EN Storage: Edvin Novalic über die Folgen des Betrugs

„Menschen sind so schnell vergeßlich. Der Plan geht auf“

Die EN Storage-Bosse Lutz Beier und Edvin Novalic. Mit dem :gerlachreport führte Novalic sein letztes Interview

Einen Tag vor seiner Verhaftung hat EN Storage-Chef Edvin Novalic :gerlachreport ein Exklusiv-Interview gegeben. In diesem Augenblick konnte keiner ahnen, dass es das wohl letzte Interview als freier Mann sein würde. Novalic: „Schneller als im Knast kann ich kein Geld verdienen“. Aber vielleicht hat er zu diesem Zeitpunkt schon alles gewusst.

  • Von Jan Faber

Edvin Novalic ist ein wirklich netter Kerl. Er hat sich in den vergangenen Jahren an vielen Stellen engagiert. Beim Ameteurfußball, in der Musik, bei Mitarbeitern. „Zählt das?“, fragt er unvermittelt, als wir über die Gefahren sprechen, die immer dann entstehen, wenn Unternehmen fremdes Geld einsammeln.

Nehmen wir die Leute von S+K“, sagt er, „die gehen jetzt als freie Männer aus dem Knast. Die Restfreiheitsstrafe wird auf Bewährung ausgesetzt. 240 Millionen einkassiert. Das ist ein guter Stundensatz“.

Er macht eine Kunstpause, sagt dann: „So würde ich das auch machen. Schneller als im Knast kann ich kein Geld verdienen“. Wir bleiben bei unserem Interview bei diesem Thema hängen. Ich wende ein, dass die Angst der größte Gegner für den Genuss am Geld sein kann. Besonders, wenn es das Geld der Anderen ist. „Da habe ich kein Problem“, sagt er fast bubenhaft und belehrt mich: „Man muss das Geld dann gut verstecken“.

Das hat Edvin Novalic getan. Über Unternehmen, die nicht auf seinen Namen registriert sind, über Freunde, die in der Branche arbeiten. „Würde ich aus dem Knast kommen“, sagt er, „würde ich einfach in einer Firma anfangen, von der niemand weiß, dass sie mir gehört“.

Angst vor Rache hat er nicht: „Menschen“, weiß er, „sind so schnell vergeßlich. Und wenn der Kopf erst einmal registriert hat, dass das Geld weg ist, beginnt man sich von seinem Geld zu trennen. Das ist dann der Moment des Erfolges. Der Plan geht auf“.

Reue? „Nein“, sagt er, „nicht wirklich. Es ist ein Geschäft. Auch, wie man am Ende am besten aus einer Sache herauskommt. Aber“, er lacht sein unnachahmliches Lachen, das ihn so sympathisch macht, „das ist ja nur Spekulation. Ein Gedankenspiel“.

Einen Tag später war es bittere Realität.

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