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OneCoin

Exklusiv: Das Mafia-Netzwerk der Dr. Ruja Ignatova

Teil 1: OneCoin ist der größte planetarische Betrug der jüngeren Geschichte

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Dr. Ruja Ignatova und ihre Führungsleute. Während sie sich als Königin feiern ließ, hatten alles anderen nur das Geld im Auge - der größte planetarische Betrug der jüngsten Geschichte

8. August 2017: Der 19jährige Gery-Nikol ist in Bulgarien ein Superstar. Zwei Monate lang war er in den Charts die Nummer eins. Sein Hit „Come and get it!“ passt so richtig in die Welt der OneCoin-Ganoven. An diesem Abend steht er der Mafia gegenüber. Trällert ins Mikrophon und die Herrschaften um die Kryptoqueen Dr. Ruja Ignatova flanieren in Abendkleidern und Kostümen und tragen ihren Reichtum zur Schau. Dr. Ruja Ignatova hat gelanden. Es ist ein Stelldichein des engsten Zirkels der Familie. Ein Treffen der Mafia. Dr. Ruja Ignatova nutzt das Fest zur Taufe ihrer zehn Monate alten Tochter für eine Machtdemonstration. Hier ist sie, von blauen und violetten Neonlichtern erleuchtet: Dr. Ruja Ignatova, Chefin des OneCoin-Imperiums, Kopf des wohl größten planetarischen Betruges der jüngsten Geschichte. Wert: Mehr als eine Milliarde Euro.

Das Fest mit Freunden und Familie endet im Desaster. Denn der Künstler, der 19jährige nennt das beim Namen, was viele denken, aber nicht auszusprechen wagen: OneCoin-Mafia. Laut der Boulevardpresse schockieren das „unseriöses Verhalten und die obszöne Worte" des Künstlers das Publikum. Die Großeltern des Babys sind „entsetzt“ und bringen ihre Empörung lauthals zum Ausdruck. Die Mutter der Familie, Dr. Ruja Ignatova, springt auf die Bühne. Mit einer Handbewegung beendet sie die Show und beruhigt diese kleine OneCoin-Welt: „Mafia? Wir doch nicht!“ In Bulgarien eskaliert die Affäre unter den Prominenten und erregt durch die entsprechenden Pressemeldungen eine Öffentlichkeit, die die OneCoin-Betrügerin eigentlich gerne vermeidet. Doch der Schaden ist angerichtet. Wenige Wochen später ist Dr. Ruja Ignatova dann verschwunden.

Dr. Ruja Ignatova ist der Kopf einer internationalen Bewegung, von der immer mehr Staatsanwaltschaften und Polizeidienststellen denken, dass sie „eine der größten Betrügereien auf dem Planeten“ ist. Und das vor aller Augen. In der bulgarischen Presse werden regelmäßig die Facetten der „erfolgreichsten jungen Frau mit bulgarischer Abstammung" wiedergegeben: Einen Monat vor dem Skandal rauschte es zu ihrem 37. Geburtstag durch den Blätterwald. Vor der bulgarischen Küste wurde auf einem luxuriösen Schiff gefeiert, was die Champagnerflaschen und der Kaviar hergab. Nationale und internationale Paparazzi hatten einen neuen Liebling entdeckt.

Sehr zur Freude auch der OneCoin-Schar, die bei soviel prominenter Präsenz ihre Vergötterung für die Betrügerin in aller Öffentlichkeit bestätigt sahen: Ihre Privatyacht auf 12 Millionen Euro geschätzt, war nicht das Ergebnis einer gnadenloser Abzockerei sondern das Sinnbild einer erfolgreichen Unternehmerin.

Dann ihre Villa an der Küste... Ihr Lebensstil fasziniert. Den wenigen Journalisten, die sie interviewen dürfen, präsentiert sich Dr. Ruja Ignatova als hochqualifizierte und seriöse Geschäftsfrau. Eine Münze in Kryprowährung? Das ist das legalste Geschäft aller Zeiten.

Sie haben die ganze erobert. Jetzt erobert die Polizei das ganze kriminelle Netzwerk von OneCoin/OneLife

Alles nur Fassade: Am 19. Januar 2018 erklärt die bulgarische Staatsanwaltschaft in Sofia offiziell, dass One Coin ein „internationales kriminelles Netzwerk“ ist und verdächtigt sie der Finanzierung von organisierter Kriminalität und Terrorismus.

