Diese Seite verwendet Cookies.

Mehr erfahren

OneCoin

China beziffert OneCoin-Schaden auf 2,4 Milliarden

Insgesamt gab es Haftstrafen von mehr als 400 Jahren für die OneCoin-Betrüger

Zurück

„Bei OneCoin handelt es sich ausschließlich um kriminelle Machenschaften“ - das sagen inzwischen weltweit die Ermittler und Behörden

Chinesische Sicherheitsbehörden haben den Schaden, der durch das kriminelle Netzwerk OneCoin/OneLife angerichtet wurde, auf mehr als 2,4 Milliarden US-Dollar geschätzt. Das Netzwerk gilt international als „aufgelöst“ und „inoperabel“. Personen, die die angebliche Kryptowährung heute noch anbieten, arbeiten zumeist kriminell auf eigene Rechnung. Sie sollten umgehend den örtlichen Polizeidienststellen gemeldet werden. Egal, ob sie in Deutschland, Österreich, Italien oder einem anderen europäischen Land agieren.

:gerlachreport erfuhr: Derzeit werden die europäischen Ermittlungen gebündelt und die Ergebnisse aufbereitet. Was :gerlachreport frühzeitig schrieb: „Bei OneCoin handelt es sich ausschließlich um kriminelle Machenschaften“. Das ist auch das finale Urteil der chinesischen Ermittlungsbehörden.

Interessant sind in diesem Zusammenhang die bisherigen Ermittlungsergebnisse der chinesischen Polizei und Staatsanwaltschaften, die ihren europäischen Kolleginnen und Kollegen zumindest in der finalen Beurteilung weit voraus sind. Und: China hat inzwischen zu einem der am besten informierten Standorte des weltweit agierendes Betrugsnetzwerkes entwickelt.

Aufgrund der Wurzeln der ehemaligen OneCoin-Chefin und angeblichen „Erfinderin“ Dr. Ruja Ignatova bei „BigCoin“, dem Vorläufer des OneCoin—Betrugsprogramm in Asien, entwickelte sich China zunächst zu einer Hauptquelle für den später weltweit agierenden OneCoin-Betrug. Die Methoden und Abläufe von BigCoin ähneln denen von OneCoin sehr. Ein Ermittler aus Guangzhou gegenüber :gerlachreport: „Eigentlich brauchten wir nur die Namen auszutauschen. Was anders war bei OneCoin: Man hatte sich mehr Mühe bei dem eigentlichen Betrug gegeben.“

Mit Ausnahme einiger weniger Länder der Dritten Welt ging das Betrugsunternehmen OneCoin/OneLife nicht nur wegen der internationalen Polizeiaktionen und permanent Medienpräsenz in den vergangenen Monaten vollständig unter: Anleger, Investoren und MLM-Netzwerke waren gewarnt und konnten die wertlose Kryptowährung nicht mehr loswerden. Entscheidend aus der Sicht der Ermittler war auch die Verschiebung des angeblichen Börsengangs und die Nichtzahlung versprochener Gelder.

Jetzt haben zumindest in China die Ermittlungen gegen OneCoin ein Ende gefunden: Die letzten vier OneCoin-Keuler wurden verurteilt. Insgesamt mehr als hundert Personen aus dem OneCoin-Netzwerk in China wurden wegen Betrugs zu empfindlichen Haftstrafen und Arbeitslagern verurteilt. Insgesamt gab es Haftstrafen von mehr als 400 Jahren für die OneCoin-Betrüger.

Gleichzeitig konnten die Ermittler mehr als 267,5 Millionen US-Dollar sicherstellen und an betrogene Investoren zurückerstatten. Die Gelder waren, wie von :gerlachreport frühzeitig beschrieben, über ein Netzwerk illegaler Konten „gewaschen“ worden. Akribische Polizeiarbeit und die Geständnisse der OneCoin-Betrüger machten dann die Polizeiarbeit einfach.

Interessant für die weitere weltweite juristische Aufarbeitung ist die Bewertung der chinesischen Ermittler und Gerichte: Straftaten in Zusammenhang mit offiziellen Kryptowährungen werden in China nahezu vollständig ignoriert. So wird ein Hackerangriff auf eine Börse oder einen Handelsplatz als „Kavaliersdelikt“ bewertet und kommt in den seltensten Fällen zu einer strafrechtlichen Ermittlung.

Grund ist das Problem der Behörden, Kryptowährungen als tatsächliche Währung einzuschätzen. Hinzu kommt, dass es sich um einen „hypothetischen Wert“ handelt, der durch normales Geld nicht gedeckt ist. Bitcoin, Ether und andere Einheiten sind aus chinesischer Sicht „Spielgeld“.

