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Finanztest

Ariane Lauenburg soll 50.000 Euro kassiert haben

Exklusiv · So arbeitet die Investigativ-Reporterin: Am liebsten in die eigene Tasche

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Ariane Lauenburg ist wie die nette Nachbarin: Freundlich, aufgeschlossen, selbstbewusst. Dich das Bild täuscht: Glaubt man den Schilderungen ist sie eine gemeingefährliche Erpresserin

Schwere Vorwürfe gegen die „Investigativ-Reporterin“ Ariane Lauenburg von der „Stiftung Warentest“: Sie soll 50.000 Euro in bar erhalten haben. Das beeidet ein betroffener Unternehmer. Seine Eidesstattliche Versicherung liegt dem :gerlachreport vor. Nach einem Treffen in Berlin steht wohl fest: Die Mitarbeiterin der „Stiftung Warentest“ und der Zeitschrift „Finanztest“ hat offenbar regelmässig und mit System bei Unternehmern und Unternehmen abkassiert. Der betroffene Unternehmer hatte sich nach der umfangreichen Berichterstattung des :gerlachreport zu dem Thema Ariane Lauenburg an die Redaktion gewandt. Um das gesamte Ausmaß des Vorgangs zu verdeutlichen, hat sich die Redaktion entschlossen, die Schilderungen des Mannes in der Form zu veröffentlichen, wie auch das Treffen stattfand - als Interview.

Sie haben sich an die Redaktion des :gerlachreport gewandt, um Ihre Erfahrungen mit Frau Lauenburg und dem „Finanztest“ zu schildern. Was ist passiert?

Ich bekam eine E-Mail in der mir eine Mitarbeiterin der Stiftung Warentest einen Fragenkatalog zugeleitet hat. Dabei ging es um unsere Beratungen und Anlagegeschäfte, die wir auf eigene und auf fremde Rechnungen durchführen. Die Mitarbeiterin wies sich als Redakteurin aus. Es handelte sich um eine Ariane Lauenburg.

Was wollte Frau Lauenburg von Ihnen wissen?

Sie hat eigentlich gar keine richtigen Fragen gestellt. Sie hat Behauptungen formuliert und diese in einen Fragenmantel gesteckt. Sie hat auch nicht neutral Sachverhalte erfragt, sondern bereits aggressiv und drohend geschrieben.

Wie kam Frau Lauenburg an die Informationen über Ihre Firma?

Das konnten wir bis heute nicht feststellen. Das kann von Mitarbeitern, aus dem privaten Umfeld oder von Mitbewerbern stammen. Es war jedoch klar, dass die Informationen so werthaltig waren, dass Frau Lauenburg davon ausgehen konnte, dass wir darauf reagieren werden. Eigentlich müssen. Denn wer will sich schon als Betrüger, Abzocker oder etwas anderes bezeichnen lassen?

Wie haben Sie reagiert?

Ich habe die Telefonnummer angerufen. Am Telefon war Frau Lauenburg. Sie war sehr nett und sagte, sie müsse ja auch nur ihre Arbeit tun. Und die Aufgabe der Redaktion bestünde darin, Missstände zu beschreiben und die Leser zu warnen. Ich habe ihr dann gesagt, dass ich ihre Fragen und Unterstellungen unprofessionell, anmaßend und falsch erachte. Da sie gar nicht in die einzelnen Sachfragen und Prozesse eingebunden ist, kann sie sich auch gar kein Urteil erlauben.

Sie bestand darauf, dass ihre Recherchen richtig seien, was sie nicht sind, und fragte mich, ob ich ihr eine Telefonnummer geben könnte. Sie würde mit mir dann noch einmal gesondert über diesen Fall und ihre Recherchen sprechen.

Haben Sie ihr die Nummer gegeben?

Ja, natürlich. Ich hatte ja ein Interesse, dass das gesamte Thema nicht hochkocht und zu einem Schaden führen würde. Sie rief sogar sehr schnell an. Sie sagte, dass sie jetzt frei sprechen könnte. In der Redaktion sei man nie sicher, ob die Telefone nicht ab gehört werden. Sie berichtete, dass sie im Axel Springer Verlag gearbeitet habe und dort die Telefone regelmässig kontrolliert werden. Jetzt könne sie frei sprechen.

Um was ging es?

Frau Lauenburg kam schnell zur Sache. Sie sagte, dass eine Berichterstattung für die Betroffenen eine schlimme Folge haben können. Das auch, weil die Berichte auch von anderen Medien aufgegriffen werden und so ein Rattenschwanz an negativer Presse erfolgt, den man dann nicht mehr einfangen kann. Die Leute sind ja auch so eingestellt, dass sie glauben, was sie lesen. Und wenn man sich nicht verteidigt, weil die Sachverhalte gar nicht stimmen, ist das wie ein Schuldeingeständnis. Ich kann mir eine öffentliche Diskussion schon wegen meiner Kunden gar nicht leisten.

Hatten Sie das Gefühl, dass Frau Lauenburg bei diesem Gespräch sehr gezielt und bewusst gearbeitet hat?

Auf jeden Fall. Sie wusste in jeder Sekunde, was sie tat. Mich hat gewundert, dass es sie gar nicht interessiert hat, wie die tatsächlichen Sachverhalte sind. Sie hat auch nicht ihren Informanten infrage gestellt. Sie hat behauptet und ist dann bei dieser Behauptung geblieben. Ich habe schnell gemerkt, dass es kaum eine Chance gab.

