Dexcar: Wieder verlieren die Anleger ihr Geld

Betrug: Das Unternehmen hat nur 800 Euro Eigenkapital

Die betrügerischen Brüder Fabio und Marco Gai sind jetzt ein Fall für den Staatsanwalt in Essen

Die Warnung vor Dexcar kommt zu spät: Das Unternehmen ist pleite. Jetzt hat die italienische Wettbewerbsbehörde eine Geldstrafe in Höhe von 455.000 Euro gegen das Unternehmen verhängt. Zahlreiche Anleger haben bei diesem Pyramidensystem ihr Geld verloren. Der Schaden geht in die Millionen. Bisherige Ermittlungen haben ergeben, dass „der Hauptteil der Gelder in den Taschen der Vertriebsmitarbeiter und der Geschäftsleitung verschwunden sind“. Nach eigenem Bekunden ist „Dexcar ist ein international agierendes Unternehmen“. Geschäftsführer ist der Italiener Marco Gai, der das Unternehmen Ende Oktober 2014 in Essen übernommen hatte. Zusammen mit seinem Bruder Fabio organisierte er die Abzocke.

 

Das Betrugskonzept der italienischen Brüder Fabio und Marco Gai: Der Schaden geht in die Millionen - Dexcar ist pleite.

 

Die Gais konnten dabei auf die „kriminellen Multi-Level-Strukturen“ vertrauen, die auch für die Millionenschäden bei OneCoin verantwortlich sind: Die selben Personen, die selben Verkäufer, die selben Betrüger. Zum 31. Dezember 2015 hatte das Unternehmen mit einem gezeichneten Haftungskapital von lediglich 800 Euro mehr als 3,6 Millionen Euro eingenommen. Marco Gai und seine Betrügerbande hatten gleichzeitig Anlegergelder in Höhe von rund 3,2 Millionen Euro in die eigene Tasche gesteckt, sagen italienische Ermittler.

Der Traum eines Sportwagens zu günstigsten Konditionen hat viele Teilnehmer zu diesem Pyramidensystem verlockt: „Nie wieder Geld ausgeben für ein neues Auto“ oder „Langzeitmietauto zum monatlichen Nulltarif“, lauteten die verführerischen Slogans von Dexcar. Beim Europäischen Verbraucherzentrum in Bozen (EVZ) häuften sich die Anfragen skeptischer Verbraucher. Das EVZ warnte frühzeitig vor einem „möglichen Pyramidensystem“. Dabei müssen immer neue Mitglieder angeworben werden, um das System zu finanzieren. Die Bozener Verbraucherschützer schalteten die italienische Wettbewerbsbehörde AGCM ein.

Ergebnis: Die Dexcar Autovermietung UG und damit verbundene Firmen müssen eine Verwaltungsstrafe von insgesamt 455.000 Euro zahlen. Denn es handle sich tatsächlich um ein gesetzlich verbotenes Pyramidensystem.

Laut AGCM ging es bei Dexcar seit Ende 2014 um die Vermarktung und Verwaltung eines Autovermietungssystems, über das einem Verbraucher bei Zahlung einer Eintrittssumme zwischen 547 und 1.950 Euro die Chance geboten wurde, ein Auto für 24 Monate gratis zu mieten. Nach der ersten Überweisung sei der Verbraucher in eine Tabelle eingetragen worden. Um das Auto letztendlich zu erhalten, habe der Verbraucher eine Vielzahl anderer Personen anwerben müssen, die wiederum die Eintrittsgebühr bezahlen mussten.

Während aber einige Personen am Anfang der Kette – sogenannte Partner, – „erhebliche Erträge“ durch Geld-Prämien generierten, so die AGCM, sei lediglich eine „lächerliche Anzahl an Verbrauchern“ in den Genuss eines Gratis-Mietautos gekommen. Konkret: ein Auto je 128 Mitglieder. Das nennt man Betrug. Schlimm für alle Anleger: Das Unternehmen kann gar nicht zahlen - es hat ja nur ein Stammkapital von 800 Euro. Das ist jetzt ein Fall für die Staatsanwaltschaft.

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