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Autark

Autark-Betrug: Das Musical "Wallace" ist abgesagt

Bis heute sind für mehr als hundert Aufführungen nur 1.850 Karten verkauft

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Jörg Platen behauptet, dass seine Ehefrau als Mitarbeiterin der Commerzbank die Millionen beschafft, die "Wallace" so nötig braucht. Bei der Commerzbank ist man "zumindest verwundert". Millionen wird es von dort nicht geben

Millionen-Betrüger Jörg Platen ließ die Katze aus dem Sack: Die Weltpremiere des Musicals "Wallace" im Duisburger "Theater am Marientor" ist offiziell vom 14. November "auf Anfang Dezember" verschoben worden. Was Ganove Platen nicht sagte: Seit dem Wochenende steht fest, dass "Wallace" nicht mehr zur Aufführung kommen wird.

Die offizielle "Verschiebung" der Weltpremiere soll einen "Dammbruch", eine "Katastrophe" verhindern: Ensemble, Handwerker, Musiker, Mitarbeiter - Dutzende Arbeitsplätze sind jetzt in Gefahr. In einem Krisenpapier des Theaters, das :gerlachreport vorliegt, wurden unterschiedliche Szenarien entwickelt, welche Folgen das "Wallace"-Desaster haben wird. Ergebnis: Es nimmt immer ein schlimmes Ende.

Der Berufsverbrecher Stefan Kühn, alias Stefan Koschate, hatte intern bereits Ende der vergangenen Woche angekündigt, dass "Wallace" am Ende ist. Denn zu keinem Zeitpunkt hatte die Autark Entertainment Group AG, deren Vorstand Ganove Kühn ist, überhaupt die Mittel, ein derartiges Musical-Projekt wie "Wallace" an den Start zu bringen.

Berechnungen und Unterlagen der vergangenen Monate, die :gerlachreport vorliegen, dokumentieren, dass bereits mit der ersten Planung für "Wallace" umfangreiche Täuschungen, Betrügereien und dubiose Geschäfte begangen wurden.

Alle Verträge, die Kühn oder sein Geschäftsführer Jörg Platen unterschrieben haben, stellen heute einen Eingehungsbetrug dar: Zu keinem Zeitpunkt hatten eines der Unternehmen oder die Geschäftsführung die Mittel, ein Projekt von mehr als zwölf Millionen Euro zu bezahlen. Jörg Platen muß aus eigener Tasche zwei Millionen Euro bezahlen, gegen Stefan Kühn laufen Verfahren in einer Größenordnung von mindestens 50 Millionen Euro.

Berufsverbrecher Stefan Kühn und seine Handvoll ausgesuchter Krimineller wie Jörg Platen oder Michael Mohr hatte mit Fantasiegeschichten und leeren Versprechen versucht, Investoren und Anleger für das Musical zu gewinnen. Kühn sprach selbst von "mehr als 4.000" Anlegern, die er abgezockt haben will. Diese Aussage führt zu Ermittlungen der BaFin und Börsenaufsicht. Es geht um illegale Finanzierungsgeschäfte, die sämtlich rückabgewickelt werden müssen.

Jörg Platen hatte gegen Ende der Woche sogar behauptet, dass seine Ehefrau Karin Schönberger als leitende Mitarbeiterin der Commerzbank/CommerzReal "die Finanzierung sicherstellt". Im Klartext: Die Commerzbank schaufelt die jetzt benötigten Millionen in die Taschen des Ganoven Stefan Kühn. Problem: Bei der Commerzbank weiß man von nichts.

Und es gab sogar einen Plan B: Ein bekannter Duisburger Spediteur und Inhaber einer Detektei und Sicherheitsfirma würde die Finanzierung sicherstellen, verkündete Platen siegessicher. Doch der winkte von Mallorca aus ab: "Ich stecke doch nicht mein Geld in einen solchen Scheiß", sagte er und gab lieber der Duisburger Eishockeyjugend den Finanzierungs-Vorzug.

Das Ende kam dann wie :gerlachreport es immer prognostiziert hatte. Zu keinem Zeitpunkt hatte Stefan Kühn einen Zweifel daran gelassen, dass er das Musical "Wallace" lediglich als Vehikel für neuen Anlegerbetrug nutzen wollte. Pläne, den eigenen Kartenvorverkauf in die eigenen Hände zu nehmen und wenigsten so Liquidität zu generieren, scheiterten. Kühn hatte ohnehin vor, die Adressen und Daten der Ticketbesitzer für das Anwerben von neuen Kapitalanlagen zu nutzen, damit er so Verbindlichkeiten von mehr als 50 Millionen Euro deckeln kann.

Sonntag beschlossen Prof. Dr. Heinz-Christian Knoll, Kühns Tochter Laura Koschate, Michael Mohr, Jörg Platen, Wolfgang DeMarco und Stefan Kühn, dass die "Verschiebung der Welturaufführung" auf Anfang Dezember verkündet werden soll. Als Begründung werde der enge Zeitrahmen und "technische Probleme" genannt.

Vielleicht, so das Kalkül, würde sich ja noch ein Retter mit Millionen finden. Doch es gibt noch ein anderes Problem: Für die "rund 100 geplanten Aufführungen" stehen im "Theater am Marientor" mehr als 154.000 Karten zur Verfügung.

In kleiner Runde machte sich dann der wirkliche Autark-Horror breit: Bis Ende letzter Woche waren für alle Aufführungen lediglich knapp 1.850 Tickets verkauft. Das sind rund 0,012 Prozent aller zur Verfügung stehenden Karten. Um wenigstens eine Kostendeckung sicherzustellen, müssen zwischen 78 und 82 Prozent aller Karten verkauft sein.

Die aktuellen Zahlen haben die Autark-Betrüger bis heute keinem Investor gezeigt. 

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