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BitCoin

Bitcoin im Höhenflug: Der Versuch einer Erklärung

Die Kontrollen sind schlicht ungenügend und viel zu langsam

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BitCoins werden wie eine Luxusware gesehen. deshalb steigt offenbar der Preis unaufhörlich

10.000-Dollar-Marke gerissen - der Wert des Bitcoins hat sich seit Jahresanfang verzehnfacht. Für viele ist es nur eine verrückte Spekulationsmanie. Haben wir uns alle geirrt, weil wir nicht wollten, was wir nicht verhindern konnten? Es steckt etwas ganz Anderes dahinter. Ökonomen sind auf der Spur eines neuen Gesetzes. Denn: Je höher der Preis für eine Ware, desto niedriger die Nachfrage. Die alte ökonomische Lehre wird derzeit gründlich auf den Kopf gestellt. Bei Bitcoin und anderen Kryptowährungen scheint es genau anders herum zu sein. Seit Jahresanfang hat sich der Bitcoin um den Faktor zehn verteuert. Jetzt durchbrach er gar die Grenze von 10.000 Dollar. Doch der Run auf die immateriellen Taler aus dem Internet ist ungebremst, ja er erreicht immer neue Höhen. Sonst gibt es so etwas in der Wirtschaft nur bei Luxusgütern: sie werden umso begehrter, je teurer sie sind.

Ein Twitter-Umfrage der Fondsgesellschaft Pension Partners hat jetzt gezeigt, dass heute weniger Menschen an eine Spekulationsblase glauben als bei einem Bitcoin-Stand von 2200 Dollar. In den letzten zwölf Monaten hat sich allein bei der US-basierten Krypto-Börse Coinbase die Zahl der Händlerkonten verdreifacht. Zuletzt waren es 13 Millionen Konten.

Was paradox klingt, passt perfekt in die Aufmerksamkeitsökonomie, die das digitale Zeitalter charakterisiert: Je höher der Preis, desto höher die Aufmerksamkeit der „community“ und desto mehr wollen dabei sein. Je tiefer die Durchdringung der Gesellschaft mit Bitcoin, desto weniger ist das neue Geld wieder wegzudenken, der Prozess verstärkt sich selbst.

Sollte diese Theorie die Realität treffend beschreiben, muss nicht nur die Wissenschaft – bislang weithin skeptisch – Kryptowährungen neu denken, auch der Staat muss seine Haltung zu diesem vollkommen neuen Phänomen überdenken. Geld wäre dann nicht mehr nur das, was die Zentralbank und die Geschäftsbanken ausgeben, sondern etwas, was Tausende private Computer ausspucken.

Am Montag kratzte der Bitcoin an der Marke von 10.000 Dollar, am Dienstag knackte er sie dann. Ende letzten Jahres wurden an den Börsen nicht einmal 1000 Dollar für eine digitale Münze bezahlt. Allein in den vergangenen acht Handelstagen (der Bitcoin wird auch am Wochenende gehandelt) hat der Kurs zwei Tausender genommen.

Ein Grund für den jüngsten Preissprung ist die Ankündigung der renommierten Terminbörse CME, demnächst Bitcoin-Futures einzuführen, mit denen Anleger auf fallende oder weiter steigende Kurse wetten können. Ein Terminhandel gilt als Reifezeugnis für jede Anlageklasse. Ist ein solcher Handel erst mal etabliert, öffnet das die Tür für einen Massenmarkt von Investmentprodukten wie Indexfonds, Zertifikaten und Optionsscheinen.

„Das Interesse am Bitcoin und anderen Kryptowährungen ist in den letzten Monaten stark gestiegen. Mittlerweile investieren auch die Family Offices der Superreichen in Bitcoin. Dieser Zustrom an Kapital treibt natürlich die Preise hoch“, sagt Aaron Koenig, Krypto-Unternehmer und Autor des Buches „Cryptocoins: Investieren in digitale Währungen“. Für ihn ist Bitcoin ein globales Zahlungssystem, das ohne Banken oder sonstige Mittelsmänner auskommt. „Wir haben hier es hier also nicht mit einer ‚Blase‘ zu tun, sondern mit einer neuen Technologie, die die Welt verändert. Darin steckt ein riesiges Potenzial“, sagt Koenig.