Ich habe Frau Lauenburg auch zu einem Gespräch in mein Büro eingeladen. Das hat sie ausgeschlagen und gesagt, das sei nicht nötig, wir würden uns auch so einigen. Ich bin dann sehr hellhörig geworden.

Was meinen Sie?

Es war für mich sehr schnell klar, dass Frau Lauenburg ein bestimmtes Ziel verfolgte. Sie sagte mir, dass es sehr teuer werden würde, wenn man als Unternehmen einen Reputationsschaden heilen müsste. Anwaltskosten, Löschung von Einträgen bei Google, Schreiben an Kunden, Beruhigung der Mitarbeiter - sie kannte detailliert die ganzen Folgen einer solchen Berichterstattung. Es war wie aus einem Lehrbuch. Ich habe dann einfach gefragt, was sie möchte.

50.000 Euro oder es kommt zur Veröffentlichung

 

Ich möchte eine angemessene Zahlung hat sie gesagt. Ich bin für jedes Angebot offen. Ich war total überrascht und perplex. Denn ich hatte gar nicht damit gerechnet, dass eine Mitarbeiterin aus dem Hause der Stiftung Warentest ein solches Angebot machen kann. Ich habe das dann auch gefragt. Sie hat durchs Telefon gelacht und gesagt, dass sie entscheidet, was veröffentlicht wird und sie auch Geschichten, die sie nicht mag, archivieren kann. Genauso wie sie Geschichten über Personen und Unternehmen entsprechend medienwirksam veröffentlichen kann. Ich war entsetzt und malte mir die Folgen für die Betroffenen aus. Und plötzlich war ich einer davon.

Hatten Sie eine Idee wie hoch die Forderung sein könnte?

Nein, natürlich nicht. Ich hatte vielleicht mit ein paar tausend Euro gerechnet. Ich habe mir überlegt, wieviel eine PR-Agentur kostet und eine PR-Kampagne kosten könnte. Vielleicht 10.000 Euro, oder so. Ich habe Frau Lauenburg dann auch diesen Betrag genannt. Sie hat gelacht. Und gesagt, da müsste ich schon ein bißchen mehr investieren. Sie hat dann auch irgendetwas von einem Seitenpreis in ihrem Magazin gesprochen und dass PR mehr wert sei. Mir war das alles zu viel und ich habe sie direkt graft, was sie haben möchte. Sie hatte ein klare Vorstellung und wollte 50.000 Euro.

Hat sie definitiv gesagt, 50.000 Euro oder es kommt zur Veröffentlichung?

Ja. Frau Lauenburg hat dann ein Treffen vorgeschlagen. Sie wollte sich an einem Platz treffen, an dem es keine Überwachungskameras gab und man ihre Spur nicht verfolgen konnte. Ich sollte auch alleine kommen. Das war sehr konspirativ. Sie fragte, ob ich das Geld bis zum nächsten Abend in bar organisieren könnte. Das habe ich bejaht. Sie sagte dann, dass sie mich am nächsten Abend anrufen würde und mir den genauen Treffpunkt sagt.

Sie hätten zur Polizei gehen können. Sie hätten sich an die Stiftung Warentest wenden können, Sie hätten einen Privatdetektiv beauftragen können - was haben Sie gemacht?

Ich habe meinen Anwalt angerufen. Und er hat mir verdeutlicht, dass es einfacher sei, zu bezahlen und die Sache zu vergessen. Mein Anwalt sagte, dass Frau Lauenburg immer behaupten würde, dass ich ihr die Summe angeboten hätte. Die Beweislast ist sehr kompliziert. Andersherum: Das Konzept ist ziemlich clever. Natürlich sind 50.000 Euro viel Geld. Aber auf der anderen Seite nichts verglichen mit dem Schaden, der angerichtet wird. ich habe dann erfahren, dass diese Methode in Deutschland seit Jahren üblich ist. Ich hatte nur keine Ahnung, dass derartige Dinge auch bei der Stiftung Warentest passieren.

Hat Frau Lauenburg angerufen?

Ja und wir haben uns zu später Stunde getroffen. Es war ein kurzes, freundliches Treffen, ich habe ihr das Paket mit dem Geld übergeben. Sie hat kurz reingeschaut, sich bedankt und ist dann gegangen.

Wir zeigen dem Unternehmer ein Foto von Frau Lauenburg: Ist sie das?

Ja, das ist sie. Ich war froh, dass die Sache dann vorbei war. Am Ende haben wir alle gedacht, dass es so der einfachste Weg ist. Ich habe dann die Berichte im :gerlachreport gelesen. Auch der :gerlachreport ist ja Opfer einer Erpressung von Ariane Lauenburg. Man sieht ja, was passiert, wenn man die Frau nicht bezahlt.

Ich habe meinen Ärger über diese Erpressung noch nicht verarbeitet. Ich hoffe, dass jetzt noch mehr Opfer den Mut aufbringen und von ihren Erlebnissen erzählen. Das ist kein Einzelfall. Und ich werde dann dabei helfen, dass solche Methoden ein Ende finden.

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Eine guter Nachrichten-Tipp beschreibt ein klares und verständliches Problem. Die Suche nach Hilfe, weil großer Schaden oder Leid angerichtet wurden. Falsche Verdächtigungen helfen niemandem und führen nicht zu einer Veröffentlichung.

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