetelina Borislavova. Sie ist die Lebensgefährtin und Geliebte von Bojko Borissov, dem zukünftigen Premierminister und damaligen Polizeichef.

Aus mehreren CIA-Dokumenten ergibt sich, dass bei Tsvetelina Borislavova hinter dem schönen Gesicht „kriminelle Aktivitäten“ verstecken, die sogar internationale Geheimdienste beschäftigen: „Informationen aus unseren Diensten bestätigen tendenziell, dass Tsvetelina Borislavova im Namen der organisierten Kriminalität in großem Stil Geldwäsche betreibt.“

Mehr noch: Die ehemalige Arbeitgeberin der Dr. Ruja Ignatova und ihr Lebensgefährte Bojko Borissov werden nach Recherchen der verschiedenen US-Geheimdienste des Handels mit Methamphetaminen, der Erpressung, der Geldwäsche und der Deckung des organisierten Verbrechens beschuldigt. Bereits 2005 schreibt der in Sofia stationierte US-Botschafter in einem vertraulichen Brief an die damalige US-Außenministerin Hillary Clinton: „Jedes Land hat seine Mafia, aber in Bulgarien hat die Mafia ein Land.“

Lesen Sie morgen den 3. Teil über das kriminelle Netzwerk der Dr. Ruja Ignatova

Zurück

The next big story

Haben Sie die nächste große Geschichte?

Möchten Sie diese mit dem :gerlachreport teilen?

Wir bieten Ihnen viele Möglichkeiten, sich mit unseren Journalisten in Verbindung zu setzen und Materialien zu liefern. Kein Kommunikationssystem ist völlig sicher, aber unsere Möglichkeiten werden helfen, Ihre Anonymität zu schützen.

Bitte senden Sie keine Rückmeldungen, Story-Ideen, Pitches, Leserbriefe oder Pressemitteilungen über diese Kanäle.

Für eine allgemeinere Korrespondenz nutzen Sie bitte unsere regulären E-Mail-Adressen.

Ihr sicherer Kontakt

Neben unseren regulären E-Mail-Adressen haben wir für vertrauliche Nachrichten und Mitteilungen ein Postfach eingerichtet, das über Pretty Good Privacy (PGP) verfügt und absolut sicher ist:

redaktion.dta@protonmail.com

Bitte hinterlassen Sie auf jeden Fall eine Telefonnummer. Wir rufen Sie innerhalb kürzester Zeit zurück.

E-Mails an die Redaktion oder Chefredaktions-Adresse werden durch die Sicherheitsabteilung überprüft. Es kann vorkommen, dass für die Verifizierung des Absenders ein Personennachweis angefordert wird, wenn der Verdacht einer Identitätsfälschung vorliegt oder vorliegen könnte.

Was ist ein guter Tipp?

Ein starker News-Tipp hat mehrere Komponenten.

Die Dokumentationen oder Nachweise sind wichtig.

Spekulationen können spannend sein. Verdächtigungen oder Behauptungen, die einer Überprüfung nicht standhalten, sind es nicht.

Eine guter Nachrichten-Tipp beschreibt ein klares und verständliches Problem. Die Suche nach Hilfe, weil großer Schaden oder Leid angerichtet wurden. Falsche Verdächtigungen helfen niemandem und führen nicht zu einer Veröffentlichung.

Aber lassen Sie sich nicht abschrecken. Manchmal ist ein kleiner Hinweis das fehlende Puzzlestück in einem gesamten Themenkomplex, der von uns ohnehin bearbeitet wird. Besonders wichtig: Hinterlassen Sie bitte eine Kontakt-Telefonnummer.

Gute Tipps sind:

Hier ist ein Beweis dafür, dass in einer Behörde, Organisation oder einem Verband gemauschelt, getrickst und getäuscht wird.

Hier ist der Beweis dafür, dass Anlegergelder falsch oder illegal benutzt werden.

Hier ist der Beweis, dass betrogen, unterschlagen oder veruntreut wird.

Hier ist der Beweis für Täuschung, falsche Versprechen und üble Abzocke.

Wir kontrollieren alle Nachrichten regelmäßig, können aber nicht versprechen, dass jeder Informant umgehend eine individuelle Antwort erhält.

Sämtliche Kommunikation unterliegt der strikten Vertraulichkeit.