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Michael Turgut

Der Berufsverbrecher ist schuldig: Freispruch!

Jetzt werden die SWM-Kunden genauso abgezockt und ausgenommen

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Der Berufsverbrecher hat gut lachen: 120 Millionen abgezockt und trotzdem freigesprochen. Die Anleger, so der Tenor, waren selbst schuld. Sie haben den Prospekt nicht richtig gelesen

Der Berufsverbrecher Michael Turgut ist freigesprochen worden. Der Schaden: Mehr als 120 Millionen Euro. Nach viereinhalb Monaten Prozess und der Befragung von rund hundert Zeugen wurde jetzt das Urteil verkündet: Der Vorsitzende Richter der Wirtschaftsstrafkammer am Landgericht Hof schloss sich den Schlussvorträgen von Anklage und Verteidigung an. Beide hatten auf Freispruch für Michael Turgut plädiert. Ein Skandal-Urteil: Die einmal mehr von Turgut abgezockten Anleger haben ihr Geldf verloren - übrigens nach der selben Methode arbeitet auch Turguts aktuelle SWM-Maschinerie.

Dem 49-jährigen Finanzjongleur aus Hof, der seit Jahren mit seinen Strukturvertrieben deutschlandweit die Justiz beschäftigt, war vorgeworfen worden, bewusst dafür gesorgt zu haben, dass seine Vermittler Investoren durch falsche Angaben täuschten. Ohne die tatsächliche Kostenstruktur des Multi Advisor Funds (MAF) gekannt zu haben, hätten Anleger 2005 und 2006 ihr Geld in den Fonds gesteckt - und verloren, argumentierte die Staatsanwaltschaft zu Prozessbeginn. Allein in 76 Fällen sei so ein Schaden von knapp einer halben Million Euro entstanden.

„Die Hauptverhandlung hat diesen Sachverhalt nach umfangreicher Beweisaufnahme nicht bestätigt“, hieß es in der Urteilsbegründung. Die Staatsanwaltschaft habe nicht nachweisen können, dass Turgut vorsätzlich eine Täuschung der Anleger veranlasst hat. Auch sei gemäß der Rechtsprechung des Bundesgerichtshofs zumindest durch die Beratung kein Vermögensschaden entstanden.

Das angelegte Geld sei zwar weg - insgesamt wurden in den MAF 120 Millionen Euro investiert - aber über das Verlustrisiko seien die Anleger ausreichend informiert worden. Die Entwicklung des Fonds sei auch nicht Gegenstand des Verfahrens gewesen, machte Übelmesser deutlich. Es sei allein um die mutmaßliche Täuschung der Anleger im Vermittlungsgespräch gegangen.

„Wir haben nahezu alle in der Anklage aufgelisteten Zeichner des Fonds hier vernommen“, sagte der Richter. „In keinem Fall wurde festgestellt, dass im Vermittlungsgespräch behauptet wurde, die Gesamtkosten für die Anleger würden nur fünf Prozent betragen.“ Angaben zum exakten Wortlaut dieser Gespräche konnten die Zeugen ohnehin nach 13 Jahren nicht mehr machen. „Hier hat Herrn Turgut die Zeit in die Hände gespielt“, sagte Staatsanwältin Anne Grebner in ihrem Plädoyer.

So blieb im Prozess unbewiesen, dass sich die Vermittler wortwörtlich an einen von Michael Turgut vorgegebenen und bei Seminaren trainierten „Gesprächsleitfaden“ gehalten haben. Den konnten die als Zeugen vernommenen Mitarbeiter der Turgut-Firma IFF auch nach 13 Jahren noch auswendig „herunterbeten“, wie die Staatsanwältin sagte.

Der nach dem Erstkontakt überreichte Emissionsprospekt enthielt aber, wie Richter Übelmesser feststellte, umfangreich und korrekt alle Fondskosten. Auch seien die IFF-Drücker, die oft selbst in den MAF investierten, ausführlich dazu geschult worden. Die geplanten Anfangsverluste des Fonds seien schließlich der Kern der von den Anlegern erwünschten Steuervorteile gewesen.

Die Behauptung aus der Anklage, den Investoren - meist Bekannte und Verwandte der Vermittler - seien nur die fünf Prozent Vermittlungsgebühr (Agio) genannt, weitere Kosten von 9,97 Prozent der Einlagesumme aber verschwiegen worden, hatte sich auch nicht halten lassen.
Zahlungen seien nicht Gebühren für die Vermittlung gewesen, sondern interne Kosten des Fonds selbst (darunter auch satte Provisionen für Turguts IFF), die aus den Einlagen bestritten wurden. „Das stand so auch im Prospekt.“

Turguts Verteidiger Dr. Marc Langrock hatte in seinem Plädoyer darauf hingewiesen, dass der umstrittene „Gesprächsleitfaden“ nur für den Erstkontakt angewendet wurde. In den Anweisungen für die Vermittler stand bei den Kosten eindeutig: „Später im Prospekt zeigen!“ Das zweite Gespräch sei dann individuell auf den Fondszeichner zugeschnitten gewesen. Den Abschluss hätten immer erfahrene IFF-Vermittler gemacht.

Auch das Gericht sah das so: „Es hat sich nicht bestätigt, dass neugewonnene Vermittler alleine losgeschickt wurden, um Kunden zu gewinnen.“

Nach dem Freispruch bleibt die Staatskasse auf den Verfahrenskosten sitzen und muss auch die notwendigen Auslagen von Michael Turgut tragen. Für die erlittene Durchsuchung seines privaten Anwesens in der Schweiz wird der Finanzjongleur von der Justiz entschädigt.

Wegen dieses Verfahrens muss Turgut also nicht ins Gefängnis. Allerdings steht noch eine Verurteilung zu vier Jahren Freiheitsstrafe vom Sommer 2016 wegen eines Insolvenzvergehens im Raum. Dagegen hat Turgut Revision eingelegt. Der Bundesgerichtshof hat noch nicht entschieden. Zudem werden in der Sache SWM umfangreiche Ermittlungen gegen den Berufsverbrecher geführt.

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