Haftbefehl gegen Dr. Ruja Ignatova

 

Das Problem OneCoin jedoch wird juristisch ganz anders bewertet: Hierbei handelt es sich nach chinesischer Lesart um ein „kriminelles Pyramidensystem mit dem ausschließlichen Ziel des Betruges. Reale Geschäftsabsichten sind nicht zu erkennen. Es handelt sich um ein kriminelles Netzwerk, das Gelder vereinnahmt ohne dafür eine Gegenleistung zu bringen“. Und: „Die Versprechen des Netzwerkes OneCoin/OneLife haben alle das Ziel der persönlichen Bereicherung. Neu eingesammelte Gelder werden für andere Verpflichtungen benutzt. Dieses Pyramidensystem hat nichts mit einer Währung zu tun.“

Die große OneCoin-Lüge, es handele sich um Kryptowährung, ist nach chinesischer Lesart überholt: „OneCoin und seine Investoren haben seit 2014 darauf bestanden, dass OneCoin eine Kryptowährung ist. Es gibt keinen Nachweis einer Blockchain oder aber einer Geschäftstätigkeit, die mit einer Kryptowährung vergleichbar wäre. OneCoin Token sind wertlos.“

Weltweit schätzen die chinesischen Behörden, dass OneCoin seine Investoren um mehr als 2,4 Milliarden Dollar betrogen hat.

Die chinesischen Behörden haben unterdessen den internationalen Haftbefehl gegen die Betrugserfinderuin Dr. Ruja Ignatova erneuert. Die vorbestrafte Bulgarin ist seit Mitte 2017 abgetaucht. Intern wird auch spekuliert, Ignatova sei durch die bulgarische Mafia „hingerichtet“ worden.

Zurück

The next big story

Haben Sie die nächste große Geschichte?

Möchten Sie diese mit dem :gerlachreport teilen?

Wir bieten Ihnen viele Möglichkeiten, sich mit unseren Journalisten in Verbindung zu setzen und Materialien zu liefern. Kein Kommunikationssystem ist völlig sicher, aber unsere Möglichkeiten werden helfen, Ihre Anonymität zu schützen.

Bitte senden Sie keine Rückmeldungen, Story-Ideen, Pitches, Leserbriefe oder Pressemitteilungen über diese Kanäle.

Für eine allgemeinere Korrespondenz nutzen Sie bitte unsere regulären E-Mail-Adressen.

Ihr sicherer Kontakt

Neben unseren regulären E-Mail-Adressen haben wir für vertrauliche Nachrichten und Mitteilungen ein Postfach eingerichtet, das über Pretty Good Privacy (PGP) verfügt und absolut sicher ist:

redaktion.dta@protonmail.com

Bitte hinterlassen Sie auf jeden Fall eine Telefonnummer. Wir rufen Sie innerhalb kürzester Zeit zurück.

E-Mails an die Redaktion oder Chefredaktions-Adresse werden durch die Sicherheitsabteilung überprüft. Es kann vorkommen, dass für die Verifizierung des Absenders ein Personennachweis angefordert wird, wenn der Verdacht einer Identitätsfälschung vorliegt oder vorliegen könnte.

Was ist ein guter Tipp?

Ein starker News-Tipp hat mehrere Komponenten.

Die Dokumentationen oder Nachweise sind wichtig.

Spekulationen können spannend sein. Verdächtigungen oder Behauptungen, die einer Überprüfung nicht standhalten, sind es nicht.

Eine guter Nachrichten-Tipp beschreibt ein klares und verständliches Problem. Die Suche nach Hilfe, weil großer Schaden oder Leid angerichtet wurden. Falsche Verdächtigungen helfen niemandem und führen nicht zu einer Veröffentlichung.

Aber lassen Sie sich nicht abschrecken. Manchmal ist ein kleiner Hinweis das fehlende Puzzlestück in einem gesamten Themenkomplex, der von uns ohnehin bearbeitet wird. Besonders wichtig: Hinterlassen Sie bitte eine Kontakt-Telefonnummer.

Gute Tipps sind:

Hier ist ein Beweis dafür, dass in einer Behörde, Organisation oder einem Verband gemauschelt, getrickst und getäuscht wird.

Hier ist der Beweis dafür, dass Anlegergelder falsch oder illegal benutzt werden.

Hier ist der Beweis, dass betrogen, unterschlagen oder veruntreut wird.

Hier ist der Beweis für Täuschung, falsche Versprechen und üble Abzocke.

Wir kontrollieren alle Nachrichten regelmäßig, können aber nicht versprechen, dass jeder Informant umgehend eine individuelle Antwort erhält.

Sämtliche Kommunikation unterliegt der strikten Vertraulichkeit.