Der französische Journalist Maxime Grimbert, der seit vielen Monaten die Hintergründe und Fakten zum Thema OneCoin recherchiert fliegt nach Sofia. Er möchte Dr. Ruja Ignatova treffen. Zahlreiche Interviewanfragen werden ohne Begründung abgelehnt. Er macht sich nach Bulgarien auf, um alles über „The Company“ herauszufinden. Denn hier in Sofia ist der Hauptsitz. Mehrfache Ernüchterung: Maxime Grimbert, der auch vom :gerlachreport unterstützt wird, schafft es nicht, über die Eingangshalle hinaus. Keine Chance.

Aber es gibt andere, die reden. Und Unterlagen beibringen, Dokumente und Beweise. Das Ergebnis: Dr. Ruja Ignatova steckt ganz tief in der Mafia des Landes. Damit sind auch sämtliche berichte des :gerlachreport über diese Verbindungen durch mehrere Quellen unabhängig voneinander bestätigt.

Bulgariens Premierminister Bojko Metodiew Borissow: Nach Recherchen steht auch er im Verdacht, die mafiösen Strukturen im Lande zu unterstützen und zu fördern

Dr. Ruja Ignatovas Name taucht immer wieder im Gefolge des mächtigsten Politikers des Landes auf: Premierminister Bojko Metodiew Borissow, auch Boiko Metodiev Borisov geschrieben. Alles beginnt mit einem Spaziergang durch Sofias politischen und wirtschaftlichen Bezirk. Auf einem Quadratkilometer konzentrieren sich die meisten Machtzentren der Hauptstadt. Slave Street durchquert dieses kleine Gebiet von einem Ende zum anderen. Eine Abfolge von heruntergekommenen Gebäuden, nie höher als sechs Stockwerke sind, alte Klimaanlagen an jedem Fenster. Trotz ihres baufälligen Aussehens beherbergt der Block mehrere Ministerien. Doch mittendrin befinden sich einige mehrere Gebäude in sehr gutem Zustand. Auch das alte gastronomische Restaurant „Krim“. Ende 2015 kauft Dr. Ruja Ignatova die Immobilie mit OneCoin-Geldern für die bescheidene Summe von vier Millionen Euro. Die Abwicklung des Geschäftes ist undurchsichtig.

Ursprünglich wurde das Restaurant von „RavenR“ gekauft. Einem Unternehmen mit Sitz in Ras Al Khaimah, ein Steuerparadies in den Vereinigten Arabischen Emiraten (VAE). Das Unternehmen wurde bereits Anfang 2000 gegründet. Das Unternehmen gehört Dr. Ruja Ignatova.

Doch schon wenige Monate später wurde das Restaurant an die bulgarische Firma „Antik Property“, ebenfalls im Besitz von „RavenR“, verkauft. Diese Geldwaschanlge sorgte erst einmal dafür, dass der Wert des Gebäudes sich verdoppelte und so OneCoin-Millionen wieder verschwanden. Schon ein Jahr später wurde das Gebäude erneut verkauft. Veska Ignatov, Rujas Mutter, war jetzt die glückliche Besitzerin und konnte den Gewinn für die Familie einstecken.

Zwei Blocks vom Restaurant entfernt, genau östlich, ist er sehr schicke Platz der Nationalversammlung. Einer Handvoll Banken, Luxusgeschäfte, ein Kasino, ein Fünf-Sterne-Hotel und einem Stadthaus strahlen Wohlstand und Solidität aus. Die Jugendstil-Residenz war das Zuhause eines ehemaligen Bürgermeisters der Hauptstadt. Im Jahr 2015 sicherte sich Dr. Ruja Ignatova das dreistöckige Gebäude für fünf Millionen Euro.

Auch hier ist die Besitzurkunde natürlich nicht auf ihren Namen ausgestellt. Das Gebäude wurde von der bulgarischen Firma „One Property“ gekauft, die zur „RISG Limited“ gehört. Sitz: Ras Al Khaimah, Vereinigte Arabischen Emirate. Die „RISG Limited“ war ursprünglich im Besitz von Dr. Ruja Ignatova, bevor sie später an ein panamaisches Unternehmen verkauft wurde, das ebenfalls als Geldwaschanlage dient.

Das Management liegt aber weiterhin bei „Pegaron Invest“, die widerum im Besitz einer anderen bulgarischen Gesellschaft, „Artfix“, ist. Am Ende die körperschaftliche Nahrungskette sitzt wieder einmal nur Veska Ignatov, die Mama der Krypto-Queen.

Lesen Sie morgen den 2. Teil über das kriminelle Netzwerk der Dr. Ruja Ignatova

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