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Corrigo

Unternehmen steht vor dem Kollaps

Wie das Daten-Kartell gearbeitet hat

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Alexander Bräutigam gehört zum Datenkartell der Corrigo AG - jetzt sind die Datendiebe aufgeflogen

Die Corrigo AG steht offenbar vor dem Ende. Nach vorliegenden Informationen wollen die großen Versicherungen in Deutschland „jegliche Zusammenarbeit“ mit dem Unternehmen aus Kaisersesch einstellen. Das ist die Folge des Datenskandals um die MEG-Adressen. Im Mittelpunkt: Der ehemalige Vorstand der MEG, Alexander Bräutigam. Er trägt in der Branche den Spitznamen „der schöne Alex“. Bräutigam betreibt in Düsseldorf das Unternehmen „DFAR Deutsches Finanzhaus am Rhein“.

:gerlachreport hat inzwischen mehrfach über die Corrigo AG berichtet. Sehr zum Unwillen von Vorstandschef Ralf Willems. In einer Mail an seine Vertriebsmitarbeiter hatte Willems die Redaktion als „kriminelle Vereinigung“ bezeichnet und behauptet, der :gerlachreport würde „Beraterhonorare“ erpressen. Nichts davon ist wahr.

Ralf Willem ist ein Lügner.

Seinen Mitarbeitern schrieb er: „Wenn Sie unseren Partner-Erfassungsbogen genau lesen, werden Sie feststellen, dass dort explizit eine Anti-MEG-Erklärung zu finden ist. Wir haben alle Vertriebspartner abgelehnt, die diesen Passus nicht unterzeichnet haben. Des Weiteren haben wir eine vergleichbare Klausel in allen Lead-Abnahmeverträgen, die wir je geschlossen haben.“

Die bittere Wahrheit: Alexander Bräutigam hat der Corrigo AG nach Recherchen des :gerlachreport den kompletten Datenbestand der MEG zugänglich gemacht. Das sind mehr als 440.000 Adressen, die Bräutigam bei der MEG gestohlen haben soll.

Mittendrin in der Affäre ist auch der ehemalige Aufsichtsrat der Corrigo AG, Roland Zimmer, der als Bindeglied zwischen dem ehemaligen MEG-Chef Mehmet Göker, Ralf Willem und Alexander Bräutigam fungiert. Zimmer soll von den Verflechtungen nicht nur gewusst haben, er soll auch dafür gesorgt haben, dass bei der AXA Innendienstmitarbeiter „im Sinne der Corrigo AG arbeiten“. Dieser „kleine Dienstweg“ hat dann dazu geführt, „dass die Anträge der Corrigi bevorzugt bearbeitet“ worden sind, berichtet ein Insider :gerlachreport.

Ralf Willem an seine Vertriebsmitarbeiter: „Wahr ist, dass unser ehemaliger Aufsichtsratsvorsitzender, Herr Roland Zimmer, damals bei der Bewilligung der Vorschüsse an MEG mitgewirkt hat. In diesen Fall war allerdings nicht nur er, sondern eine Vielzahl an AXA-Vertretern involviert. Die AXA befand sich hierbei in guter Gesellschaft mit allen anderen namhaften Krankenversicherern, allen voran Allianz, Hallesche und der Inter. Hinzu kommt die Tatsache, dass Herr Zimmer seit dem 1.7.2017 nicht mehr Mitglied im Aufsichtsrat ist was allerdings in keinerlei Zusammenhang hiermit steht.“

Allein dieser Passus hat jetzt dazu geführt, dass die angesprochenen Versicherungen „jegliche weitere Zusammenarbeit mit der Corrigo AG strikt ablehnen“. Das ist dann das Ende des Unternehmens Corrigo AG. Ein Marktbeobachter: „Corrigo wird das Jahr 2017 wohl nicht mehr überleben.“

Ralf Willem kann zudem seine Lügen nicht mehr aus der Welt schaffen: Unter der Registernummer HRB 72359 wurde im März 2014 das „DFAR Deutsches Finanzhaus am Rhein UG“ in Düsseldorf, Neuwerker Straße 32, eingetragen. Gegenstand des Unternehmens: Die Vermittlung von Versicherungen und Handelsgeschäfte aller Art, insbesondere Immobilien. Stammkapital: 100,00 EUR. Zur Geschäftsführerin wurde Oksana Kupina ernannt - die damalige Lebensgefährtin und heutige Ehefrau von Alexander Bräutigam. Der übernahm dann auch die Einzelprokura.

Ein Jahr später ist diese Einzelprokura dann erloschen - Insider berichten von „erheblichen Forderungen gegen Bräutigam aus seiner Tätigkeit als Vorstand bei der MEG“. Mehr noch: „Gegen Bräutigam wird strafrechtlich ermittelt. Die Verfahren sind nicht abgeschlossen. Es muss davon ausgegangen werden, dass dieses erst im Jahr 2018 der Fall sein wird, wenn auch der Prozess gegen Mehmet Göker stattfinden wird“, heißt es in einem Bericht, der einer großen deutschen Versicherung zugegangen ist und der :gerlachreport vorliegt.

Von diesen Vorgängen weiß „vollumfänglich“ auch Ralf Willem.

Mit den gewaltigen Einnahmen von der Corrigo AG konnte dann das Ehepaar Bräutigam das 100-Euro-Unternehmen in eine vollwertige GmbH umwandeln. Alexander Bräutigam ist heute offiziell Angestellter des „Deutschen Finanzhauses“. Sein Einkommen liegt unter der Pfändungsfreigrenze. Auch das ist Willem bekannt.

Pikant: Die Adressenstämme der MEG werden auch von anderen Unternehmen und Personen genutzt. Betroffen sind insbesondere gutgläubige Vertriebsmitarbeiter, die bis jetzt davon ausgegangen sind, dass es sich bei den „Adressen um werthaltige Leads“ handelt.

Der Betrug ist den Versicherern übrigens schon lange bekannt. Getan haben sie nicht - das Neugeschäft war ihnen zu wichtig. Dennoch sollen sie ein eigenes Kontrollsystems wegen der MEG-Adressen eingerichtet haben. Auch Corrigo steht deshalb seit einiger Zeit unter Beobachtung.

Das Beben bei den Privaten Krankenkassen kam dann auch durch die Berichterstattungen - eine negative Öffentlichkeit kann sich kein Versicherer leisten.

Alexander Bräutigam ist ein „Experte für Tarifwechsel“. Er ist auch Experte für das geschickte Wechseln der Fronten - immer den Geldquellen nach. Corrigo hat viel und gerne gezahlt

Beste Adresse: Das „Deutsches Finanzhaus am Rhein“

Das „Deutsches Finanzhaus am Rhein“ - die Neuwerker Strasse 32 in Düsseldorf gehört nicht zu den besten Adressen. Aber so werden Geschäfte gemacht: Im Verborgenen, nur nicht auffallen. Sonst können am Ende noch einige Gläubiger der MEG wach werden und Alexander Bräutigam zur Kasse bitten. Tatsache ist: Die Geschäftsführung seiner Ehefrau Oksana ist nur vorgeschoben. Der „schöne Alexander“ hat hier das Sagen. Er hat ja auch die Wertsachen aus der MEG.

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