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Stephan Welk

Die unglaubliche Geschichte eines Hochstaplers

„Der Mann kennt einfach keine Grenzen. Auch seine eigenen nicht.“

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Stefan Welk und seine Ehefrau Inna Kostrova. Die Ukrainerin hat früher als Prostituiertegearbeitet. Welk hat sie bei der Arbeit kennengelernt. Sie sehen sich als Gangster-Ehepaar

Wann ist Erfolg genug? Diese Frage wird sich in diesen Tagen Stephan Welk stellen. Der Mann hat eine sagenhafte Karriere hinter sich, die Bücher füllen könnte. Oder schlechte Groschenromane. Aber es musste immer mehr sein, immer mehr werden: Am Ende kam heraus, dass Stephan Welk dem deutschen Tennis-Idol Boris Becker einen falschen Diplomatenpass angedreht hat - für eine halbe Million Euro. Damit war die Aufmerksamkeit geweckt.

Stephan Welk ist ein Relikt der ehemaligen DDR. Ei Nobody, der sich Frauen kaufen muss, weil er als Mensch ein Reinfall ist. Die, die ihn kennen, beschreiben ihn als „gierig, kaltherzig, skrupellos“.

„Wer nichts ist, muss sich zu etwas machen“: Diesen Lehrsatz hat ihm Michael Rottmann ins Lebensbuch geschrieben. Um Welk zu verstehen, muss man die Geschichte von Rottmann kennen: Er ist verantwortlich für den schwersten Betrugsfall nach dem Mauerfall. Rottmann hatte die Treuhand um mehr als 100 Millionen Euro erleichtert, war 14 Jahre auf der Flucht. Als man ihn geschnappt hatte, saß er in Haft. Hier trifft er im Berliner Knast auf den wißbegierigen und lernfähigen Stephan Welk.

Der sitzt wegen einem vergleichsweise „kleinen“ Betrugsfall ein: Den kasachischen SAT-Konzern hatte er nur um ein paar Millionen erleichtert und war aufgeflogen. Im Knast in Tegel bastelte Welk dann an seiner Zukunft. Daran, wie er seinen Namen „positiv besetzen“ konnte. Seine Zukunft sah er rosig und vor allem ertragreich. Rottmann gab ihm wichtige Tipps. Der wichtigste: Lass dich nicht erwischen. Der zweitwichtigste: Fall nicht auf.

Den hat Stephan Welk aber wohl nicht mehr mitbekommen. Er brauchte für sein neues Leben Bildung, Titel, eine neue Vita. Warum ganz unten anfangen, wenn man ganz oben beginnen konnte: Welk wurde „natürlich“ Regierungsberater. Wirtschaftslenker. Ein wichtiger Mann, der den Gestank nach Pisse und Tränen aus dem Knast loswerden wollte.

So entstand die Aduno Consulting (:gerlachreport berichtete). Im täglichen Verkehr tritt die „Aduno Beratungsagentur GmbH“ als „Wirtschafts- & Regierungsberatung“ auf. Welk unterschreibt damit seine eigenen Mietverträge in der Wohnanlage „Königlicher Park“ in Dresden.

Zusammen mit Kai Domsgen, der ihn wie die Motte umschwirrte, entstand die Idee eines Unternehmens, dass Knackis den offenen Vollzug ermöglichen sollte. So kam es, dass die Aduno Arbeitsplätze für Strafhäftlinge beschaffte. Natürlich nicht für alle. Für kriminelle Klans, Mafia und Berufsverbrecher.

Bis heute ist das Unternehmen eine unter dem Radar laufende Geheimoperation. 2011 wurde der letzte Jahresabschluss eingereicht. Nicht einmal die Stammeinlage war komplett eingezahlt. Eigenwerbung: „Aduno Consulting ist eine der führenden Institutionen für Politikanalyse und Strategieberatung. Wir sind Ideengeber und Dienstleister für Politik, Wirtschaft und Zivilgesellschaft zu globalen umwelt-, finanz-, rechts- und entwicklungspolitischen Herausforderungen. Unser Tätigkeits- und Themenfelder umfassen unter anderem Projektentwicklungen und -betreuungen, Krisenmanagement, Sanierungs-, Optimierungs- und Finanzierungsberatung, Public-Private-Partnership sowie Beratung im diplomatischen Dienst. Unsere Projekte tragen zur Sicherung natürlicher Lebensgrundlagen bei, fördern nachhaltiges und erfolgreiches Wirtschaften, stärken Gesundheit und Wohlbefinden, sichern Stabilität und Wohlstand.

