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P&R

Eine Millionen Container nur auf dem Papier verkauft

Alle der rund 80.000 Forderungen müssen bis September angemeldet werden

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Insolvenzverwalter Jaffé rät weiterhin allen Anlegern von Versuchen ab, auf die Container zuzugreifen und so das noch existierende Geschäft zu stören

Riesenbetrug bei P&R: Das Ausmaß des milliardenschweren Anlegerskandals bei P&R kommt Stück für Stück zu Tage. Mit der formellen Eröffnung des Insolvenzverfahrens des Grünwalder Containeranbieters hat der nun offiziell bestellte Insolvenzverwalter Michael Jaffé neue Details bekannt gegeben. Der Fehlbestand von rund einer Million an Anleger verkauften Containern sei demnach nicht auf verlorene Boxen zurückzuführen. Vielmehr wurden seit mehr als 10 Jahren Container nur auf dem Papier verkauft. „Tatsächlich zeigen die vorläufigen Ergebnisse, dass die deutschen Gesellschaften offensichtlich über viele Jahre hinweg Verträge mit Anlegern über Container geschlossen haben, die es de facto nie gegeben hat und die auch nicht angeschafft wurden“, sagte der Insolvenzverwalter.

Neu eingeworbene Gelder seien dazu genutzt worden, laufende Verbindlichkeiten aus Mietzahlungen und Rückkäufen gegenüber Altanlegern zu begleichen, teilte Jaffé mit. So erhärtet sich der Verdacht weiter, dass P&R zuletzt als riesiges Schneeballsystem betrieben wurde.

Auf jeden Fall entglitt dem Management die Möglichkeit, das Ruder herumzureißen. „Da erhebliche Zahlungen für Container geleistet wurden, die es gar nicht gab, standen auch keine Mittel zur Verfügung, um die Containerflotte weiter aufzubauen und so die Fehlmengen zu reduzieren“, sagte Jaffé. Aus dem Strudel gab es kein Entrinnen.

Die P&R Gruppe hatte mehr als 40 Jahre lang Privatanlegern Seefrachtcontainer verkauft, diese zurückgemietet und den Sparern dafür feste Mieten gezahlt. Nach Fünfjahresfrist kaufte P&R die gebrauchten Stahlboxen mit Preisabschlag zurück. Die Anleger erhielten eine Rendite von drei bis fünf Prozent. Im März meldete P&R dann für viele überraschend die Zahlungsunfähigkeit. Mitte Mai wurde bekannt, dass von 1,6 Millionen verkauften Container eine Millionen fehlten.

Jaffé geht es jetzt vor allem darum, die verbleibende Containerflotte von immer noch 618.000 Stück bestmöglich zu verwerten. Er meldete einen Teilerfolg. Aus der schweizerischen Schwestergesellschaft, die das operative Geschäft betreibt, seien erstmals Mittel nach Deutschland zurückgeflossen.

Eine erste Auszahlung auf die Konten der Insolvenzverwalter sei bereits überwiesen worden, teilte er mit. „Wir haben in den letzten vier Monaten insbesondere die Geschäftsbeziehungen der Schweizer P&R-Gesellschaft zu den Leasinggesellschaften und den Endkunden stabilisieren und Vertrauen aufbauen können.“ Jaffé rät weiterhin allen Anlegern von Versuchen ab, auf die Container zuzugreifen und so das noch existierende Geschäft zu stören.

Eine Verwertung durch die Anleger ist losgelöst vom Insolvenzverfahren auch deshalb nicht möglich, weil diese kein Eigentum erworben hätten. Die überwiegende Mehrheit der Container lasse sich den einzelnen Anlegern nicht präzise zuordnen.

Die Anleger können jetzt ihre Forderungen anmelden. Sie werden vom Insolvenzverwalter angeschrieben und erhalten vorbereitete Formulare. Es genüge, die Unterlagen zur prüfen, gegebenenfalls zu korrigieren und unterzeichnet zurückzusenden, teilte Jaffé mit.

Wichtig: Alle der rund 80.000 Forderungen müssen jetzt angemeldet werden, auch wenn sie diese zuvor schon geltend gemacht wurden. Die Frist dafür läuft am 14. September 2018 aus. Große Gläubigerversammlungen wird es in der Münchener Olympiahalle am 17. und 18. Oktober geben.

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