Er wehrt sich gegen Vergleich, die Bitcoin-Rallye sei eine frenetische Spekulationsmanie, bei der immer neue Akteure in der Hoffnung auf das schnelle Geld ein wertloses Gut kaufen – bis schließlich die Stimmung kippt. Am Ende erleiden diejenigen, die zuletzt eingestiegen sind, die schlimmsten Verluste. „Wer heute Bitcoin mit der Tulpenblase vergleicht, hat Anfang der 90er vermutlich auch das Internet als überflüssiges Spielzeug für Computerfreaks abgetan“, sagt Koenig. Der Krypto-Unternehmer verbindet mit Bitcoin und anderen digitalen Münzen aber nicht nur eine Technologie, er hat ein völlig anderes Gesellschaftsmodell im Sinn.

„Das bisherige Modell, bei dem den Menschen ihr Eigentum geraubt wird und unfähige Politiker darüber entscheiden, wofür das Geld ausgegeben wird, hat viel Schaden angerichtet“, sagt Koenig. Durch dezentrales Bargeld hätten die Bürger Chancen, ein besseres Modell einzuführen. „Die Menschen entscheiden selbst, welche gesellschaftlichen Aufgaben sie finanzieren.“

Was Koenig formuliert, ist genau das, was viele Politiker schon lange fürchten: Bitcoin wird zum Medium, mit dem Geldströme unkontrolliert um den Globus fließen, darunter auch Schwarzgeld. Die Gefahren mangelnder Kontrolle sieht auch Wolfgang Richter, Rechtsanwalt bei DWF in Berlin und Experte für digitale Münzen und Recht.

„Bitcoin zieht verstärkt auch Steuerbetrüger an. Denn durch die Anonymisierung kann man sich gut verstecken.“ Die Entwicklung ist seiner Einschätzung nach deshalb ernst zu nehmen, weil frühere Fluchtburgen für Steuerhinterzieher mittlerweile geschlossen sind.

Der Jurist ist davon überzeugt, dass die Regierungen Kryptowährungen bald stärker regulieren werden: „Heute gibt es noch viele Schlupflöcher. Die Bitcoin-Börsen werden weitergehender als bisher die Identität ihrer Kunden abklären“, sagt Richter. Auch sogenannte ICO, der öffentliche Verkauf von digitalen Münzen, werde in seiner Freiheit weiter eingeschränkt. Ähnlich wie es bei Crowdfunding heute schon der Fall ist, wo sich verschiedene Parteien zusammenfinden, um eine Geschäftsidee zu finanzieren. „Für Bitcoin und andere Kryptowährungen werden bei Transaktionen für regulierte Einheiten die gleichen Geldwäschestandards gelten wie Euro & Co.“

Für manchen, der auf die Anonymität von Bitcoin-Transaktionen setzt, könnte es dann ein böses Erwachen geben. „Die Technologie der Kryptowährungen ist nicht dazu angelegt, die Transaktionen generell anonym zu halten.“ Ganz im Gegenteil lasse die Blockchain, die das technische Fundament für Internetgeld bildet, alle Möglichkeiten offen: So könnten zum Beispiel Daten für die Identifizierung festgehalten werden.

Einem Missverständnis sollten Nutzer der digitalen Währungen nicht unterliegen, warnt der Jurist: „Es gibt kein absolutes Recht auf Anonymität. Wer eine Straftat begeht, und dazu zählt Steuerbetrug, kann sich nicht darauf berufen. Sonst könnte ich auf der Straße jemandem die Handtasche stehlen und trotzdem auf Anonymität pochen. Auch der Straftäter im Netz muss sich seine Identifizierung gefallen lassen.“

So oder so, die Behörden laufen derzeit der Entwicklung hinterher. Das Tempo, mit dem sich der Bitcoin-Markt und der Bitcoin-Preis entwickeln, fordert nicht nur die ökonomische Theorie heraus, sondern auch die Reaktionsgeschwindigkeit der Verwaltung.

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