Der Kontakt zu Michael Rottmann riß nie ab: In England finden sich etliche, verwinkelte Spuren in Unternehmen, die sämtlich nicht im Sinne der christlichen Seefahrt agieren. Dazu gehört auch jene sagenumwobene IBGC-AG, die seit dem 6. Mai 2011 von Michael Karl Rottmann geleitet wird. Sie spielt auch bei Kai Domsgen eine tragende Rolle. Dazu kommen noch Rottmann-Engagements in 21 anderen Unternehmen - auch sie führen zu Welk.

In den folgenden Jahre baute sich der Ex-Häftling Stephan Welk ein neues Lebens auf. Wechselte Haftgestank gegen teure Parfüms. Er heiratete die Prostituierte Inna Kostrova. Er kaufte sich einen Doktortitel, ließ sich die „Doktorarbeit“ von einem Spezialisten schreiben. Dann wurde er sogar Professor. Er führt einen Magister-Titel, nennt sich Berater und Rechtsanwalt. Er ist Berater von Regierungen, unterschreibt als „Botschafter“. Er besorgt Diplomatenpässe, echte Pässe mit falschen Namen in Staaten, in denen für Geld alles zu bekommen ist.

Stephan Welk ist, fasst man das alles zusammen, ein Berufsverbrecher: Er steckt bis über beide Ohren in organisierten Banden. Man braucht ihn, weil er für viel Geld neue Pässe, neue Identitäten beschafft. Zu seinen Kunden gehören Menschenhändler, Drogenkuriere, Händler für Blutdiamanten, Millionenbetrüger, Geldwäscher, Zuhälter.

Man braucht ihn, weil er mit seinen Kontakten zu korrupten afrikanischen Staaten Diplomatenpässen und anderen Gefälligkeiten besorgen kann. Damit können sich die Ganoven problemlos über alle Grenzen hinwegsetzen. Und man braucht ihn, weil er viele schmutzige Tricks und Wege kennt, die den direkten Weg ins Gefängnis vermeiden helfen.

Und dann ist da natürlich noch das einträgliche Geschäft mit den Titeln. So kann der Herr „Professor“ nahezu täglich die Hand aufhalten. Die Wisconsin International University in Ukraine (WIIU) beschäftigt inzwischen mehrere Kontrollstellen - es ist die Alma Mater des Stephan Welk.

Steuern zahlt er nicht, denn die Geschäfte werden in bar abgewickelt. Das Geld fährt Kai Domsgen durch die Lande. Überhaupt: Regeln sind dafür da, dass sie nicht eingehalten werden. Davon können M Mitarbeiter ein Lied singen.

Irgendwie sollte es dann doch mal reichen, denkt man. Doch Stephan Welk ist nimmersatt. Wahrscheinlich braucht er das Adrenalin seiner kriminellen Handlungen, damit er spürt, dass er noch lebendig ist. So steckt er nach wie vor über beide Ohren im Betrugssystem OneCoin/OneLife, hat mit falschen Pässen für die OneCoin-Chefin Dr. Ruja Ignatova und anderes Führungspersonal die Arbeit der Polizei und Staatsanwälte nicht nur behindert, sondern schlicht unmöglich gemacht.

Seine Verstrickungen in Bitcoin-Manipulationen machen die Runde. Jetzt steckt er tief im neuen Betrugssystem Nexus Global. Bei Optioment hat er Anleger um Millionen betrogen. Er fühlt sich sicher. Versteckt sich hinter seinem Diplomatenpass.

Wann ist Erfolg genug? Wenn man Boris Becker betrogen hat? Wenn 15.000 Euro pro Abend bei den Huren in Berliner Bordellen normal sind, obwohl die eigene zuhause wartet? Wenn man in den größten und kriminellsten Netzwerken zuhause ist? Wenn man mit Waffen spielt und Pistolen trägt?

Ein Wegbegleiter: „Der Mann kennt einfach keine Grenzen. Auch seine eigenen nicht.“

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